Wie der Kolonialwarenladen zum Discounter wurde

Wer von uns weiß, dass EDEKA eigentlich „Einkaufgenossenschaft deutscher Kolonialwarenhändler“ heißt? Niemand? Dachte ich mir. Denn ich wusste es bis dato auch nicht.

EDEKA und Kaisers Kaffee gegründet in der Kaiserzeit

Aber EDEKA und Kaisers Kaffeegesellschaft entstanden während der Kaiserzeit (EDEKA 1912, Kaisers schon 1897) als gegründete Einkaufsgenossenschaften in den Städten, um den dort ansteigenden Konsumbedarf zu stillen. REWE kam erst 1921 hinzu.

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„Der süße Liebling“ – Eine Liebe aus Düsseldorf im 1. Weltkrieg

Schön ist, wenn wir Erinnerungen in den Händen halten und betrachten können. Manchmal der Hobbyforscher Glück: eine Freundin zeigte mir die Feldpostkarte ihres Großvaters  aus dem 1. Weltkrieg. Auf der Vorderseite mit seinem Konterfei (in Uniform), auf der Rückseite ein Brief an seine Frau und Mutter seiner vier überlebenden Kinder. Und nennt sie in seiner Anrede „ mein  süßer Liebling“.

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Warum die damalige Clanmentalität an unserer Individualität zerbrach

Wie ich in anderen Blogtexten bereits erzählte, sorgte die katholische Kirche mit ihrem Strukturprogramm über Liebe und Ehe dafür, dass Werte wie Monogamie und Inzestverbot immer weiter an Einfluss gewannen.

Das Ideal der ewigen Ehe

Das in unseren Köpfen bis heute währende Ideal von der unauflösbaren Ehe stammt also aus der Zeit der katholischen Kirche. Auch wenn wir die theologischen Lehren  immer mehr zu unseren Gunsten verwässerten: Der Wunsch lautete immer, die Ehe möge ewig halten.  Der Unterschied zu damals ist nur, dass wir Kraft unsere Individualität meinen unseren Partner selbst aussuchen zu können.  Aber angefangen hat Ganze mit  dem kirchlichen Grundgedanken, dass die Ehe auf den Konsens zweier Individuen beruht

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Drei Eheformen im Mittelalter – ein verqueres Nebeneinander

Darüber, dass Liebe in früheren Jahrhunderten allenfalls ein willkommenes Beiwerk war, habe ich schon oft geschrieben. Tatsächlich existierten im frühen Mittelalter mehrere Eheformen nebeneinander, die sich aus dem römisch-germanischen Recht entwickelt hatten. Bemerkenswert ist, dass diese Verbindungen lange Zeit parallel gelebt wurden, ohne dass man daran moralisch Anstoß nahm – zumindest zunächst.

Die ausgehandelte Muntehe

Die wohl bekannteste Form war die sogenannte Muntehe. Hier zahlte der Bräutigam einen mit der Sippe der Braut ausgehandelten Betrag, den sogenannten Muntschatz. Erst nach dieser Zahlung wechselte die Frau offiziell aus der Vormundschaft ihres Vaters in die ihres Ehemannes.

Ob diese Summe tatsächlich als „Wert“ einer Tochter verstanden wurde oder eher als Absicherung, lässt sich heute schwer sagen. Fest steht jedoch: Die Muntehe war rechtlich verbindlich und gesellschaftlich anerkannt.

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Ein Beruf mit schlechten Ruf: Der Müller

Ein weiterer gesellschaftlich unverzichtbarer Beruf wurde von der Dorfgemeinschaft über Jahrhunderte hinweg misstrauisch beäugt und verachtet: der des Müllers. Nicht nur, dass der Müller im frühen Mittelalter im Kriegsfall als unabkömmlich galt und deshalb nicht zu den Waffen greifen durfte. Schon das reichte aus, um ihm die „Ehr im Leib“ abzusprechen – ein Mann, der nicht kämpfte, galt vielen nicht als vollwertig.

Dieb und Halsabschneider

Obwohl Müller und ihre Gesellen oft Tag und Nacht arbeiteten und für sie weder Sonn- noch Feiertage galten – man denke nur an das volkstümliche Lied „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ –, haftete ihnen der Ruf des Betrügers an. Bauern brachten ihr Getreide zur Mühle und waren überzeugt, weniger Mehl zurückzubekommen, als ihnen zustand. Der Verdacht lautete: Der Müller zweige heimlich etwas ab.

Dieser Argwohn saß tief und ließ sich kaum ausräumen.

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Knochenjob statt Idylle

Warum Schäfer früher als „unehrlicher“ Beruf galt

Aus heutiger Sicht wirkt das Bild idyllisch: Ein Schäfer zieht mit seiner Herde durch die Landschaft. Doch die Wirklichkeit sah anders aus. Der Beruf war hart, schlecht bezahlt – und gesellschaftlich standen Schäfer lange auf einer der untersten Stufen der Dorfgemeinschaft.

Als ich mich vor einigen Jahren mit meinen eigenen Vorfahren beschäftigte, stellte ich zu meinem Erstaunen fest, dass ein Schäfer innerhalb eines Dorfes früher auf einer der untersten Stufen der Gemeinschaft stand.

Wie kann das sein?

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Wir sind Fremde – fast überall

Bei der Recherche in der  Spurensammlung unserer Ahnen stellen wir (oft zu unserem Leidwesen) fest, dass sich unsere Vorfahren sich nicht an der ihrer Scholle festgeklammert hatten. Meist blieb sie nur zwei bis drei Generationen, an einem Ort, manchmal waren sie nur auf der Durchreise.

Kein festgepflanzter Baum

Dass die Menschen vor 200 Jahren sich in ihrem Heimatort wie ein Baum festgepflanzt hatten- dieser Zahn wird einem Forscher schnell gezogen.  Und wir müssen erkennen: Auch damals waren wir Fremde– fast überall.

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Der Zusammenhalt der Sippe: Zwangsjacke oder Existenzsicherung?

Die Liebe hat ja bekanntlich viele Gesichter. Zum Beispiel die des Pragmatismus. Zugleich war es eine Mischung aus sozialer Notwendigkeit, Einsicht ins Unvermeidliche und Anpassung.

Zeugung legaler Nachkommen

Um es kurz zu machen: Mann und Frau kannten ihren Auftrag. Denn Sinn und Zweck der Ehe war, legale Nachkommen zu zeugen und damit den Besitz (Haus, Hof, Werkstatt etc.)an die nächste Generation  weiter zu geben. Durch die Vergrößerung der  Sippe erweiterte sich zugleich das eigene Netzwerk. Und je größer es war, desto besser gelang es der eigenen Familie, zu überleben.

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„Menschen können gewissermaßen weggeweht werden, wohin der Wind sie treibt“

Ich las diesen Satz in einer Ausstellung von der belgischen Fotografin Bieke Depoorter. Sie veröffentlichte 2019 im Forum NRW Düsseldorf ihre akribischen Recherchen über das Leben des verrückten Michael aus Portland. Nachdem er ihr seine Koffer voll wirrer Skripte hinterlassen hatte, verschwand er aus ihrem Leben – und blieb es bis heute.

Und je energischer sie ihn suchte, desto mehr verlor sie ihn. Ein Polizist, mit dem sie darüber sprach, tröstete sie mit dem Satz, dass der Mensch dorthin geweht wird, wohin der Wind ihn treibt.

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Keine Ehe für Jedermann

Tatsächlich gab es keine Ehe für Jedermann – und das bis ins 19. Jahrhundert hinein. Etlichen Schichten blieb der Hausstand verwehrt. Dazu gehörten die mittellose Schicht der Tagelöhner, Knechte und Mägde, Kinder von Prostituierten oder auch Soldaten. Auch der Lehnsherr achtete streng darauf und drang bei den Bauern aufgrund von Machtansprüchen, sich ihre Heiratserlaubnis bei ihm abzuholen.

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