Das Leben unserer Ahnen – Ahnenforschung anders

Die Ahnin“ ist ein Blog über Ahnenforschung, Familiengeschichte, Düsseldorfer Stadtgeschichte und historische Alltagsgeschichten. Aus Archivquellen, Fotografien und Erinnerungen entstehen Geschichten über Menschen, deren Leben oft nur in wenigen Spuren erhalten geblieben ist.

Menschen können gewissermaßen weggeweht werden, wohin der Wind sie treibt.

Diesen Satz sagte ein Polizist zur belgischen Fotografin Bieke Depoorter und wurde später zum Titel ihrer Ausstellung. Monatelang hatte sie einen Mann namens Michael fotografiert. Eines Tages war er plötzlich verschwunden. Was blieb, waren Fotografien, handgeschriebene Notizen und die Spuren eines gelebten Lebens. Mich ließ der Satz nicht los und begleitet mich seitdem bei meiner eigenen Arbeit.

„Menschen können gewissermaßen weggeweht werden, wohin der Wind sie treibt“, sagte mir ein Polizist.

Bieke Depoorter

Geschichte beginnt für mich dort, wo andere nur Daten, Fotografien oder vergilbte Dokumente sehen.

Vom Sammeln zum Verstehen

Als ich mit der Ahnenforschung begann, sammelte ich zunächst wie viele andere Namen, Orte und Lebensdaten. Doch schon bald merkte ich, dass mir das nicht genügte.

Als Sozialwissenschaftlerin interessierten mich weniger die bloßen Fakten als die Geschichten dahinter. Die meisten unserer Vorfahren gehörten nicht zu den Menschen, über die Geschichte geschrieben wurde. Sie waren Ackerer, Tagelöhner, Schäfer, Müller, Drahtzieher, Krämer, Dachdecker, Fabrikarbeiter oder Dienstmädchen – Menschen, die unsere Gesellschaft trugen, ohne selbst im Mittelpunkt zu stehen.

Von ihnen blieben meist nur wenige Spuren: Kirchenbucheinträge, Urkunden, Meldezettel oder Sterbeeinträge. Briefe oder Tagebücher existieren nur selten. Übrig geblieben sind Fragmente eines gelebten Lebens. Gerade diese Fragmente faszinieren mich.

Familiengeschichte ist immer auch Sozialgeschichte

Ein ungewöhnlicher Sterbeort. Ein einziges Wort in einem Kirchenbuch. Ein altes Foto. Eine Erinnerung. Solche Details erzählen zunächst noch keine Geschichte – sie werfen Fragen auf.

Erst wenn historische Quellen, Orte und Lebensumstände zusammenkommen, entsteht ein größeres Bild. Aus einer Familiengeschichte wird Sozialgeschichte. Aus einem Namen wird ein Mensch. Aus einer scheinbaren Kleinigkeit manchmal ein neuer Blick auf die Geschichte einer Stadt oder einer ganzen Epoche.

Dabei geht es mir längst nicht mehr nur um meine eigenen Vorfahren.

Ein Netzwerk der Erinnerungen

Im Laufe der Jahre habe ich festgestellt, dass Geschichten weitere Geschichten nach sich ziehen. Ein Kirchenbucheintrag führt zu einer Fabrik. Ein altes Foto zu einem Zeitzeugen. Eine Familienerinnerung zu einem Stück Düsseldorfer Stadtgeschichte.

Immer wieder begegnen mir Menschen, die ihre Erinnerungen, Fotografien oder Dokumente mit mir teilen. Daraus entsteht nach und nach ein Netzwerk der Erinnerungen. Jede Erinnerung ist einzigartig. Erst im historischen und gesellschaftlichen Zusammenhang entfaltet sie ihre eigentliche Bedeutung.

Die Beiträge auf diesem Blog sind deshalb nicht nur das Ergebnis eigener Recherche. Sie leben ebenso vom Vertrauen der Menschen, die ihre Erinnerungen mit mir teilen.

Ich möchte den Menschen hinter den Quellen ihre Geschichte zurückgeben.

Viele von ihnen hatten den Lauf ihres Lebens nur begrenzt selbst in der Hand. Arbeit, Herkunft, Religion, Krankheit oder Armut bestimmten ihre Möglichkeiten weit stärker, als wir es uns heute oft vorstellen können. Gerade deshalb erzählen ihre Lebensgeschichten nicht nur etwas über einzelne Familien, sondern über die Gesellschaft, in der sie lebten.

Die Ahnin versteht sich deshalb als Verbindung von Familiengeschichte, Sozialgeschichte und Stadtgeschichte.

Denn Quellen muss man nicht nur finden. Man muss lernen, sie zu lesen.

Werbeanzeige der Draht- und Drahtstiftfabrik Dreher & Sohn in Düsseldorf-Gerresheim. Quelle: Peter Stegt / FKI – Industriekultur Düsseldorfs (mit freundlicher Genehmigung).

„Subito“ – Der letzte Arbeitstag eines Gerresheimer Drahtziehers

Warum starb der Drahtzieher Anton Rissart 1905 plötzlich in der Gerresheimer Fabrik Dreher & Sohn? Eine Spurensuche zwischen Familien- und Industriegeschichte.

Steve Mariott am Mikrofon. Fotos Wolfgang Stöhr, Archiv Dieter Petzold

Zehn Mark gegen lange Haare: Als die Small Faces 1968 nach Düsseldorf kamen

Für zehn Mark ließ mein Vater 1968 seine langen Haare abschneiden, um die Small Faces in Düsseldorf zu sehen. Was folgte, waren ein radikaler Haarschnitt, ein chaotisches Konzert und eine Geschichte, die bis heute in der Familie weitererzählt wird.

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„Wer sich an die Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“

G. de Santayana

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