Düsseldorf für Fortgeschrittene: Ein Bierdeckel reicht

Vom Gehen und Sehen

Der Frühling und die Feiertage – sie gehören zum Spazierengehen. Zur Blütenfrische, zum ziellosen Schlendern, zum scheinbar zweckfreien Unterwegssein.

Und doch hat das Gehen Methode. Promenadologen – also Spaziergangsforscher – preisen den ausgedehnten Schritt als „letztes Backup unserer Mobilität“. Bertram Weisshaar formuliert es so: Wer zu Fuß geht, lässt seine Füße gehen, schaut nach links und rechts und schärft dabei seine Wahrnehmung für die Umgebung.

Eine Stadt, die auf einem Bierdeckel stehen kann. Wer hat das schon?, ©via wikipedia commons
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Düsseldorfs Stadtoriginal: Angela Spook als Hexe von der Kö

Wer kennt sie nicht: Die zu Stadtoriginalen herangewachsenen Menschen, die überhaupt zu wissen, wer ihnen dieses Etikett auf dem Leib gestempelt hat. Vielleicht liegt es daran, dass sie so elementar und echt sind, sie in der lauten Welt mit ihren Eigenheiten einstehen, dass ihre Originalität von Generation zu Generation weitergetragen werden.

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Mehr als nur ein Dichter…

Ein Geburtstagsgruß an den patriotischen Weltbürger Heinrich Heine

Düsseldorf wäre nicht Düsseldorf, wenn die Stadt sich nicht um ihre Berühmtheiten kümmern würde. Heinrich Heine, der große deutsche Dichter, taucht hier immer irgendwo auf. Sei es in Form von Straßennamen, Namensgeber der Universität oder das zum Heine Haus Literaturhaus umfunktionierte Geburtshaus. Auch das Heinrich-Heine- Institut in der Carlstadt mit Archiv, Bibliothek und Museum gehört dazu.

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Als Marlene Dietrich 1960 nach Düsseldorf kam – und nicht überall willkommen war

Eine Diva zwischen Bewunderung und Ablehnung

Vor wenigen Tagen stand ich erneut in der Lobby eines traditionsreichen Hotels in München. Gegenüber der Rezeption hing noch immer das große Tourneeplakat von Marlene Dietrich. Es zeigt sie in ihrem berühmten Schwanenmantel und kündigt einen Gala-Abend ihrer Deutschlandtournee 1960 an.

Zum ersten Mal war ich 2022 dort. Damals machte mich der Hotelier auf das Plakat aufmerksam. Er erzählte mir, dass dieses Exemplar mit dem Veranstaltungsbanner am unteren Rand nach seinem Wissen das einzige seiner Art sei. Im selben Gespräch berichtete er mir auch von einer persönlichen Begegnung mit Marlene Dietrich. Seine Ausbildung hatte er – wie es sich für einen Hotelier alter Schule gehörte – in Paris absolviert. Dort sah er die Dietrich noch einmal, als sie bereits zurückgezogen lebte und fast unbeachtet im Rollstuhl durch die Straßen geschoben wurde.

Als ich nun wieder vor dem Plakat stand, musste ich unwillkürlich an ihren Besuch in Düsseldorf denken. Dort war sie am 16. Mai 1960 Weltstar – und für manche noch immer eine Verräterin.

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Beherrschst du die Weiße, beherrschst du dich selbst.

Ein zartes Klicken oder ein kurzer Aufprall mit einer kaskadenartigen Abfolge von zusammenstoßenden Kugeln; bei der Königsdisziplin des Billards „Snooker“, kommt es auf Nuancen an. Auf das genaue Hinschauen bei der Positionierung der Bälle. Auf die Präzision beim Ausführen des Stoßes, der nur gelingt, wenn man seinen Arm zu händeln weiß, Geschwindigkeit und Drall genau kennt, und die Gefühle reguliert. Man kann auch sagen: Beherrschst du dich selbst, beherrschst du die weiße Kugel.

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Lächelnd auf seine eigene Leiche schauen oder schlumpfig in des Schneiders Gasse.

Eine Kreuzung aus Alfred E. Neumann, dem Maskottchen der Satirezeitschrift MAD, und einem asketischen Yogi ziert mit gekreuzten Beinen als Statue die Schneider-Wibbel-Gasse in der Düsseldorfer Altstadt. Das bronzene Männlein mit den von Touristen blankgeriebenen Ellbogen und Knien ist Namensgeber dieser Gasse.  Und zugleich Düsseldorfs Patron für Pfiffigkeit und rheinische Augenzwinkerei, was schon sein schlumpfiges Lächeln bezeugt. (Eventuelle daraus ergebenen Ähnlichkeiten mit prominenten Politikern sind rein zufällig;-)) Außerdem gibt es den Schneider-Wibbel schon seit über 100 Jahren, wenn auch als Figur eines Theaterstücks von Hans Müller-Schlösser.

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Düsseldorfs „Friedenskonzept“ – Aus Festung wird Garten.

Nur die Zurufe der Bauarbeiter wehen vom Mannesmannufer herüber. In dem kleinen Rosarium mit der barocken Sonnenuhr in der Mitte herrscht absolute Stille. Absolut? Nicht ganz. Ein leises Summen dringt aus den Lavendelbüschen, die zwischen den Rosensträuchern wuchern. Obwohl tropische Temperaturen herrschen und die Sonne am höchsten steht, lassen sich die Bienen nicht von der Arbeit abhalten.

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Barocke Petticoats in Düsseldorfs Hofgarten.

Was der Prater für Wien ist der Hofgarten für Düsseldorf. Die grüne Lunge unserer rheinischen Metropole lädt früher wie heute zum Verweilen ein. Vor gut 300 Jahren galt das „Spazierengehen“ als das Privileg des Adels. Der Hochherrschaftliche besaß Zeit, während seine Untertanen von A nach B stauchten, um ihre Arbeit zu erledigen. Promenieren war ein Ausdruck der Freiheit und des Genusses. Etwas, was das Bürgertum nach der französischen Revolution begierig aufsog und zu nutzten verstand.

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