Durch den Gerresheimer Dorfklatsch als „Hexe“ verbrannt
Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich`s gänzlich ungeniert, heißt es so schön. Mit anderen Worten: Es kann einem völlig egal sein, was die Anderen denken. Aber in einem kleinen Dorf bei Düsseldorf war es im 18. Jahrhundert genau umgekehrt: Der schlechte Ruf eilte einer Dorfbewohnerin dem bösen Dorfklatsch voraus. Und ließ sie tödlich auf einem Reisighaufen enden, mit einem Pulverfässchen um den Hals.
Samstag = Badetag. Frisch gewaschen saß das Kind auf dem Sofa vor dem Fernseher, und läutete mit einer Samstagabendshow das Wochenende ein. Was heute mit dem täglichen Duschen unvereinbar ist. Doch kehren wir 900 Jahre zurück. Damals galten wir damit als fortschrittlich! Denn mit dem Niedergang des römischen Reichs ging auch unsere Körperpflege den Bach runter. Und kehrte erst dann langsam mit den zurückgekehrten Kreuzfahrer zurück. Die verausgabten sich nicht nur im Kampf gegen die orientalische Ungläubige, sondern lernte im Gegenzug deren Verständnis für Reinlichkeit durchaus zu schätzen.
Darüber, dass Liebe in früheren Jahrhunderten allenfalls ein willkommenes Beiwerk war, habe ich schon oft geschrieben. Tatsächlich existierten im frühen Mittelalter mehrere Eheformen nebeneinander, die sich aus dem römisch-germanischen Recht entwickelt hatten. Bemerkenswert ist, dass diese Verbindungen lange Zeit parallel gelebt wurden, ohne dass man daran moralisch Anstoß nahm – zumindest zunächst.
Die ausgehandelte Muntehe
Die wohl bekannteste Form war die sogenannte Muntehe. Hier zahlte der Bräutigam einen mit der Sippe der Braut ausgehandelten Betrag, den sogenannten Muntschatz. Erst nach dieser Zahlung wechselte die Frau offiziell aus der Vormundschaft ihres Vaters in die ihres Ehemannes.
Ob diese Summe tatsächlich als „Wert“ einer Tochter verstanden wurde oder eher als Absicherung, lässt sich heute schwer sagen. Fest steht jedoch: Die Muntehe war rechtlich verbindlich und gesellschaftlich anerkannt.