Bier und Klaren am Sonntagvormittag: Warum der Frühschoppen in der Kneipe heute Kultcharakter hat.

Der frühe Vogel fängt den Wurm, heißt es ein Sprichwort. Und impliziert, dass der notorische Frühaufsteher morgens am ehesten fette Beute macht, während der Langschläfer (und Faule) sich mit den Krumen begnügen muss.

Aber hier geht es nicht um preußische Disziplin, mit dem ersten Hahnenschrei aus den Federn zu hüpfen. Sondern darum, was Mann unter einer gepflegten Freizeitgestaltung am Sonntagvormittag verstand. Wovon wir hier sprechen? Ist doch klar – der Frühschoppen.

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Arroganz ist das Gift bei der Ahnenforschung

Bei der Ahnenforschung begegnet mir immer wieder eine Untugend, die mich zunehmend umtreibt: Arroganz.
Nicht laut, nicht spektakulär – sondern leise, bequem und oft unbemerkt.

Ich ertappte mich selbst dabei, als ich meine dreifache Urgroßmutter vorschnell zum Mauerblümchen erklärte, weil sie erst mit 31 Jahren heiratete. Erst später stellte sich heraus, dass sie bereits verheiratet gewesen war. Ihr Mann war gestorben, sie blieb mit zwei kleinen Söhnen zurück. Ihr späterer Ehemann – mein dreifacher Urgroßvater – war 15 Jahre älter, dreifacher Witwer und Vater mehrerer Kinder aus früheren Ehen.

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Was Mick Jagger mit Porträts von Urgroßeltern zu tun hat.

Die Sache mit den Ahnen wird dann erst interessant, wenn zu den langweiligen Dokumenten das „Fleisch“ hinzugefügt wird. Beef in Form von Fotos, Haushaltsbücher, Poesiealbum, Briefe, ein Küchenrezept von der Uroma für den Christstollen oder gar Wehrpässe.

Alte Fotos haben eine Aura

Da der Mensch ein Augentier ist, sind alte Fotos mit das Schönste, was einem Forscher passieren kann.  Der bloße Name wird auf einmal eine Person aus Fleisch und Blut: So also sah die Urgroßmutter im Sonntagsstaat aus, der Großvater in Wehrmachtsuniform, die Tante im schwarzen Konfirmationskleid etc. Und obwohl die Fotos oft im Atelier geschossen wurden und wie gestellt wirken, besitzen sie eine eigentümliche Eindringlichkeit. Wir schauen sie uns gerne an und können gar nicht sagen, was genau uns daran so fesselt. Was genau macht die Faszination aus?

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Harry Potter und das maulende Boudoir

Bei dem Begriff „Boudoir“ sind der Phantasie üblicherweise keinerlei Grenzen gesetzt. Doch keine Angst (oder Enttäuschung?)! Hier geht es nicht um die Ausführungen des Marquis de Sade, der darin ein lasterhaftes Separee der Damenwelt sah mit der Empfehlung zu sado-masochistischen Praktiken.

Schmollwinkel statt Lasterhöhle

Sondern  „Boudoir“ bedeutet so viel wie „maulen“ oder „schmollen“. Böse gesprochen war das Boudoir ein Schmollwinkel, in dem die Frauen ihre Launen ausleben konnten, um dann wieder in heitere Stimmung sich der Öffentlichkeit zu zeigen.   Später oft als Ankleidezimmer verwechselt, war es für die Herrin des Hauses oft die einzige Möglichkeit, sich „privat“ zu machen oder (weibliche) Gäste zu empfangen, während ihre Gatten sich im Herren- oder Billardzimmer auf eine Zigarre zu einem Plausch versammelten.

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Platz gibt’s in der kleinsten Hütte – warum das Schlafen in der Zwischendecke kein Vorläufer von IKEA’s Hochbett war

Ein Freund von mir klingelte vor einigen Jahren in seiner Eigenschaft als Briefträger an einem herrschaftlichen Haus, um die Post abzugeben. Über die Sprechanlage beschied ihm eine weibliche Stimme, sich gefälligst zum Dienstboteneingang zu begeben. Und der sei um die Ecke.

No way für Domestiken im 21. Jahrhundert.

Der Freund ließ die Briefe auf der Fußmatte fallen und begab sich stattdessen auf sein Fahrrad, nicht ohne der weiblichen Stimme zu erklären, dass er keinesfalls zu ihren Domestiken gehöre.

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Was Alice Schwarzer mit der To-Do-Liste von Dienstmädchen zu tun hat?

War Alice Schwarzer, bekannte Publizistin und Frauenrechtlerin, etwa schon Vorkämpferin für die Rechte von Dienstmädchen im 19. Jahrhundert? Zwar haben wir den Eindruck, als hätte sie sich schon ewig für die Frauenrechte stark gemacht, aber so alt ist sie denn doch nicht;-)

Kaum Rechte- aber eine Menge Pflichten

Als die jungen Mädchen vom Lande damals in „Stellung gingen“, wie man so schön sagte, gab es kaum Rechte für sie. Die preußische Gesindeordnung von 1810 legte vielmehr fest, was Dienstboten im Allgemeinen und Stubenmädchen insbesondere zu leisten hatte. Und zwar sich komplett dem Haushalt zur Verfügung zu stellen. Ausgang gab es üblicherweise alle 14 Tage, der allerdings wegen besonderer Vorkommnisse aufgehoben werden konnte. Heute kaum vorstellbar, aber die Herrschaft durfte an den jungen Bauernmädchen ihr Züchtigungsrecht ausüben. Gleichwertiges Arbeitsverhältnis? Keine Spur.

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Herr, es ist Zeit – warum Babys früher im Sommer starben

„Herr, es ist Zeit, der Sommer war sehr groß.“ Mit diesem Anfang seines Gedichtes „Herbsttag“ preist Rainer Maria Rilke die Wonnen des Sommers, der langsam in den Herbst übergeht. In den Tagen, wo die letzten vollen Früchte reifen und die Süße der Trauben den schweren Wein veredeln.

Sommer – Zeit der Infekte

Der Sommer war aber vor 200 Jahren nicht nur die Zeit der Reife und der Wonnen, sondern auch Zeit der Infekte. Und es traf vornehmlich die Säuglinge. Die häufigste Todesursache lautete Magen-Darm-Katarrh, oftmals früher auch unter dem Begriff „Auszehrung“ abgefasst oder „Convulsion“, die immer dann genannt wurde, wenn die Kinder ihre Nahrung nicht vertrugen.

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Ein Schwanengesang auf den Teddy

Im neuen Jahr Gerümpel auszuräumen ist eine gute Sache. Es reinigt nicht nur das Eigenheim, sondern bekanntlich auch die Seele.

Mist ist der beste Nährboden

Doch kehrt man mit eisernem Besen, tut man manchmal des Guten zu viel: Keller und Dachböden hüten in manchen Kisten, Schachteln und Truhen geheimnisvolle Gegenstände – und eben auch  Dinge, bei denen uns das Herz aufgeht. Mist ist bekanntlich der beste Nährboden.

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Wieso der Mohr zu Sarotti kam und dabei seinen Typ veränderte

Ein kleiner Kerl mit Turban, Pluderhosen und Schnabelschuhen. Das Gesicht schwarz wie ein Kohlekeller und die mit Kinder-Kulleraugen Augen mit einem Tablett in der Hand.

Turban, Pluderhosen und Schnabelschuhe

So präsentierte er sich ganzen Generationen von Schokoladenliebhabern auf der Verpackung Schokoladentafeln.  Später zierte er Fensterbänke Postkarten und war überhaupt ein beliebtes Gimmick. Doch – wie kam es dazu?

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Wie der Kolonialwarenladen zum Discounter wurde

Wer von uns weiß, dass EDEKA eigentlich „Einkaufgenossenschaft deutscher Kolonialwarenhändler“ heißt? Niemand? Dachte ich mir. Denn ich wusste es bis dato auch nicht.

EDEKA und Kaisers Kaffee gegründet in der Kaiserzeit

Aber EDEKA und Kaisers Kaffeegesellschaft entstanden während der Kaiserzeit (EDEKA 1912, Kaisers schon 1897) als gegründete Einkaufsgenossenschaften in den Städten, um den dort ansteigenden Konsumbedarf zu stillen. REWE kam erst 1921 hinzu.

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