Die Weihnachtszeit ist längst schon wieder passe und ein jeder fragt sich, was er eigentlich so gemacht hat außer Essen und Geschenke verschenken respektive wieder auspacken. Spielfilme gucken ist eine gute Alternative, besonders die Filme, deren Inhalt man über Generationen kennt und die von jedem Zuschauer immer wieder neu kennengelernt werden.
„Paul Henckels alias Bömmel, Pudlich oder ewige Düsseldorfer Leiche“ weiterlesenNase voll und trotzdem glücklich. Vom Schnupftabak und seiner Dose
Christoph Kolumbus entdeckte nicht nur Amerika, sondern auch an den Nasen der Ureinwohner ein seltsames Pulver. Er hielt es für so interessant, dass er den Schnupftabak in seine portugiesische Heimat brachte. Der am portugiesischen Hof lebende französische Gesandte Jean Nicot führte es am französischen Hof ein und machte damit Katharina di Medici zur ersten Abhängigen. Die Schwiegermutter Maria Stuarts nutzte das poudre de la reine (Pulver der Königin), um ihren ewigen kranken Sohn Franz II zu heilen. Eine Nase voll dem höllischen Puder – voila – und die oberen Atemwege waren frei.

Schnupftabaksdose rettet das Leben von Friedrich II
Man schrieb dem Pulver magische Eigenschaften zu. Es heilte nicht nur Migräne, Pest, Läuse und Brand, sondern auch das Leben. Der bekannte Schnupfer Friedrich der Große, so die Fama, stand im Siebenjährigem Krieg im Felde bei Kunersdorf, als ihn eine feindliche Kugel an der Brust traf. Die Kugel prallte an der Schnupftabaksdose ab, die sich in seiner Brusttasche befand und schenkte dem Preußenkönig das Leben.

In Saucen eingelegter Schnupftabak
Friedrich war nicht nur ein ständiger Sniffer, sondern auch ein Sammler kostbarer Schnupftabaksdosen. Den oft in schäbiger, fleckiger Uniform herumlaufende Preußenkönig hätte man leicht für einen Strauchdieb halten können. Aber damit man sich ja nicht vertat, holte er jederzeit aus seinem Uniformrock eine mit dem Edelstein Chrysomas besetzte Tabatiere und schnupfte den wochenlang in Saucen gelegte spanische Tabak.
Tabatieren aus Edelsteinen
Friedrich der Große betonte in seinem Testament, sich nie staatlicher Gelder bedient zu haben. Tatsächlich aber schuf er aber für die Dinge, die er begehrte eine Art Fond. Dieser Fond ermöglichte es ihm, sich die Kostspieligkeiten wie Schnupftabaksdosen zu leisten. Sein favorisierter Goldschmied Daniel Baudesson (einige seiner Dosen zieren das Metropolitan Museum of Modern Art), schuf u.a. goldene, Brillanten verzierte Kreationen mit Friedrichs Konterfei. Friedrich letzte Dose war im Übrigen eine Holzmaserdose, die sein Kammerdiener Schöning Friedrichs Schwester Amalie nach dessen Tod überreichte.

Kaiser Wilhelm liebte Schnupftabaksdosen wie sein Idol
Auch Kaiser Wilhelm II sammelte in seinem niederländischen Exil, Haus Doorn, Schnupftabaksdosen. In Anlehnung an sein oben genanntes preußisches Idol, gab es neben den Motiven mit seinen »Hobbies« wie Schiffe oder Segelsport, einige Dosen, die den Frontverlauf des Schlesischen Krieges darstellten.

Schnupfen unter Tage auf Du und Du
Schnupftabak galt aber nicht nur als ein Privileg des Adels, sondern sicherte sich seinen Platz in der Mitte der Gesellschaft. Sniffen war gern genommen in der Feuerpause an der Front (obwohl der Schnupftabak im 2. Weltkrieg abnahm) oder im Bergbau. Unter Tage gab es schon allein deswegen nur Tabakpulver, weil die Brandgefahr zu hoch war. Eine kurze Runde Schnupfen mit seinem Kumpel oder Chef auf Du und Du, lockerte die Hierarchie, förderte die Motivation und den Zusammenhalt.

Peer Steinbrück ist ein Amateur in Sachen Sniffen
Auch Politiker snifften, wann es für sie politisch opportun erschien. Während Edmund Stoiber den Schnupftabak vor dem EU-Verbot rettete, zog Franz Müntefering das braune Pulver bei den Ruhrfestspielen über seinen Handrücken durch die Nase. Peer Steinbrück in Bergmannskluft, träufelte sich bei einem Termin in Hamm ebenfalls das Pulver auf die rechte Hand. Ein Amateur in Sachen Schnupfen, denn Kenner nehmen immer die Linke.

Helmut Schmidts menthole Liebe beginnt im Bergbau
Übrigens: Der Schnupftabak ist auch Mittler in Sachen großer Liebe. Unser Alt Bundeskanzler Helmut Schmidt lernte nicht nur das Sniffen von den Kumpels kennen, sondern einen Geschmack, von dem er Zeit seines Lebens nicht mehr loskam. Der in Deutschland hergestellte Snuff ward immer mit Menthol versehen. Schmidt behielt zwar das Schnupfen bei. Da aber die Kippen mehr hergaben, er aber den Menthol-Geschmack nicht missen wollte, deckte er sich fürstlich mit Zigaretten Marke Reyno Menthol ein – und bescherte der Zigarettenfirma ungeahnte Umsätze
Marlene Dietrich und Frank Hollaender
18. Januar 1976 – Todestag des großen Friedrich Hollaender

Heute, vor 48 Jahren, starb der große Komponist, dessen Lieder uns heute noch in den Ohren klingen. Allen voran der Song der feschen Lola, die »von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt« ist und Marlene Dietrich den Grundstein für ihre Weltkarriere sichert. Der kleine Mann, 1896 in London geboren, aber zum echten Berliner herangewachsen, ist ein Hans Dampf in allen Gassen, was Komposition, Musizieren (Klavier) und Texten betrifft. Ein begabtes Multitalent also, besonders, was das Berliner Kabarett anbelangt.

Erste Sporen bei Max Reinhardt
Seine ersten Sporen verdient er unter Max Reinhardts Ägide im Kabarett »Schall und Rauch«. Im neuen Schauspielhaus trifft der junge Hollaender ähnlich Begabte, die ein politisch geprägtes Kabarett nach dem 1. Weltkrieg unbedingt auf die Beine stellen wollen. Auf die Frage, warum ausgerechnet Kabarett, erklärt Kurt Tucholsky, der ebenfalls zur schreibenden Garde wie Klabund und Walter Mehring gehört: »Die Welt schreit nach Satire!« Na denn mal los.

Was das Kabarett von heute unterscheidet, ist die Abwechslung Hier geht es nicht (nur) um Wortspielereien und politischen Sticheleien, sondern auch um Couplets, Spieleinlagen, Chansons, Tanz, alles bestens interpretiert von Gussy Holl und Blandine Ebinger.

Hollaender ist der Mann am Klavier
Der Mann am Klavier ist Teil eines schlagenden Erfolgs. Hier lernt er sein Handwerk, der ihm auch in der Emigration von Nutzen sein wird: Den sprachlichen Rhythmus in die Musik zu integrieren. Seine Chansons schreibt er seiner damaligen Partnerin Blandine Ebinger auf dem Leib. Einige Lieder haben sich bis heute erhalten und werden neue interpretiert. Der Berliner kommt in den Liedern überall durch. Blandine singt und spielt die kesse Hinterhofgöre in dem Song » Lied eines armen Mädchens« und sinniert darüber, was die Nachwelt auf ihrer eigenen Beerdigung macht.
Das »Schall und Rauch« öffnet ihm viele Türen und er wird zum gefragten Mann. Er schreibt nicht nur für das Kabarett »Die Rampe«, vertont Tucholskys Texte, sondern liefert Chansons für Trude Hesterbergs »Wilde Bühne«.

Januar 1931: Eröffnung des Tingel-Tangel-Theaters
Irgendwann will er nicht nur für andere Revuen und Kabarettstücke schreiben, sondern selbst eins gründen. Die schwierigen Zeiten fordern ihn geradezu heraus. 1931 ist es soweit: Im Keller des »Theaters des Westens« eröffnet sich für Hollaender eine Vision des »Tingel-Tangel-Theaters«. Mit Feuereifer geht er an die Arbeit. Neue Beleuchtung, eine moderne Bühne, Farben und Spotlights müssen her, sowie zwei Stützflügel und – sehr wichtig- neue Parkettstühle, die ausgerechnet am Tag der Generalprobe geliefert werden.

Die Zeiten sind schwierig, aber das »Tingel-Tangel« gerät zum großen Erfolg. Bei der Premiere am 7. Januar 1931taucht ein Gast aus Amerika auf, der nach der großen Pause Chansons zum Besten gibt, die ihn durch Hollaender berühmt gemacht haben: Marlene Dietrich! Sie singt nicht nur » Von Kopf bis Fuß, sondern auch »Wenn ich mir was wünschen dürfte«.

Höchste Eisenbahn vor dem Reichtagsbrand
«Höchste Eisenbahn« laute der Name seiner letzten Revue im Tingel-Tangel und das ist es in der Tat. SA-Schlägertrupps stehen drohend im Parkett und Anfang Januar 1933 gingt Hollaender auf und schließt seinen Lebenstraum. Nazis verwüsten seine Wohnung und in der Nacht des Reichstagsbrand packt er seine Lebensgefährtin Hedi Schoop bei der Hand, fährt mit dem Taxi zum Bahnhof Friedrichstadt. Den ersten Zug, den beide nehmen, fährt nach Paris, wo sich die anderen Emigranten im Hotel Asonia schon versammelt haben.

In Hollywood nur einer unter vielen
Hollaender geht es besser als andere. Hollywood ruft, der »Blaue Engel« winkt als Entree. Aber darf sich in Amerikas Traumfabrik nicht täuschen, mehr als ein Billett für das Image ist es nicht. Denn letztlich ist er nur einer von vielen anderen Emigranten, die sich Bienen um einen Topf Honig schwirren. Unter ihnen sind es die renommierten Künstler wie Peter Lorre, Billy Wilder, Kurt Weill, Fritzi Massary, Alfred Döblin, Fritz Kortner, Lion Feuchtwanger und Bert Brecht. Was bleibt für ihn übrig?
Verlorene Sprache und stockende Zunge
Obwohl er sich durchbeißt und fleißig Filmmusik schreibt, verspürt er dennoch Sehnsucht und Traurigkeit. In Hollywood kommt trotz seiner Erfolge nie richtig an. In der Emigrantenballade, die er 1939 im German Jewish Club vorträgt, zeigt er, wie es um sein Herz wirklich bestellt ist. »Ach, sie haben ihre Sprache verloren und der Zunge flinke Biegsamkeit.«

Der Clown hat keine Stellung mehr
1955 kehrt er endgültig zurück und lässt sich in München nieder. An Ideen und Einfällen mangelt es ihm nicht, aber sein altes Tingel-Tangel-Sujet will nicht im neuen Deutschland nicht mehr so richtig funktionieren. Zwar schreibt er bis zu seinem Tod, aber Musik macht er keine mehr. Als er am 18. Januar 1976 stirbt, ist er das, was er 1961 bei seinem letzten Chanson besang: » Clown, du hast die Stellung verloren, sieh dich nach einer anderen um.«
Erich Kästners „Fliegendes Klassenzimmer“
Wo die Mutigen klug und die Klugen mutig werden
Passend zur Weihnachtszeit: Die Deutschen lieben Antihelden. So wie Siegfried, der trotz seines Bades im Drachenblut just an der Stelle verwundbar war, wo das Blatt zuvor auf seine Schultern fiel, sind sechs Internatsschüler aus Erich Kästners Roman Das fliegende Klassenzimmer Helden mit sympathischen Schwächen:
„Erich Kästners „Fliegendes Klassenzimmer““ weiterlesenBert Brechts beherrschte Wohnkultur
An Bert Brecht scheiden sich schulisch, literarisch und politisch oft die Geister; kaum jemand würde an ihm unter dem Begriff „Heimat in den eigenen vier Wänden“ einen Gedanken zu verschwenden. Und doch – wer sich bei seinem Berlin Besuch mal die Mühe macht, das Brechtarchiv http://www.adk.de/de/archiv/museen/brecht-weigel-museum/index.htm zu besuchen, wird möglicherweise eines Besseren belehrt.
„Bert Brechts beherrschte Wohnkultur“ weiterlesenMätressen brauchen keine Nasen
Auf- und Abstieg durch Gift. Gestank und Frömmelei
Sie war die Ehrendame seiner spanischen Gattin und zugleich eine enge Freundin ihrer zukünftigen Vorgängerin Louise de La Vallière. Beobachter nannten sie eine paradiesische Augenweide, Lieselotte von der Pfalz, des Sonnenkönigs Schwägerin hingegen fand: „Sie herrscht dröhnend und triumphierend“. Die Rede ist von Françoise de Montespan, langjährige Herzensdame von Ludwig des XIV.
„Mätressen brauchen keine Nasen“ weiterlesenEffizienz oder Respektlosigkeit? Warum die Jogginghose Kultstatus erlangte.
Er jährt sich wieder, der Tag der Jogging Hose (21. Januar, nicht vergessen!!!) und jeder stellt sich folgende Frage: Wie konnte es geschehen, dass die einstige Lümmel-Buxe salonfähig wurde. Oder auch nur ein entsetztes Why???
„Effizienz oder Respektlosigkeit? Warum die Jogginghose Kultstatus erlangte.“ weiterlesenAls die Dietrich auch einen Koffer in Düsseldorf hatte!
Die Kritiker überschlugen sich förmlich, registrierten noch so kleines Accessoire ihres Outfits. Bei ihrer Ankunft am 16. Mai 1960 auf dem Düsseldorfer Flughafen trug Marlene Dietrich einen weißen Topfhut zu einem schlichten grauen Schneiderkostüm. Die Zigarette lässig in der rechten weißbehandschuhten Hand haltend, beantwortete sie auf der anschließenden Pressekonferenz in einem Düsseldorfer Hotel die Fragen der Journalisten. Ihre Stimme klang müde und angeraut. Wie immer mit preußischer Haltung, bemühte sie sich nichts anmerken zu lassen. Dennoch war ihr der Kummer über die schlechte Presse und der schlechten Deutschland-Tournee anzusehen. Der Vorwurf der zu hohen Eintrittspreises (sage und schreibe 100 Mark) schob sie den Agenten und Veranstalter zu.
„Als die Dietrich auch einen Koffer in Düsseldorf hatte!“ weiterlesenGollums magischer Ring von Paußnitz
Über Last/Freude des Unverbrüchlichen.
Als Pippa Middleton, besser bekannt als die kleine Schwester von Herzogin Kate, endlich geheiratet wurde, durfte Harrys Freundin Meghan nicht an der Trauung teilnehmen. Der Grund: Sie trug keinen Ehering am Finger. Nur verheiratete Paare durften Zeugen des Ehegelöbnisses werden, obwohl böse Zungen lästerten, die Braut habe Angst gehabt, Meghan hätte ihr die Schau stehlen können.
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