Was ein schlesischer Nachruf bewahrt

Über meinen Ur-Urgroßvater

In der Schlesischen Schulzeitung des Jahres 1911 fand ich mehrere Anzeigen zum Tod eines Mannes, den ich kaum kannte: meines Ur-Urgroßvaters. Seine Frau dankte für die große Anteilnahme am Ableben ihres Mannes, der nach achtjährigem Siechtum sanft entschlafen sei. Kollegen rühmten seine Treue im Beruf, seinen Eifer in Vereinsangelegenheiten und seine Biederkeit – ein Wort, das heute fremd klingt und damals eine Auszeichnung war.

Erst durch diese Nachrufe begann ich zu begreifen, was es bedeutete, im ausgehenden 19. Jahrhundert Volksschullehrer in Schlesien zu sein.

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Fußballertattoos: Den Stammbaum auf der Rückenhaut

Passend zur EM sehe ich nicht nur die neuen Magentafarbenen Trikots, die in gestählten Körper stecken. Aus den Ärmeln lugen allerdings keine behaarte Männerarme hervor, sondern glattrasierte, mit Tinte oder anderen Pigmenten unter die Haut gestochene Verfärbungen, die manchmal zur Besorgnis anregen. War der Arm mal wirklich hautfarben? Oder hat ihn jemand oberhalb der Schulter abgeklemmt?

Auch Basketballer tragen Löwen auf dem Oberarm, ©Steffen Prößdorf via Wikimedia Commons

Marco Reus Löwenkopf

Keine Bange. Während sich Paul Breitner seines Felles und Wolle im Gesicht nicht schämte, verzieren sich die Fußball-Eleven ihre Arme (oder wo auch immer) mit dem, was sie selbst niedlich finden oder heilig ist. So wie kleine Jungs Feuerwehrmann oder Polizist werden wollen, sieht sich Marco Reus als Löwen. Geburtsdatum und sein Name weisen darauf hin, dass er beim Löwenkopf nicht etwa an seinen Deutschlehrer denkt, sondern nur an sich.

Tommy_Lee_2005 mit Tätowierungen, ©Joel Telling

Mesut Özils mögliche Einschlafmärchen?

Was Mesut Özil über seine Tattoos denkt, bleibt wie auch sonst bei seinen Gedanken sein Geheimnis. Am linken Oberarm prangt ebenfalls ein Panthera Leo, aber nach dem Training mit seinem Drill-Instructor zeigte er nicht nur seine gestählten Bauchmuskeln, sondern lüpfte sein Shirt bis hoch zu seiner linken Brust.

Und was sehen die kritischen Pupillen? Drei Halbmonde und ein heulender Wolf zieren die Haut neben seiner linken Brustwarze. Diese Motive entspringen nicht etwa Mesuts mögliche Einschlafmärchen wie »Rotkäppchen« und/oder »Peterchens Mondfahrt«, sondern handelten von dem Symbol der rechten, türkisch-nationalistischen Bewegung der »Grauen Wölfe«. Ob es sich hierbei um ein Abziehbild handelt oder er es immer noch besitzt, entzieht des Betrachters Erkenntnis.

Weiter im Text. Bei dem uruguayischen Keeper Sebastian Sosa soll die Macht und Stärke nicht aus dem Oberarm springen. Die Kraft des Löwen hämmert ihm förmlich aus dem Hinterkopf hinaus und zu körperlichen Höhenflügen hinauf.

Prince_Boateng luca.Byse
91 at it.wikipedia, Public domain, via Wikimedia Commons

Kevin Prince Boateng: Eifriger Tattoo-Studio Gänger

Kevin Prince Boateng, wie sein Bruder Jerome eifriger Tattoo-Studio Gänger in Berlin-Spandau, stellte – ups – zu seinem Erstaunen fest, dass Trends endlich sind. Bedauerlicherweise ist er nun mit seinen Tattoos nur noch einer unter vielen. Kevin Prince gibt sich selbstkritisch. Heute sei man schöner und cooler, wenn man keine habe, erklärte er. So würde es Ronaldo bestätigen, denn er hält, genau wie Thomas Müller, nichts von Körperverzierungen. Allerdings weiß ich nicht, ob Ronaldo mit Kevin Prince Boateng auch über andere Dinge außer Fußball redet.

Ronaldo ist glatt, wie Gott ihn schuf. Cristiano_Ronaldo_20120609_(1)Football.ua, via Wikimedia Commons

Tattoos von Underdogs

Waren Tätowieren früher ein Zeichen der Underdogs (Matrosen, Häftlinge, Rocker, Prostituierten). In Alexandre Dumas »Drei Musketieren« ward die Frau von Arthos, Frau Lady de Winter mit einer Lilie gebrandmarkt, die sie als Kriminelle auswies. Religiöse Motive sind ebenso gern genommen wie Namen und Gesichter der Kinder.

Tattooed_sailor_aboard_the_USS_New_JerseyLt. Comdr. Charles Fenno Jacobs (1904-1975) for the U.S. Navy, Public domain, via Wikimedia Commons

Oli P. und David Haselhoff

Oli P., Ex Schauspieler bei GZSZ und definitiv KEIN Fußballer und Underdog ließ nicht nur seinen Berliner Heimat Code »20« für Spandau in Nacken tätowieren, sondern auch als David Haselhoffs Hardcore Fan an seiner linken Seite Textzeilen aus dessen Evergreen »I`ve been looking for freedom«  

Oli O. ließ sich den David Hasselhoff Song auf die linke Flanke tätowieren, ©Sven Mandel

Jerome Boateng trägt Stammbaum auf dem Rücken

Was die Tattoo Motive anbelangt, so hat Jerome Boateng den Vogel abgeschossen. Zwar erscheint er momentan viel im Anzug vor Gericht wegen Gewaltvorwürfe an seine Ex-Freundin zu sehen und da ist Seriosität angesagt.

Jerome Boateng: Auf jeden Fall schon am Hals tätowiert, ©Дмитрий Садовников

Daher können wir nicht sehen, dass er trägt er seine 16 Ahnen auf dem Rücken trägt. Nachhaltig ist es auf jeden Fall, weil er keinem lästigen Papierausdruck benötigt, clever, weil er seine Gene so nie vergisst, obwohl Schmerzen und Kosten des Tattoo-Studios im in seinem Hinterkopf erhalten bleiben. Ob es für mich als Ahnenforscher allerdings eine Option ist, bleibt fraglich. Nur ein breiter Rücken kann bekanntlich entzücken. Bei Boateng mag es angehen, seine Generationen bis hinunter zum Arschgeweih festzuhalten. Ich allerdings habe am Strand schon etliche Menschen gesehen, deren Steißbein-Tattoo schon mit Anfang 40 dem Verfall preisgegeben wurden.

Könnte Boatengs Rücken so aussehen?, ©daniel-lazarov-1357330-2623692

Kontaktdaten zu Mesut Özils Fitnesstrainer

Ergo muss ich trainieren, bis ich ebenso einen starken Rücken zuhabe. Da die Wahrscheinlichkeit gegen mein Alter plus Trainingseinheit spricht, tätowiere ich lieber geduldiges Papier. Es sei denn, ich komme an die Kontaktdaten von Mesut Özils Fitness Trainer heran. Aber – ob ich dann wie ein tätowierter Fußballspieler herumlaufen will?

Soll so mein Rücken aussehen? Crusade tattoo, ©Anarchyvarius

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Marlene Dietrich und Frank Hollaender

18. Januar 1976 – Todestag des großen Friedrich Hollaender

Friedrich Hollaender@ OTFW Berlin

Heute, vor 48 Jahren, starb der große Komponist, dessen Lieder uns heute noch in den Ohren klingen. Allen voran der Song der feschen Lola, die »von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt« ist und Marlene Dietrich den Grundstein für ihre Weltkarriere sichert. Der kleine Mann, 1896 in London geboren, aber zum echten Berliner herangewachsen, ist ein Hans Dampf in allen Gassen, was Komposition, Musizieren (Klavier) und Texten betrifft. Ein begabtes Multitalent also, besonders, was das Berliner Kabarett anbelangt.

Bundesarchiv_Bild_102-10387,_Max_Reinhardt in Berlin 1930

Erste Sporen bei Max Reinhardt

Seine ersten Sporen verdient er unter Max Reinhardts Ägide im Kabarett »Schall und Rauch«. Im neuen Schauspielhaus trifft der junge Hollaender ähnlich Begabte, die ein politisch geprägtes Kabarett nach dem 1. Weltkrieg unbedingt auf die Beine stellen wollen. Auf die Frage, warum ausgerechnet Kabarett, erklärt Kurt Tucholsky, der ebenfalls zur schreibenden Garde wie Klabund und Walter Mehring gehört: »Die Welt schreit nach Satire!« Na denn mal los.

Schall_und_Rauch-Inserat, Public domain, via Wikimedia Commons

Was das Kabarett von heute unterscheidet, ist die Abwechslung Hier geht es nicht (nur) um Wortspielereien und politischen Sticheleien, sondern auch um Couplets, Spieleinlagen, Chansons, Tanz, alles bestens interpretiert von Gussy Holl und Blandine Ebinger.

Blandine_Ebinger_1920via wikipedia commons

Hollaender ist der Mann am Klavier

Der Mann am Klavier ist Teil eines schlagenden Erfolgs. Hier lernt er sein Handwerk, der ihm auch in der Emigration von Nutzen sein wird: Den sprachlichen Rhythmus in die Musik zu integrieren. Seine Chansons schreibt er seiner damaligen Partnerin Blandine Ebinger auf dem Leib. Einige Lieder haben sich bis heute erhalten und werden neue interpretiert. Der Berliner kommt in den Liedern überall durch. Blandine singt und spielt die kesse Hinterhofgöre in dem Song » Lied eines armen Mädchens« und sinniert darüber, was die Nachwelt auf ihrer eigenen Beerdigung macht.

Das »Schall und Rauch« öffnet ihm viele Türen und er wird zum gefragten Mann. Er schreibt nicht nur für das Kabarett »Die Rampe«, vertont Tucholskys Texte, sondern liefert Chansons für Trude Hesterbergs »Wilde Bühne«.

Tingel Tangel 1903 Heinrich Zille, Public domain, via Wikimedia Commons

Januar 1931: Eröffnung des Tingel-Tangel-Theaters

Irgendwann will er nicht nur für andere Revuen und Kabarettstücke schreiben, sondern selbst eins gründen. Die schwierigen Zeiten fordern ihn geradezu heraus. 1931 ist es soweit: Im Keller des »Theaters des Westens« eröffnet sich für Hollaender eine Vision des »Tingel-Tangel-Theaters«. Mit Feuereifer geht er an die Arbeit. Neue Beleuchtung, eine moderne Bühne, Farben und Spotlights müssen her, sowie zwei Stützflügel und – sehr wichtig- neue Parkettstühle, die ausgerechnet am Tag der Generalprobe geliefert werden.

Marlene Dietrich im Blauen Engel Public domain, via Wikimedia Commons

Die Zeiten sind schwierig, aber das »Tingel-Tangel« gerät zum großen Erfolg. Bei der Premiere am 7. Januar 1931taucht ein Gast aus Amerika auf, der nach der großen Pause Chansons zum Besten gibt, die ihn durch Hollaender berühmt gemacht haben: Marlene Dietrich! Sie singt nicht nur » Von Kopf bis Fuß, sondern auch »Wenn ich mir was wünschen dürfte«.

Der Reichstagsbrand 27./28.02.1933 by wikipedia commons

Höchste Eisenbahn vor dem Reichtagsbrand

«Höchste Eisenbahn« laute der Name seiner letzten Revue im Tingel-Tangel und das ist es in der Tat. SA-Schlägertrupps stehen drohend im Parkett und Anfang Januar 1933 gingt Hollaender auf und schließt seinen Lebenstraum. Nazis verwüsten seine Wohnung und in der Nacht des Reichstagsbrand packt er seine Lebensgefährtin Hedi Schoop bei der Hand, fährt mit dem Taxi zum Bahnhof Friedrichstadt. Den ersten Zug, den beide nehmen, fährt nach Paris, wo sich die anderen Emigranten im Hotel Asonia schon versammelt haben.               

Kurt_Tucholsky_Deutschland_Anzeige_1929 Kurt Tucholsky, Public domain, via Wikimedia Commons

                  

In Hollywood nur einer unter vielen

Hollaender geht es besser als andere. Hollywood ruft, der »Blaue Engel« winkt als Entree. Aber darf sich in Amerikas Traumfabrik nicht täuschen, mehr als ein Billett für das Image ist es nicht. Denn letztlich ist er nur einer von vielen anderen Emigranten, die sich Bienen um einen Topf Honig schwirren. Unter ihnen sind es die renommierten Künstler wie Peter Lorre, Billy Wilder, Kurt Weill, Fritzi Massary, Alfred Döblin, Fritz Kortner, Lion Feuchtwanger und Bert Brecht. Was bleibt für ihn übrig?

Verlorene Sprache und stockende Zunge

Obwohl er sich durchbeißt und fleißig Filmmusik schreibt, verspürt er dennoch Sehnsucht und Traurigkeit. In Hollywood kommt trotz seiner Erfolge nie richtig an. In der Emigrantenballade, die er 1939 im German Jewish Club vorträgt, zeigt er, wie es um sein Herz wirklich bestellt ist. »Ach, sie haben ihre Sprache verloren und der Zunge flinke Biegsamkeit.«

Kurt_Tucholsky_Deutschland_Anzeige_1929 Kurt Tucholsky, Public domain, via Wikimedia Commons

Der Clown hat keine Stellung mehr

1955 kehrt er endgültig zurück und lässt sich in München nieder. An Ideen und Einfällen mangelt es ihm nicht, aber sein altes Tingel-Tangel-Sujet will nicht im neuen Deutschland nicht mehr so richtig funktionieren. Zwar schreibt er bis zu seinem Tod, aber Musik macht er keine mehr. Als er am 18. Januar 1976 stirbt, ist er das, was er 1961 bei seinem letzten Chanson besang: » Clown, du hast die Stellung verloren, sieh dich nach einer anderen um

Mehr als nur ein Dichter…

Ein Geburtstagsgruß an den patriotischen Weltbürger Heinrich Heine

Düsseldorf wäre nicht Düsseldorf, wenn die Stadt sich nicht um ihre Berühmtheiten kümmern würde. Heinrich Heine, der große deutsche Dichter, taucht hier immer irgendwo auf. Sei es in Form von Straßennamen, Namensgeber der Universität oder das zum Heine Haus Literaturhaus umfunktionierte Geburtshaus. Auch das Heinrich-Heine- Institut in der Carlstadt mit Archiv, Bibliothek und Museum gehört dazu.

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Als die Dietrich auch einen Koffer in Düsseldorf hatte!

Die Kritiker überschlugen sich förmlich, registrierten noch so kleines Accessoire ihres Outfits. Bei ihrer Ankunft am 16. Mai 1960 auf dem Düsseldorfer Flughafen trug Marlene Dietrich einen weißen Topfhut zu einem schlichten grauen Schneiderkostüm. Die Zigarette lässig in der rechten weißbehandschuhten Hand haltend, beantwortete sie auf der anschließenden Pressekonferenz in einem Düsseldorfer Hotel die Fragen der Journalisten. Ihre Stimme klang müde und angeraut. Wie immer mit preußischer Haltung, bemühte sie sich nichts anmerken zu lassen. Dennoch war ihr der Kummer über die schlechte Presse und der schlechten Deutschland-Tournee anzusehen. Der Vorwurf der zu hohen Eintrittspreises (sage und schreibe 100 Mark) schob sie den Agenten und Veranstalter zu.

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Die Liebe zu Winnetou endet niemals

  

Alle Vorbilder haben innerhalb Generationen ihre Zeit.  Und oft überdauern auch diese. Was bei manchen Vorbildern wirklich erstaunt, da bis heute keiner deren Daseinsberechtigung erklären. Oder jedenfalls nicht genau.  

Winnetou (Pierre Brice) bei den Karl May Festspielen in Elspe@ Elke Wetzig

Idole sind Phänomene, das keiner so recht erklären kann

Zum Beispiel gibt es Facebookgruppen, die Enid Blytons „5 Freunde“ zu ihren Idolen auserkoren haben. Schallplatten werden aus ihren Hüllen ziehen, auf den Plattenteller gelegt, um damit den Feierabend mit den Stimmen der eigenen Jugend einzuläuten.

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Stammvater von WhatsApp – Düsseldorfs alte Ansichtskarten.

Neulich fiel einer Freundin und mir ein Album ihres Großvaters in die Hände. Kein Fotoalbum, wie zuerst gedacht, sondern ein kartonierter Aktendeckel, in dem sich sorgfältig eingeheftete Ansichtskarten befanden. Dieser Großvater Walter Löffler (Jahrgang 1900) hatte es sich nicht nehmen lassen, jede erdenkliche Postkarte zu sammeln. Nicht nur, die er erhalten hat. Sondern auch diejenigen, die er an seine Liebste schickte. Und wenn  es auch nur von einem Stadtteil zum anderen war. (Gab ja auch noch kaum Telefon)

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Wieso der Mohr zu Sarotti kam – und dabei seinen Typ veränderte

Ein kleiner Kerl mit Turban, Pluderhosen und Schnabelschuhen. Das Gesicht schwarz wie ein Kohlekeller und die mit Kinder-Kulleraugen Augen mit einem Tablett in der Hand.

Turban, Pluderhosen und Schnabelschuhe

So präsentierte er sich ganzen Generationen von Schokoladenliebhabern auf der Verpackung Schokoladentafeln.  Später zierte er Fensterbänke Postkarten und war überhaupt ein beliebtes Gimmick. Doch – wie kam es dazu?

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Wir sind Fremde – fast überall

Bei der Recherche in der  Spurensammlung unserer Ahnen stellen wir (oft zu unserem Leidwesen) fest, dass sich unsere Vorfahren sich nicht an der ihrer Scholle festgeklammert hatten. Meist blieb sie nur zwei bis drei Generationen, an einem Ort, manchmal waren sie nur auf der Durchreise.

Kein festgepflanzter Baum

Dass die Menschen vor 200 Jahren sich in ihrem Heimatort wie ein Baum festgepflanzt hatten- dieser Zahn wird einem Forscher schnell gezogen.  Und wir müssen erkennen: Auch damals waren wir Fremde– fast überall.

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„Menschen können gewissermaßen weggeweht werden, wohin der Wind sie treibt“

Ich las diesen Satz in einer Ausstellung von der belgischen Fotografin Bieke Depoorter. Sie veröffentlichte 2019 im Forum NRW Düsseldorf ihre akribischen Recherchen über das Leben des verrückten Michael aus Portland. Nachdem er ihr seine Koffer voll wirrer Skripte hinterlassen hatte, verschwand er aus ihrem Leben – und blieb es bis heute.

Und je energischer sie ihn suchte, desto mehr verlor sie ihn. Ein Polizist, mit dem sie darüber sprach, tröstete sie mit dem Satz, dass der Mensch dorthin geweht wird, wohin der Wind ihn treibt.

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