Mehr als nur ein Nachbau: Warum das eisenzeitliche Gehöft in Ratingen fehlen wird

Das eisenzeitliche Gehöft am Grünen See in Ratingen bei Düsseldorf ist Geschichte. Nach Jahren des Verfalls wurden die rekonstruierten Gebäude wegen ihrer Baufälligkeit abgetragen. Künftig soll das Gelände nach den Planungen der Stadt als Jugend- und Pfadfinderzeltplatz genutzt werden.[1]

Anlass für diesen Beitrag ist die hervorragende Arbeit des aus dem benachbarten Düsseldorf-Unterrath stammenden Klaus Lipinski, der sich seit vielen Jahren intensiv mit dem eisenzeitlichen Gehöft beschäftigt. Bereits in einem früheren Beitrag dokumentierte er dessen Entstehung und Bedeutung, nun berichtet er über dessen trauriges Ende. Der Artikel zeichnet die Geschichte dieses besonderen Ortes eindrucksvoll nach.

So sah die Rekonstruktion der Häuser aus. Bildrechte: Klaus Lipinski

In der öffentlichen Diskussion wird häufig darauf hingewiesen, dass das Gehöft nicht an einem historisch nachgewiesenen Originalstandort stand. Das ist richtig. Die archäologischen Funde wurden Ende der 1980er Jahre beim Bau der A44 entdeckt – dort, wo heute die Autobahn verläuft. Eine Rekonstruktion am ursprünglichen Fundort war deshalb gar nicht möglich.

Gerade deshalb entstand am Grünen See ein außergewöhnlicher Lernort. Hier wurde Geschichte nicht hinter Glas präsentiert, sondern anschaulich vermittelt. Schulklassen, Familien und viele Besucher konnten erleben, wie Menschen in der Eisenzeit gelebt haben könnten. Das Gehöft war keine Kulisse, sondern ein Ort der Geschichtsvermittlung.

Geschichtsvermittlung am Grünen See in Ratingen ist endgültig Geschichte. Bildrechte: Klaus Lipinski

Umso bedauerlicher ist es, dass dieser Ort über Jahre verfiel. Bereits 2017 berichtete die Westdeutsche Zeitung über den zunehmenden Verfall der Anlage.[2] Im Jahr 2024 machte auch die Rheinische Post deutlich, dass eine umfassende Sanierung dringend erforderlich sei.[3] Zwei Jahre später blieb schließlich nur noch der Abriss. Der schlechte Zustand kam also keineswegs überraschend.

Natürlich müssen Sicherheit und Gefahrenabwehr gewährleistet sein. Wenn Gebäude einsturzgefährdet sind, bleibt manchmal keine andere Möglichkeit als ihr Abbruch. Dennoch stellt sich die Frage, warum ein über viele Jahre geschätzter Lernort soweit verfallen konnte, dass schließlich nur noch dieser Schritt blieb.

Mich überzeugt deshalb auch das Argument nicht, das Gehöft habe keine besondere kulturhistorische Bedeutung gehabt, weil es sich um eine Rekonstruktion handelte. Rekonstruktionen ersetzen keine Originale – aber sie machen Geschichte sichtbar und verständlich. Gerade weil der eigentliche Fundplatz heute unter der Autobahn liegt, war das Gehöft die einzige Möglichkeit, die Lebenswelt der Eisenzeit anschaulich zu vermitteln.

Mit dem geplanten Jugend- und Pfadfinderzeltplatz erhält das Gelände künftig eine neue Nutzung. Das ist für die Jugendarbeit sicherlich zu begrüßen. Gleichzeitig endet damit jedoch ein Kapitel regionaler Geschichtsvermittlung, das viele Menschen über mehr als zwei Jahrzehnte begleitet hat.

Umso wichtiger erscheint es mir, die Geschichte dieses Projekts festzuhalten. Deshalb möchte ich ausdrücklich auf die beiden Beiträge von Klaus Lipinski aufmerksam machen. Sein älterer Artikel beschreibt die Entstehung und Entwicklung des eisenzeitlichen Gehöfts, sein aktueller Beitrag dokumentiert dessen Abriss. Erst beide Texte zusammen zeigen, welche Idee hinter diesem Projekt stand und was mit seinem Verschwinden verloren geht.

Mein herzlicher Dank gilt Klaus Lipinski für die freundliche Genehmigung, seine Fotos in diesem Beitrag verwenden zu dürfen. Wer sich für die Geschichte des eisenzeitlichen Gehöfts interessiert, dem kann ich seine Recherchen nur empfehlen. Sie bewahren die Erinnerung an einen Ort, der für viele Menschen weit mehr war als nur ein Nachbau.

Hier der Link: www.lipinski.de/eisenzeithof/index.php


[1] Vgl. ratingerzeitung.de/jugendzeltplatz-am-ehemaligen-eisenzeitlichen-gehoeft-ermoeglichen (abgerufen am 05.08.2026)

[2] Vgl. http://www.wz.de/nrw/kreis-mettmann/ratingen/eisenzeitliches-gehoeft-verfaellt-langsam_aid-26732937 (abgerufen am 05.08.2026)

[3] Vgl. rp-online.de/nrw/staedte/ratingen/ratingen-eisenzeitliches-gehoeft-muss-dringend-saniert-werden_aid-113895165 (abgerufen am 05.08.2026)

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