Neu überarbeitet: Die Rettung aus dem Marienhospital

Manche Geschichten lassen einen nicht los.

Meinen Beitrag über Liesel Thielen und die dramatische Nacht im Januar 1943 habe ich noch einmal überarbeitet und um neue Aspekte ergänzt.

Liesel war damals erst 15 Jahre alt. Während eines schweren Luftangriffs auf Düsseldorf machte sie sich mit ihrer Freundin Anneliese auf den Weg zum brennenden Marienhospital. Dort lagen ihre Mutter und ihr erst wenige Tage alter Bruder Hans.

Neu hinzugekommen ist unter anderem ein Nachtrag über Kinder im Krieg als »handelnde Subjekte« – und darüber, wie sehr Liesels Erinnerungen zeigen, dass Kinder in solchen Extremsituationen nicht nur Opfer waren, sondern selbst Entscheidungen trafen und Verantwortung übernahmen.

Dazu habe ich den Beitrag mit weiteren historischen und privaten Fotografien ergänzt.

Hier geht es zur vollständig überarbeiteten Geschichte:
Düsseldorf, Januar 1943: Wie ein Baby aus dem zerbombten Marienhospital gerettet wurde

Ich danke Liesel Thielens Familie noch einmal herzlich dafür, dass sie mir ihre Erinnerungen und privaten Aufnahmen anvertraut hat.

Entnazifizierung im Archiv: Was ein leer gelassenes Feld verrät

Archive sind keine Orte der Vergangenheit — sie sind Orte der Überraschung.
Zwischen Fragebögen, Stempeln und vergilbten Formularen tauchen plötzlich Lebensgeschichten auf, die lange verborgen geblieben sind. Zum Tag der Archive habe ich einen Blick in die digitalisierten Entnazifizierungsakten des Landesarchivs NRW geworfen. Was zunächst nach trockener Verwaltung klingt, entpuppte sich schnell als persönliche Spurensuche: ein Schreiner, ein leer gelassenes Feld im Fragebogen — und eine Parteimitgliedskarte, die an ganz anderer Stelle wartete. Manchmal erzählen Archive mehr, als ihre Besitzer je preisgeben wollten.

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Was uns Foto-Rückseiten verraten

Über Provenienz, Zufall und die Geschichten hinter Bildern

Fotos sind wie Dokumente. Sie können jahrzehntelang ihren Dornröschenschlaf in alten Schachteln, vergessenen Umschlägen oder abgegriffenen Brieftaschen halten. Wenn sie nicht vorher im Altpapiercontainer landen oder verbrannt werden – auch das ist ein mögliches Schicksal –, wird es irgendwann jemanden geben, der sich ihrer annimmt: den Künstler, den Archivar, den Ahnenforscher. Oder den berühmten Kommissar Zufall, Sherlock Holmes oder die drei Fragezeichen.
Fotos warten darauf, entdeckt zu werden.

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Fliegerweltrekord im 2. Weltkrieg

Ernst Jachtmanns Segelflug in Ostpreußen

Harry Gieses martialischer Ton dröhnte in die Ohren der Kinogänger, die sich am 22. September 1943 vor dem Hauptfilm die obligate Wochenschau anschauten. Geradezu ekstatisch formulierte er Sätze wie »Wie eine Möwe schwebt das Flugzeug über der Küste.“ Dazu schwenkte die Kamera auf die »Weihe« des Segelflugpiloten Ernst Jachtmann, dann zu seinen zu seinen Hilfstruppen, bestehend aus Kameraden der NSFK-Gruppe 1 und der Luftwaffe. »Wind bleibt!«, haben die Kameraden auf der Erde als Fingerzeig in den Sand geschrieben«, schnarrte Harry Gieses Stimme weiter. Jachtmann nutzte scheinbar ungerührt die Aufwinde der ostpreußischen Küstenlandschaft und flog über deren Köpfe hinweg scheinbar mühelos 55 Stunden, 50 Minuten und 50 Sekunden den Küstenabschnitt hin und her. [1]

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Als Marlene Dietrich 1960 nach Düsseldorf kam – und nicht überall willkommen war

Eine Diva zwischen Bewunderung und Ablehnung

Vor wenigen Tagen stand ich erneut in der Lobby eines traditionsreichen Hotels in München. Gegenüber der Rezeption hing noch immer das große Tourneeplakat von Marlene Dietrich. Es zeigt sie in ihrem berühmten Schwanenmantel und kündigt einen Gala-Abend ihrer Deutschlandtournee 1960 an.

Zum ersten Mal war ich 2022 dort. Damals machte mich der Hotelier auf das Plakat aufmerksam. Er erzählte mir, dass dieses Exemplar mit dem Veranstaltungsbanner am unteren Rand nach seinem Wissen das einzige seiner Art sei. Im selben Gespräch berichtete er mir auch von einer persönlichen Begegnung mit Marlene Dietrich. Seine Ausbildung hatte er – wie es sich für einen Hotelier alter Schule gehörte – in Paris absolviert. Dort sah er die Dietrich noch einmal, als sie bereits zurückgezogen lebte und fast unbeachtet im Rollstuhl durch die Straßen geschoben wurde.

Als ich nun wieder vor dem Plakat stand, musste ich unwillkürlich an ihren Besuch in Düsseldorf denken. Dort war sie am 16. Mai 1960 Weltstar – und für manche noch immer eine Verräterin.

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Düsseldorf Januar 1943: Wie ein Baby aus dem zerbombten Marienhospital gerettet wurde!

Ein Wonneproppen namens Hans

Düsseldorf, 20. Januar 1943. Ein kleiner Wonneproppen mit dem Namen »Hans« wurde im Düsseldorfer Marienhospital in Pempelfort geboren. Nach den Erinnerungen Liesel Thielens war das Baby »dick, rosig, mit rötlichem Flaum auf dem Kopf und dem alten Opa Thielen ähnlich«.[1]

Der Vater im Krieg, die Mutter mit drei Töchtern allein in der Gneisenaustraße wohnend – so sah mittlerweile der Alltag vieler Frauen aus. Als Liesel die Mutter um 5 Uhr morgens ins nahe gelegene Krankenhaus brachte, ahnten sie nicht, dass das Bombardement keinerlei Rücksicht auf eine Wöchnerin mit ihrem Neugeborenen nehmen würde.

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