Der Bilker Bunker in Düsseldorf: Koffer, Klappstühle und der Geruch des Weltraums

Am 13. September 2026 war wieder Tag des offenen Denkmals, und dieses Mal ging es an die Aachener Straße zum Bilker Bunker.

Dass hier einmal bis zu 2.500 Menschen Schutz vor Bomben suchten, ist dem Gebäude bis heute anzusehen. Dabei begann seine Geschichte mit einem Bombenangriff, bei dem ausgerechnet das Kühlmittel einer Metzgerei zur tödlichen Gefahr wurde.

Ammoniak im Luftschutzkeller

Am Abend des 4. Februar 1941 detonierte zwischen Aachener Straße und Karolingerstraße eine Sprengbombe in zwei Häusern. Getroffen wurden das Geschäft des Konditormeisters Felgner und das Lager der Metzgerei Kox. Dort war Fleisch in Kühlanlagen gelagert.

Durch den Bombentreffer wurde Ammoniak freigesetzt. Die Gase drangen in den Keller und vergifteten die Menschen, die dort Schutz gesucht hatten.[1]

Nur zwei Menschen überlebten schwer verletzt: der Telegraphenleitungsbeauftragte Krings und sein Sohn. Weil der Vater erkrankt war, waren die beiden nicht in den Keller gegangen.[2]

Am 31. März 1941 besuchte Generalfeldmarschall Erhard Milch die Unglücksstelle. Er war für den Bau des späteren Hochbunkers verantwortlich, der innerhalb von zwei Jahren 1944 fertiggestellt wurde.

Mit Koffer und Klappstuhl zum Luftschutz

Waren die Bilker bis 1941 noch relativ ahnungslos, was sie bei einem Bombardement zu tun hatten, änderte sich das schnell.

Bei Luftalarm strömten Menschenmassen zum Bunker. Da es nicht genügend Sitzgelegenheiten gab, kamen sie mit Koffern und Klappstühlen bewaffnet.[3]

Der Zugang erfolgte über drei Schleusen, die noch heute vorhanden sind. Es wurde geklingelt, und die Schleusenwärter kontrollierten mittels Sprechrohr, wer vor der Tür stand.[4]

Etwa 2.000 bis 2.500 Menschen fanden im Bunker Platz. Auf sieben Etagen hockten sie zusammen und warteten darauf, dass draußen der Angriff vorüberging. Zuweilen mussten sie im Dunkeln ausharren, weil Gas und Strom abgestellt worden waren.[5]

Noch heute sichtbar: fluoreszierende Leuchtstreifen sollten bei Ausfall der Beleuchtung die Orientierung im Bunker ermöglichen. Bildrechte: Marion Rissart

Wenn nur noch ein grüner Streifen blieb

Beim Rundgang am Tag des offenen Denkmals fielen mir die noch vorhandenen fluoreszierenden Leuchtstreifen auf.

Sie gehörten zur Ring- und Notbeleuchtung. Fiel die Beleuchtung aus, boten sie den Schutzsuchenden wenigstens noch etwas Orientierung.

Heute ist es ein schmaler grüner Streifen an einer grauen Wand. Damals konnte er in einem völlig verdunkelten Bunker mit Tausenden Menschen ziemlich wichtig werden.

Trotz Stromausfällen, Kälte, unsäglicher Detonationen und völliger Dunkelheit verband Helene Struth mit dem Bunker nicht nur schreckliche Erinnerungen. Für sie war er während der Bombennächte zugleich ein Ort des Schutzes und der Geborgenheit.[6]

Das ist vielleicht eine der merkwürdigsten Eigenschaften eines Bunkers: Ein Gebäude, das nur wegen eines Krieges existiert, kann für diejenigen, die darin sitzen, zum sicheren Ort werden.

Ein Karton aus Beton

Der Architekt Carl Krieger entwarf den Bilker Bunker. Ein Hochbunker war dabei weit mehr als eine dicke Betonhülle.

Auch Fundamente, Decken und die innere Konstruktion mussten einem Bombenangriff standhalten. Zeitgenössische Vorgaben sahen sogar vor, die Fundamentplatten beziehungsweise Fundamentstreifen so auszubilden, dass eine direkt neben dem Bunker einschlagende Bombe den Schutzraum auch von unten nicht zerstören konnte.[7]

Statische Säulen trugen die innere Konstruktion, während Decken und Außenhülle zusammenwirkten.

Im Grunde entstand ein riesiger Karton aus Beton – nur einer, der Bomben aushalten sollte.

Nach dem Krieg ist auch immer vor dem Krieg

1945 hatte der Bilker Bunker seinen Zweck keineswegs endgültig verloren.

Während des Kalten Krieges wurde er für den Zivilschutz vorgehalten. Schließlich wurde die Zivilschutzbindung aufgehoben – und aus einem Gebäude, das jahrzehntelang Menschen schützen sollte, wurde plötzlich ein Gebäude, für das man eine neue Verwendung finden musste.

Ein Investor wollte den Bunker abreißen. Dagegen formierte sich die Bürgerinitiative „Bilk pro Bunker“.

Andreas Knapp und Kay Fromm, die beiden Geschäftsführer der Projektentwicklung „KüssdenFrosch“, hatten andere Pläne. Mit ihren Ideen entstand ein Konglomerat aus Kultur, gesellschaftlichem Austausch, Bar, Sport und Begegnungsstätten auf mehreren Ebenen, während oben auf dem Dach in neu geschaffenen Wohnungen Menschen leben.

In der Schleuse Zwei befindet sich heute eine Bar. Auf dem Dach entstanden Wohnungen.

Menschen wohnen also inzwischen auf einem Gebäude, in dem andere Menschen einmal vor Bomben Schutz suchten.

Die Schleuse 2. Bar und Musik-Begegnung. Bildrechte: Marion Rissart

„In einem Bunker zu arbeiten, macht etwas mit einem“

Christina von Plate, Geschäftsführerin des Bilker Bunkers, führte uns durch die Räume. Sie kennt nicht nur sämtliche Ebenen in- und auswendig, sondern arbeitet selbst dort.

„In einem Bunker zu arbeiten, macht etwas mit einem“, sagte sie während der Führung.

Das konnte ich nach einer Weile nachvollziehen.

Es ist diese seltsame Mischung aus Stille, Kälte und Abgeschiedenheit. Eine Stille, die einem zuweilen regelrecht in den Ohren wehtun kann. Jedenfalls ging es mir so, als ich zwischen draußen und drinnen, Räumen und Schleusen hin- und herging.

Und seltsamerweise kamen mir dabei Metallschrott und Mondlandung in den Sinn.

Erst konnte ich es nicht einordnen.

Dann fiel es mir wieder ein.

Ein bisschen Weltraum in Bilk

Der Astronaut Greg Chamitoff erklärte einmal, wonach der Weltraum riechen würde: „There’s this really, really strong metallic smell and I don’t know exactly what it is.“[8]

Ein sehr starker metallischer Geruch also, ohne dass er genau wusste, woher er kam.

Stimmt.

Ich bin also in einer Planetenkonstellation herumspaziert, ohne es zu merken.


Quellen und Anmerkungen

[1] Vgl. Westdeutsche Zeitung: „Abriss oder Denkmalschutz? WZ mobil kommt zum Bilker Bunker“, abgerufen am 13.09.2026.

[2] Vgl. Helene Struth: „Helene Struth spricht über den Bilker Bunker“, Video auf YouTube, abgerufen am 14.09.2026.

[3] Ebd.

[4] Vgl. Rheinische Post: „Düsseldorf-Bilk: So sieht der Bunker von innen aus“, abgerufen am 14.09.2026.

[5] Vgl. Helene Struth: „Helene Struth spricht über den Bilker Bunker“, Video auf YouTube, abgerufen am 14.09.2026.

[6] Ebd.

[7] Vgl. „Hochbunker“, Bochumer Bunker.

[8] Vgl. Rheinische Post: „Düsseldorf-Bilk: So sieht der Bunker von innen aus“.

[9] NASA Ames Research Center: „Interesting Fact of the Month 2021“, Aussage des Astronauten Greg Chamitoff.

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