Badewonnen – Wie wir dem Gestank ein Ende bereiteten!

Samstag = Badetag. Frisch gewaschen saß das Kind auf dem Sofa vor dem Fernseher, und läutete mit einer Samstagabendshow das Wochenende einWas heute mit dem täglichen Duschen unvereinbar ist. Doch kehren wir 900 Jahre zurück. Damals galten wir damit als fortschrittlich! Denn mit dem Niedergang des römischen Reichs ging auch unsere Körperpflege den Bach runter. Und kehrte erst dann langsam mit den zurückgekehrten Kreuzfahrer zurück. Die verausgabten sich nicht nur im Kampf gegen die orientalische Ungläubige, sondern lernte im Gegenzug deren Verständnis für Reinlichkeit durchaus zu schätzen.

Badestuben schossen wie Pilze aus dem Boden…

Im Spätmittelalter brach die Badekultur aus. In Städten wie Hamburg, Lübeck oder Wien schossen die Bäder wie Pilze aus dem Boden. Weniger wurde in der Wanne geplanscht, stattdessen bevozugte man das Dampf – oder Schwitzbad.  

und war eine körperliche Rundumversorgung…

Der Besuch in der Badestube war zugleich eine körperliche und medizinische Rundumversorgung: Zu dem Baden gehörte das Haare schneiden, die Rasur und eine medizinische Behandlung wie Aderlass, Wundversorgung und die Vergabe von Purgiermitteln. Mit Bedienung und Gesang durch die Bademägde ließ es sich im Bad gut aushalten. Weswegen diese Orte schnell in den Verruf der Sittenlosigkeit kamen, in den auch noch die Prostitution gefördert wurde.

Mit der Prostitution kam die Infektion

Mit der Haltlosigkeit waren auch die Infektionskrankheiten wie die Syphilis auf dem Vormarsch. Genauso wie die Pest, der ab Mitte des 14. Jahrhunderts ganze Landstriche verwüstete. Grund genug für die Bevölkerung, die Türen der Badestuben geschlossen zu halten. Außerdem machte ein neues Gerücht die Runde, verstopfte Poren hielten den Körper im Gleichgewicht.

Mit dem Adel gelangte der Gestank endgültig in alle Schichten

Waschen mit gewöhnlichem Wasser war out (höchstens an Stellen, die sichtbar waren), dafür (bei dem Adel und Königs) Cremen und Ölen auf schmutziger Haut ein Muss.  Bekannt ist, dass Ludwig der XIV sich Gesicht, Hände und Mund beim morgendlichen Lever wusch, während sich seine Schwägerin, Lieselotte von der Pfalz lieber in rauen Mengen zu Duftwässerchen und Puder griff, die bei anderen Ohnmachtsanfällen auslöste. Und die Ausdünstung von des Sonnenkönigs unehelicher Tochter, Marie Anne de Bourbon, Achselhöhlen, war meilenweit zu riechen. Das brauchte auch kein Mensch.

Das Baden wird zum Alltagsjob

Ab dem 17. Jahrhundert ging es wieder sauberer zu. Ludwig der XV – sehr fortschrittlich – hockte mit seinen Badekleidern in seiner Kupferwanne. Mit Ludwig dem XVI war das Baden eine Alltagsangelegenheit und kein gefährliches Abenteuer mehr;  seine Frau, Marie Antoinette, ließ sich eine Badewanne in ihrem Schlafzimmer einrichten, dass sie allmorgendlich aufsuchte und darin sogar, schamhaft mit einem Flanellnachthemd bekleidet, ihr Frühstück einnahm.

Von der Badeschaukel zum Frankfurter Bad

Dem Kneipp sei Dank entwickelte sich in Deutschland zunehmend das luxuriöse Thermal-und Kurbad, während in deutschen Haushalten die Waschkanne nebst Tisch griffbereit in der Küche stand. Mit der Erfindung der Zinkwanne (oder gar Badeschaukel) badete die ganze Familie einmal in der Woche in der Küche. Oder im Kellerwaschraum.  Oder wenn es jemand besonders gut mit einem meinte, befand sich das „Frankfurter Bad“ in einer Küchenecke oder im Schlafzimmer.

Oder ab in die Badeanstalt

Lost Places Badeanstalt

Wem es an Platz und Zeit mangelte, ging in die öffentlichen Badeanstalten, wo Ende des 19. Jahrhunderts sogar die ersten Duschen in Betrieb genommen wurden. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein gab es in Berlin, streng nach Geschlechtern getrennt, den Brause-Nasszellenkomplex. Was viele nicht wissen: 2007 waren die letzten Badewannen im Berliner Charlottenburger Stadtbad noch in Betrieb.

Kunstvoll designt in den 20ern

Die Bessergestellten gingen nicht in ein Gemeinschaftsbad, sondern genossen ein voll ausgestattetes Bad mit Waschbecken, Wanne, Lokus, während sie die kunstvoll designten Armaturen aufdrehten, aus denen dank des Gasbadeofens warmes Wasser in die Wanne floss.

Effizientes Nassrevier in der Nachkriegszeit

In der Nachkriegszeit, wo Wohnraum ein rares Gut und Bäder keine Selbstverständlichkeit waren, spielte das Dekor kaum eine Rolle. Effizienz war gefragt. Und so zogen die Architekten standardmäßig separate Räume (mit Wasserboiler, welch Luxus!) hoch, die mit Waschbecken, Wanne und privates Klo heute noch in vielen Wohnung vorhanden sind. Bei den Kachelfarben allerdings blinzelte der Zeitgeist durch. Waren es in den 50er welche von der Sorte in Altrosa, Senfgelb und Himmelblau, schwor man sich in den 70er Jahren auf Orange oder gar Kackbraun (welcher Inspiration folgte man da?) ein.

Badezimmer in der Puppenstube – Bildrechte Marion Rissart

Heutzutage bedeutet Duschen Stress und null pH-Wert

Mittlerweile hat sich viel getan in der Bad-Szenerie. Statt schlichten Nassreviers gibt es die individuelle Wellnessoase mit nachhaltiger Rücksicht auf die Gebrechen des Alters. Zwei Bäder pro Wohnung mutieren mittlerweile zum Standard. Schweiß ist bäh und wie in den USA ist oft zweimal Duschen am Tag angesagt. Jetzt haben wir allerdings ein anderes Problem. Keine Debatte über mangelnde Hygiene. Stattdessen darüber, dass der Säureschutzfilm unserer Haut mit einem pH-Wert 5 nicht beschädigt wird. Tägliches Duschen, so die Experten, sei purer Stress. Was lernen wir daraus? Der Stink ist zwar tot, es lebe aber der Stank!

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