Entartete Sphinx an Düsseldorfs Tonhalle

Jupp Rübsams Denkmal an den Ersten Weltkrieg

„Innere Festung“ zwischen Trauma, Ablehnung und politischer Instrumentalisierung

Zwei Körper aus Basalt

Zwei aus Basalt gehauene Figuren kauern auf allen Vieren auf grauem Stein. Ihre händeartigen Pfoten liegen wie Löwentatzen vor den dunklen Körpern und berühren sich. Die Gesichtszüge wirken archaisch: breite Lippen, längs gehauene Augen, grob stilisiert.
Einzig die Kopfbedeckungen – Mütze und Helm – geben Auskunft darüber, dass es sich um Soldaten handelt.

Geschaffen wurden die Figuren von Jupp (Josef) Rübsam (1896–1976), selbst Kriegsteilnehmer und Soldat des 39. Nieder-Füsilier-Regiments. Er nannte sein Werk „Innere Festung“ – ein Denkmal für seine gefallenen Kameraden aus dem Ersten Weltkrieg.

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Der Mann hinter Bömmel – ein deutsches Schauspielerleben

Paul Henckels, der Professor aus der Feuerzangenbowle, über Bühne, Bombennächte und schwarzen Humor

Man kennt ihn, ohne seinen Namen zu kennen.
Professor Bömmel aus der Die Feuerzangenbowle gehört zum kulturellen Gedächtnis – wie bestimmte Sätze, bestimmte Gesten, ein bestimmter Tonfall. Doch hinter der Figur steht ein Schauspieler, dessen Leben weit über die gemütliche Schulkomödie hinausreichte. Paul Henckels spielte sich durch Bühne, Krieg und Film, durch Bombennächte und politische Abgründe – getragen von einem Humor, der weniger Heiterkeit als Haltung war.

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Wie Beuys Düsseldorf auf den Kopf stellte (und eine Studentin vor der Akademie verhungerte)

Der Mensch stolpert ja bekanntlich über Kleinigkeiten. Beim Recherchieren über Ike und Tina Turner stieß ich im Düsseldorfer Stadtarchiv über den »Düsseldorfer Jong« Joseph Beuys. Eigentlich ein Krefelder, aber das scheinen wir Düsseldorfer im Zuge seiner Berühmtheit vergessen zu haben.  

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Der Mann hinter den Krokodilen

Manche Texte altern nicht. Dieser entstand im Oktober 2024 und wurde jetzt erneut gelesen und überarbeitet.

Warum Helmut Ballot mehr Aufmerksamkeit verdient hätte

2012 kam Das Haus der Krokodile ins Kino und gewann den Deutschen Filmpreis.
Doch kaum jemand sprach über den Mann, der die Geschichte geschrieben hatte. Solche Geschichten gehören zur Alltagsgeschichte einer Stadt – ähnlich wie die wechselvolle Werbegeschichte rund um Sarotti oder das Arbeitsleben am Düsseldorfer Schweinehälften-Bunker.

Helmut Ballot.

Sein Jugendroman erzählt von Victor Laroche, einem Jungen in einer Berliner Jugendstilvilla, der einem lange zurückliegenden Unglücksfall nachspürt. Ein Mädchen, ein Treppengeländer, ein Tagebuch mit kleinen Lederkrokodilen – und die Frage: Unfall oder Verbrechen? Die Geschichte des Schriftstellers Helmut Ballot ist zugleich ein Stück Berliner und Düsseldorfer Alltagsgeschichte – erzählt anhand eines Jugendromans, der weit mehr über seine Zeit verrät, als man zunächst vermutet.

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Düsseldorfs Stadtoriginal: Angela Spook als Hexe von der Kö

Wer kennt sie nicht: Die zu Stadtoriginalen herangewachsenen Menschen, die überhaupt zu wissen, wer ihnen dieses Etikett auf dem Leib gestempelt hat. Vielleicht liegt es daran, dass sie so elementar und echt sind, sie in der lauten Welt mit ihren Eigenheiten einstehen, dass ihre Originalität von Generation zu Generation weitergetragen werden.

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Sind Gene schuld am Ordnungssinn?

Reisen bildet bekanntlich. Das liegt nicht nur an das Erlernen einer Sprache, das Eintauchen in die vermeintliche kulturelle Vielfalt, an den rauschhaften Tagen von Farben, Sonne, Strand und Meer.

Bitte ordentlich zusammenlegen. Hans Peters, ©Niederländisches Staatsarchiv

Bei mir beginnt die Bildung früher: Beim Aufschließen des jeweiligen Ferienappartements. Nicht, dass ich mich da Entspannen würde, ganz im Gegenteil. Urlaub ist im Nachhinein auch eine Zeit für Reflexion, nach dem Motto: »Erkenne dich selbst«.

In Paris erblickte ich sofort in der Küche einen 30 Jahre alten Spülschwamm. Ich untersuchte ihn nicht unter dem Mikroskop, sondern gesellte ihn zu seinen Freunden, dem Restmüll, in den Container. Dann schenkte ich der Wohnung einen neuen Schwamm, auf das er ebenso lange wachsen und gedeihen möge.

Ordnungsinn ist nicht verhandelbar😉

In der Ferienwohnung an der Nordsee war es genau umgekehrt. Beim Aufschließen des Appartements spürte ich sofort meinen Nachteil, Die Räume entpuppten sich nicht nur als picobello sauber, sondern waren praktisch eingerichtet. Unter der Spüle erblickte zum Beispiel ein genau angepasstes Plastikregal in der in liebevoller Anordnung schwämme, Bürsten, Spontex etc. ihren Platz fanden. In den Schränken oberhalb der Küchenzeile standen in maßvoller, aber nicht zu knapper Auswahl Schüssel, Brettchen und Dosen in Ost-West Richtung aufgereiht und meldeten sich zum Arbeitseinsatz. Und um das Ganze die Krönung aufzusetzen: Das Appartement hatte nicht des kasernierten Flairs eines ETAP-Hotels, sondern besaß durchaus Charme.

Kein Plastikregal für den Küchenschwamm

Mich überkam genau zwei Dinge: Entweder meine Wohnung einem ähnlichen System zu unterziehen oder aber zu googeln, ob es mir zwar nicht an Reinheit, aber an einem gewissen Ordnungssystem mangelt – und wenn ja, warum. Ist Ordnungssinn vererbbar oder nicht? Mit anderen Worten: Warum ist es mir in den ganzen Jahren nahezu egal gewesen, meinen Küchenschwamm zwar regelmäßig zu erneuern, aber ihm kein Bettchen in einem Plastikregal zu schaffen?

Marie Kondo ist der neue Aufräumguru, ©Diarmuid Greene

Vom Spirit der Aufräumgurus Marie Kondo

Ordnung zu halten ist nicht nur das halbe Leben, sondern mittlerweile populär. Minimalismus-Gruppen finden sich im Internet und jeder, der naiverweise an der Lieblingstasse seines Urgroßvaters hängt, wird milde belächelt und gefragt: Brauchst du die?! Aufräumgurus, so lese ich, gab es schon in den 80ern. Sarah Felton zum Beispiel mit ihrem Ratgeber «The Messies Manual: The Procrastinator’s Guide to Good Housekeeping»[1]

Mittlerweile gibt es in der Hinsicht einen neuen Messias. Marie Kondo Werk »Aufräumen mit Marie Kondo. In drei Schritten zur perfekten Wohnung« wird als neuer Heilsbringer gefeiert. Angereichert mit einer Prise Spiritualität gilt für sie »Aufräumen als geheiligter Raum«[2]. Zwar kann ich bei ihrer Koffer-Packmethode durchaus etwas lernen, aber bei deren Radikalisierung beginne ich zu streiken. Brauche ich eine selbstoptimierte Wohnung? Oder anders herum gefragt: Warum ist eine geordnete Wohnung so heiß begehrt?

Big Five der Persönlichkeitsmerkmale

Psychologen haben die fünf entscheidendsten Persönlichkeitsmerkmale herausgefiltert: Extraversion, Offenheit gegenüber (neuen) Erfahrungen, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Neurotizismus.[3] In diesen »Big Five« zählt impliziert Gewissenhaftigkeit diesen heiß begehrten Ordnungssinn, der wiederrum impliziert, mit minimalistischen Strukturen nicht nur die Wohnung, sondern auch das Leben in den Griff zu kriegen.[4] Diese strukturelle Gewissenhaftigkeit basiert aufgrund von Genen und Umweltfaktoren. Faktoren wie die Entwicklung eines Babys im Mutterleib und die berühmten ersten drei Lebensjahren sorgen dafür, dass der Charakter schon zu 60 Prozent festgelegt ist.[5]

Ist der Charakter für immer in Stein gemeißelt?

Bedeutet es also im Umkehrschluss, was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr? Falsch, erklärt der Verhaltensphysiologe Gerard Roth. Nur: um Verhaltensmuster zu durchbrechen bedarf es Leidensdruck, Motivation und viel Geduld. Das ist das eine. Das andere ist, dass wir im Laufe des Lebens lernen müssen, gewisse Eigenschaften, die wir nicht im Übermaß besitzen, dennoch erlernen müssen. Im Fall von Ordnungssinn habe ich gelernt, gewisse Techniken der Ordnung zu entwickeln.

Big Five der Ahnenforschung

Cornelia Wrzus, die Professorin für Psychologische Alternsforschung, erklärte, dass jedes Charaktermerkmal, das sich im Lauf der Evolution entwickelt hat, seinen Sinn hat.[6] Jemand, der wie ich schreibt, beobachtet und ist zugleich neugierig. Ich habe keine Zeit, meine Wohnung zu optimieren, zumal ich Krimskrams entdecke, den ICH wiederrum interessant finde. Gerade bei uns Ahnenforschern sind es die historischen Big Five, die unser Herz bei Fotoalben, vergilbten Briefen und Dokumenten höherschlagen lässt.: Neugierde, Empathie, Wissen, Sammeln und Geduld. Berühmte Fetzchen an Informationen ziehen uns magisch an, werden gesammelt, gesichtet und dann archiviert. Bei anderen Menschen landet der ganze Papierwust in dem Reißwolf. Was für andere eine Belastung ist, bedeutet für mich ein großer Schatz.

Wie drückt es Frau Wrzus aus? »Darum kann man sich ruhig ein Stück weit so akzeptieren, wie man ist.«[7]  Ich bin beruhigt;-)


[1] http://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/wochenende-gesellschaft/ordnung-als-sinnsuche-warum-uns-die-ordnung-im-griff-hat

[2] Ebd.

[3] Vgl. http://www.spektrum.de/news/persoenlichkeit-wie-kann-ich-mich-aendern/1923658 (abgerufen 12.08.2024)(

[4] Vgl. www.spektrum.de/news/aufraeumen-warum-menschen-unterschiedlich-viel-ordnung-brauchen/2119167 (abgerufen am 12.08.2024)

[5] Ebd.

[6] Vgl. //www.spektrum.de/news/persoenlichkeit-wie-kann-ich-mich-aendern/1923658

[7] Ebd.

https://vg08.met.vgwort.de/na/1a8c2e6801ea42a9afb92e399dc4c6e2

Füller frei für Schrullige

Der Füller, mit dem ich das Abitur schrieb, bestand aus einer Iridiumfeder, auf der das Emblem des Herstellers eingraviert war: Senator. Aber heute mag ich nicht mehr gerne damit schreiben. Zu breit, zu klecksend und die daraus entstehende Schrift passt nicht zu der von damals. Vielleicht haben sich auch meine Schreibbewegungen verändert.

Zum 25. Todestag des ersten deutschen Reichspräsidenten Friedrich Ebert am 26. Februar 1925 Letzte Aufnahme des Reichspräsidenten Ebert , photographiert am 15. Februar, vor 14 Tagen an seinem Schreibtisch.

Füller als Status- und Herrschaftssymbol?

1992 bestand ich mein Abitur und bereits ein Jahr später bezeichnet der SPIEGEL in einem seiner Hefte den Kolbenfüller als »die Sehnsucht nach Altbewährtem als Reflex auf die Computergesellschaft«. Soso. Mittlerweile sind über 30 Jahre vergangen und der Spruch hätte heute auch kommen, nur in veränderter Form. Psychologisch unterfütterte das Magazin seine Analyse noch mit »die Wiederkehr eines längst geglaubten Status- und Herrschaftssymbols«. Nun ja. Auch wenn ich bis heute gerne mit Füller schreibe, habe ich damit nicht Weltherrschaft erreicht. Noch nicht.

Barack_Obama_signs_emergency_declaration_for_Arkansas_1-28-09; ©Pete Souza, Public domain, via Wikimedia Commons

Hanswurst des Gestrigen?

Ab er in gewisser Weise hatte der SPIEGEL von damals schon recht.  Wenn Hanswurst mit dem tintenklecksenden Utensil schreibt ist er ein armer Gestriger, der die Digitalisierung noch nicht begriffen hat und lieber trommelt als das Mobiltelefon zu benutzen.

Prominente mit Füller

Nur einem Macher sei es erlaubt, den Füller (das Edelste seiner Zunft) zu zücken und seine Gedankenspielereien auf Papier zu bringen. Schauen wir uns doch die Prominentenriege doch einmal an. Was mir auffällt: Es gibt im Internet kaum welche, die am Schreibtisch sitzen und mit Füller schreiben. Thomas Mann hält einen Bleistift in der Hand, den er brauchte, um an der Seite zu kritzeln oder etwas zu unterstreichen. Ober er mit dem Füller schrieb? Im Netz fand ich ein Forum, wo jemand anhand Thomas Manns Tagebucheinträge auflistete, wann und wo der Nobelpreisträger der Buddenbrooks zur Tinte griff.

Thomas-Mann_Archiv_4; ©Jürg-Peter Hug

Bismarck und sein Federkiel

Bismarck, so ein Foto, hält einen Federkiel in der Hand, was auch bedeutet, dass das Bild vor der Erfindung der Füllfeder aufgenommen wurde (Oder liebte er einfach nur den Federkiel?). 1883 bohrte ein gewisser Lewis Edson Waterman zwischen Feder und Tintenreservoir, die dafür sorgten, dass nur so viel Tinte floss, wie benötigt. Der Austausch von Luft schuf ein Vakuum, um keine größeren Klekse zu vermeiden und das Loch in der Feder sorgte für einen kontinuierlichen Tintenfluss.

Bundesarchiv_Bild_183-R18794,_Otto_von_Bismarck

Politiker zeigen sich gern beim Unterschreiben

Ansonsten halten Politiker, egal welchen Jahrzehnts, gerne Papiere in der Hand, wenn sie am Schreibtisch sitzen oder sie reden auf ihren Berater ein. Oder die Auguren auf die Politiker. Aber auch die machen sich vor der Kamera keine Notizen. Mitunter gibt es bei sonstigen Besprechungen immer Notizblock und Kuli, aber bei mir kommt der leise Verdacht auf, dass öffentlich Notizen machen zu einem Thema Politikern als Schwäche ausgelegt wird. Politiker haben alles im Kopf, hören ihren Zuarbeitern zu, legen sich fest, unterschreiben, wenn die Zuarbeiter ihre Arbeit getan haben. 

Vladimir_Putin_with_Bill_Clinton; ©9Kremlin.ru

Donald Trumps Füller

Der Akt des Unterschreibens wird dagegen bis in alle Ewigkeit festgehalten. Dafür gibt es im Internet etliche Beispiele, die den historischen Augenblick festhalten. Zwei plus Vier Vertrag, Friedensvertrag von Brest-Litowsk, Versailler Vertrag, beurkundet mit dem goldenen Waterman, die Obama Care mit dem allseits favorisierten Mont Blanc etc. Es gibt sogar ein Foto, auf dem der Füller von Donald Trump abgebildet ist. Allerdings gibt es keins, auf dem Trump einen Vertrag/Dokument mit seinem Füller unterzeichnet, falls er überhaupt etwas unterzeichnet hat.

Donald_Trumps_filler; ©Evan Walker

König Charles ist Haptiker, also schrullig

Eine Unterschrift mit Tinte ist also etwas Besonderes und wird dementsprechend zelebriert. Auch wenn König Charles fluchte, weil der Füller nicht funktionierte und Tinte die königlichen Finger bekleckerte. Von ihm ist verbürgt, dass er seine Briefe per Hand schreibt und seinen Freunden kleine Briefchen zukommen lässt. Das britische Oberhaupt ist ein Haptiker, was in dem Zusammenhang als schrullig angesehen wird. Da ich auch ein Haptiker bin, kann ich demnach auch als schrullig gelten. Harry Potter allerdings, der mit Federkiel auf Pergament kritzelt, ist dagegen cool. Vielleicht mögen Charles und ich aber nur das Fließen der Feder über dem Papier (vorzugsweise aus Japan). Beim Zurückblättern der Seiten einem Meer aus Spinne gleichen Zeichen betrachten, die sich bei näherem Hinsehen als eigene Schrift entpuppt, schafft einen Ewigkeitsmoment, der vergleichbar ist mit einer tätowierten Haut.

Secretary_Kerry kondoliert zum Tod von Margret Thatcher, ©U.S. Department of State, Public domain, via Wikimedia Commons

Justus Jonas Unterschrift auf dem Unterarm

Erster Detektiv-Sprecher Oliver Rohrbeck von Drei Fragezeichen ??? erzählte von einem Fan, der unbedingt ein Autogramm von ihm auf den Unterarm wollte. Kaum hatte Rohrbeck seine Unterschrift auf die Haut gekritzelt, erklärte der Fan, er wolle sich dort so lange nicht mehr waschen, bis er beim Tätowierer war.

Mont Blancs edelste Schreibgeräte
Wim van Rossem für Anefo, CC0, via Wikimedia Commons

Schreiben ist Papiertätowierung

Da ich noch niemanden gefunden habe, der meine Unterschrift unter die Haut geritzt haben will, tätowiere ich lieber das Papier. 

Fußballertattoos: Den Stammbaum auf der Rückenhaut

Passend zur EM sehe ich nicht nur die neuen Magentafarbenen Trikots, die in gestählten Körper stecken. Aus den Ärmeln lugen allerdings keine behaarte Männerarme hervor, sondern glattrasierte, mit Tinte oder anderen Pigmenten unter die Haut gestochene Verfärbungen, die manchmal zur Besorgnis anregen. War der Arm mal wirklich hautfarben? Oder hat ihn jemand oberhalb der Schulter abgeklemmt?

Auch Basketballer tragen Löwen auf dem Oberarm, ©Steffen Prößdorf via Wikimedia Commons

Marco Reus Löwenkopf

Keine Bange. Während sich Paul Breitner seines Felles und Wolle im Gesicht nicht schämte, verzieren sich die Fußball-Eleven ihre Arme (oder wo auch immer) mit dem, was sie selbst niedlich finden oder heilig ist. So wie kleine Jungs Feuerwehrmann oder Polizist werden wollen, sieht sich Marco Reus als Löwen. Geburtsdatum und sein Name weisen darauf hin, dass er beim Löwenkopf nicht etwa an seinen Deutschlehrer denkt, sondern nur an sich.

Tommy_Lee_2005 mit Tätowierungen, ©Joel Telling

Mesut Özils mögliche Einschlafmärchen?

Was Mesut Özil über seine Tattoos denkt, bleibt wie auch sonst bei seinen Gedanken sein Geheimnis. Am linken Oberarm prangt ebenfalls ein Panthera Leo, aber nach dem Training mit seinem Drill-Instructor zeigte er nicht nur seine gestählten Bauchmuskeln, sondern lüpfte sein Shirt bis hoch zu seiner linken Brust.

Und was sehen die kritischen Pupillen? Drei Halbmonde und ein heulender Wolf zieren die Haut neben seiner linken Brustwarze. Diese Motive entspringen nicht etwa Mesuts mögliche Einschlafmärchen wie »Rotkäppchen« und/oder »Peterchens Mondfahrt«, sondern handelten von dem Symbol der rechten, türkisch-nationalistischen Bewegung der »Grauen Wölfe«. Ob es sich hierbei um ein Abziehbild handelt oder er es immer noch besitzt, entzieht des Betrachters Erkenntnis.

Weiter im Text. Bei dem uruguayischen Keeper Sebastian Sosa soll die Macht und Stärke nicht aus dem Oberarm springen. Die Kraft des Löwen hämmert ihm förmlich aus dem Hinterkopf hinaus und zu körperlichen Höhenflügen hinauf.

Prince_Boateng luca.Byse
91 at it.wikipedia, Public domain, via Wikimedia Commons

Kevin Prince Boateng: Eifriger Tattoo-Studio Gänger

Kevin Prince Boateng, wie sein Bruder Jerome eifriger Tattoo-Studio Gänger in Berlin-Spandau, stellte – ups – zu seinem Erstaunen fest, dass Trends endlich sind. Bedauerlicherweise ist er nun mit seinen Tattoos nur noch einer unter vielen. Kevin Prince gibt sich selbstkritisch. Heute sei man schöner und cooler, wenn man keine habe, erklärte er. So würde es Ronaldo bestätigen, denn er hält, genau wie Thomas Müller, nichts von Körperverzierungen. Allerdings weiß ich nicht, ob Ronaldo mit Kevin Prince Boateng auch über andere Dinge außer Fußball redet.

Ronaldo ist glatt, wie Gott ihn schuf. Cristiano_Ronaldo_20120609_(1)Football.ua, via Wikimedia Commons

Tattoos von Underdogs

Waren Tätowieren früher ein Zeichen der Underdogs (Matrosen, Häftlinge, Rocker, Prostituierten). In Alexandre Dumas »Drei Musketieren« ward die Frau von Arthos, Frau Lady de Winter mit einer Lilie gebrandmarkt, die sie als Kriminelle auswies. Religiöse Motive sind ebenso gern genommen wie Namen und Gesichter der Kinder.

Tattooed_sailor_aboard_the_USS_New_JerseyLt. Comdr. Charles Fenno Jacobs (1904-1975) for the U.S. Navy, Public domain, via Wikimedia Commons

Oli P. und David Haselhoff

Oli P., Ex Schauspieler bei GZSZ und definitiv KEIN Fußballer und Underdog ließ nicht nur seinen Berliner Heimat Code »20« für Spandau in Nacken tätowieren, sondern auch als David Haselhoffs Hardcore Fan an seiner linken Seite Textzeilen aus dessen Evergreen »I`ve been looking for freedom«  

Oli O. ließ sich den David Hasselhoff Song auf die linke Flanke tätowieren, ©Sven Mandel

Jerome Boateng trägt Stammbaum auf dem Rücken

Was die Tattoo Motive anbelangt, so hat Jerome Boateng den Vogel abgeschossen. Zwar erscheint er momentan viel im Anzug vor Gericht wegen Gewaltvorwürfe an seine Ex-Freundin zu sehen und da ist Seriosität angesagt.

Jerome Boateng: Auf jeden Fall schon am Hals tätowiert, ©Дмитрий Садовников

Daher können wir nicht sehen, dass er trägt er seine 16 Ahnen auf dem Rücken trägt. Nachhaltig ist es auf jeden Fall, weil er keinem lästigen Papierausdruck benötigt, clever, weil er seine Gene so nie vergisst, obwohl Schmerzen und Kosten des Tattoo-Studios im in seinem Hinterkopf erhalten bleiben. Ob es für mich als Ahnenforscher allerdings eine Option ist, bleibt fraglich. Nur ein breiter Rücken kann bekanntlich entzücken. Bei Boateng mag es angehen, seine Generationen bis hinunter zum Arschgeweih festzuhalten. Ich allerdings habe am Strand schon etliche Menschen gesehen, deren Steißbein-Tattoo schon mit Anfang 40 dem Verfall preisgegeben wurden.

Könnte Boatengs Rücken so aussehen?, ©daniel-lazarov-1357330-2623692

Kontaktdaten zu Mesut Özils Fitnesstrainer

Ergo muss ich trainieren, bis ich ebenso einen starken Rücken zuhabe. Da die Wahrscheinlichkeit gegen mein Alter plus Trainingseinheit spricht, tätowiere ich lieber geduldiges Papier. Es sei denn, ich komme an die Kontaktdaten von Mesut Özils Fitness Trainer heran. Aber – ob ich dann wie ein tätowierter Fußballspieler herumlaufen will?

Soll so mein Rücken aussehen? Crusade tattoo, ©Anarchyvarius

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