Wie NS-Größen sich schützten – und andere sterben ließen
„Moral Bombing“ forderte Opfer
Bis 1942 blieben die Düsseldorfer weitestgehend von den Nächten in Bunkern verschont. Doch ab diesem Zeitpunkt harrten die Stadt – und ihre Einwohner – der Luftangriffe aus, die da kamen. Besonders der Pfingstangriff 1943 grub sich tief in das kollektive Gedächtnis der Düsseldorfer ein. Wie nah Leben und Tod in diesen Nächten beieinanderlagen, zeigt auch dieser Bericht: (dieahnin.com/2022/01/29/dusseldorf-januar-1943-wie-baby-aus-dem-zerbombten-marienhospital-gerettet-wurde/)
Bei Fliegeralarm ab in den Bunker
Für die Einwohner, die nicht aufs Land evakuiert worden waren, bedeutete dies, bei Fliegeralarm einen Platz in Düsseldorfs Hochbunkern oder Luftschutzräumen zu ergattern. Bekannt sind bis heute die betonschweren Quader, die in Stadtteilen wie Rath, Lierenfeld oder Gerresheim das Bild prägen und die man aus Kostengründen nach dem Zweiten Weltkrieg nicht sprengte.
Diese „Würfel“ aus meterdickem Stahlbeton sicherten – auch wenn es keinen hundertprozentigen Schutz gab und einige Bunker durch Abwurfmunition der Alliierten durchschlagen wurden – vielen Düsseldorfern das Überleben. Auch der Alltag abseits der Front zeigt, wie sehr sich das Leben veränderte:
Seifenlauge statt Rindfleischbrühe – Leben im einst vornehmsten Haus Düsseldorfs.
Frischluftkurbeln gegen das Ersticken
Anders als beim Hochbunker ging es zum Luftschutzkeller über Treppen in die Tiefe, durch Schleusen und schwere Metalltüren. Dort hockten die Menschen wie die Hühner auf der Stange auf Holzbänken und harrten über Stunden in stickigen Räumen aus. Damit ihnen nicht vollständig die Luft ausging, musste ständig frische Luft hineingekurbelt werden, die anschließend über Filter gereinigt wurde.



Versteckte Bunker im Stadtbild
Es gibt jedoch auch in Düsseldorf Bunker, von denen viele Einheimische bis heute nicht wissen, dass sie es überhaupt mit solchen zu tun haben. Im Lantz’schen Park (Düsseldorf-Lohausen) steht ein mit Graffiti übersehener betonierter Verschlag, der eher an einen heruntergekommenen Jugendtreff erinnert – oder an eine versiffte Parktoilette, auf die niemand freiwillig geht.
Sein Pendant steht nur wenige Meter weiter, überwachsen von Moos und Gestrüpp. Dort hatte sich der General der Waffen-SS Karl Gutenberger für den Fall der Fälle einen eigenen Rückzugsort zugeteilt.




Großmannssucht und Intrigen des Gauleiters Florian
Bei dem Graffiti-Bau hatte der Gauleiter von Düsseldorf, Friedrich Karl Florian, seine Finger im Spiel. Der korrupte wie skrupellose Nationalsozialist, von einem Historiker auch als „böser Geist Düsseldorfs“ bezeichnet, hatte es mit intriganten Mitteln geschafft, sich die Gauleitung der rheinischen Metropole unter seine Großmannssucht zu unterwerfen (u. a. 1937 mit der Reichsausstellung Schaffendes Volk) und Düsseldorf mit Monumentalbauten nach Berliner Vorbild zu überziehen.
Florian, der das „Moral Bombing“ der Alliierten als „Mord an Frauen, Kindern und Greisen“ bezeichnete, forderte von den Düsseldorfern zugleich bedingungslosen Glauben an den Sieg und bedingungslose Liebe zu Adolf Hitler.

Dujardin und Schweinehälften
Vielleicht, weil er den städtischen Bunkeranlagen nicht traute, legte sich der Düsseldorfer Gauleiter Friedrich Karl Florian einen Bunker außerhalb der Innenstadt an.
Was er dort tat, musste das deutsche Volk nicht so genau wissen. Jedenfalls hockte er dort nicht mit seiner Gattin und wartete auf das Ende der Luftangriffe. Sein Bunker glich vielmehr einer Speisekammer, die mit Schweinehälften und Cognac vollgestopft war.
Dem Lohausener Bauern Heinrich Pannen wurde befohlen, diverse Fressalien und Alkoholika mit seinem Traktor in die Unnaer Kaserne zu transportieren. Ob sich Florian dort kulinarischen Orgien hingab, blieb sein Geheimnis.
Festhalten am Nero-Befehl des Führers
Geheim und unbeobachtet blieben seine Aktivitäten nach dem Zweiten Weltkrieg allerdings keineswegs. Obwohl Florian in den letzten Kriegstagen für die Ermordung des Schutzpolizeikommandeurs Franz Jürgens und fünf seiner Gefährten verantwortlich war, endete dieses Strafverfahren zunächst mit einem Freispruch – der erst 1999 aufgehoben wurde.
Die Gruppe um Jürgens wollte Düsseldorf kampflos den Amerikanern übergeben, um weiteres Leid und Blutvergießen zu verhindern. Florian hingegen hielt unbeirrt am Nero-Befehl des Führers fest und hätte nicht gezögert, Düsseldorf in Schutt und Asche legen zu lassen. Auch nach sechsjähriger Internierung bei den Amerikanern zeigte er sich unbelehrbar. Seine nationalsozialistischen Weisheiten verbreitete er unter anderem in Artikeln von Vertriebenenverbänden.
Nach dem Krieg: Unbehelligt und unbelehrbar
Hätte – so sein Credo – nicht das ganze Volk »in dem uns aufgezwungenen Krieg … in beispielhafter und einmaliger Hingabe« gekämpft und wäre nicht der »idealistische Einsatz« der NSDAP gewesen, dann säßen die Bolschewisten heute am Atlantik und die »offiziellen Stellen der Bundesrepublik mit ihren Massenmedien« hätten »keine Gelegenheit, den Nationalsozialismus … zu verteufeln«.
Nun denn. Hätte, hätte, Fahrradkette.
Hinterlasse einen Kommentar