Vom Blutstein zum Galgen.

Der Schandgang zum Tod durch Düsseldorf -Pempelfort

Bevor der Delinquent seine letzten Momente am Galgen ausröchelte, hatte er noch einen letzten Dienst zu verrichten. Dreimal, so der Brauch, musste der der Verurteilte den „Gerichts- oder Blutstein“ umrunden. Oder wie man vermutet, um den Stein herum geschubst. Quellen besagen, dass dieses Stoßen um den Blutstein (oder auch Blutkreuz), symbolisch das Gerichtsverfahren abschloss. Gleichzeitig erhoffte sich  die hochrichterliche Justiz des jeweiligen Landesherrn noch weitere Schuldeingeständnisse von weiteren Vergehen, Namen von Mitwissern oder anderen Übeltätern.

Stoßen um den Blutstein besiegelt das Urteil

Wie in Düsseldorf dieser Stein ausgesehen haben mag, wissen wir nicht. Außerdem ist in diesem Fall von einem Blutkreuz die Rede. Dort, wo sich heute in der Düsseldorfer Innenstadt die Straßenbahnlinien kreuzen, ragt an besagter Stelle eine alte Platane wie Phönix aus der Asche empor und trotzt unberührt dem Verkehr. Dort soll dieses Blutkreuz gestanden haben. Aber sicher ist es nicht.

Um zu wissen, wie so ein „Blutstein“ ausgesehen hat, zeigt uns der Kölner Maler und Stadthistoriker Siegfried Glos. Zwar weiß auch er nicht, ob der Stein aus Basalt oder Schieder bestand. Aber da er bei den Kölnern nur der „blaue Stein“ hieß, so vermutet man, dass er bläuliche Schattierungen aufwies. Auch ist überliefert, dass die Todgeweihten ihre Nacht im Hacht-Gefängnis verbrachten, bevor sie am nächsten Morgen auf dem Domhof kniend ihr Todesurteil entgegennahmen.

Dead Man`s Walk durch Pempelfort

Zurück nach Düsseldorf- Pempelfort.  Der Dead Mean`s Walk führte durch die heutige Wieland- und Schirmerstrasse, dem früheren Galgengässchen, vorbei in Richtung einer Anhöhe, der sogenannten späteren „Ulmer Höh“. Die meisten der Richtstätten lagen an erhabenen Stellen. Wie eine Monstranz bauten sie sich  an  Ausfallstrassen, Weggekreuzen oder Hügeln auf. Sehen und Gesehen werden war angesagt, alles im Sinne der Abschreckung und der Gerichtsbarkeit des jeweiligen Landesherrn.  

Hinrichtungen sind Tagesgeschäft

Auf seinem Weg in die ewige Hölle war der armen Teufel jedenfalls nicht allein. Denn das Volk war immer dabei. Ob mit entsetzenden Mienen oder mit großer Genugtuung; es ließ sich die große Gaudi nicht nehmen. Hinrichtungen waren schließlich Tagesgeschäft und wer zum Zuschauen zu zartbesaitet war, hatte selbst Schuld. Der Tod war normal und die drakonischen Strafen bei schwerem Vergehen schließlich allseits bekannt. 

Strafkatalog für Todesarten durch die Constitutio Criminalis

Bis in die frühe Neuzeit hinein reichte der Strafkatalog von typischen Geldbußen, Verlust der Ehre oder gar Verbannung. Bei Schwerstdelikten kamen die Leibes- und Lebensstrafen ins Spiel. Die Leibesstrafen handelten von Auspeitschen, Brandmarken oder Abschneiden diverser Körperteile. Drohte gar die Todesstrafe, so gab es die Wahl zwischen verschiedenen Varianten, je nachdem, wie verabscheuungswürdiger eine Tat angesehen wurde (Alles klar geregelt in der im Augsburger Reichstag beschlossenen Constitutio Criminalis aus dem Jahre 1530) 

Vierteilung nur für Männer – Verbrennung für Hexen

Vierteilung war allein den Männern vorbehalten. Verräterische Frauen hingegen ertränkte man. Das gleiche Schicksal ereilte sie auch bei Giftmord. Alles was mit Widernatürlichkeit und Hexerei zu tun hatte kam auf den Scheiterhaufen. Glücklich schätzte sich ein jeder, der nur den Kopf auf den Block legen musste, den das versprach einen schnellen Tod.

Immer dem Gestank nach

Unser Düsseldorfer Verurteilter brauchte nur dem Verwesungsgestank nachgehen, der von anderen Gehenkten stammte, die man zur Abschreckung am Galgen baumeln ließ. Spätestens auf der Ulmer Höh wurden ihm die

Hände auf den Rücken gelegt, bevor ihm der Strick um den Hals gelegt wurde.

Verscharrt wurden die Ehrlosen im Übrigen an Ort und Stelle. An anderen Richtstätten  fanden sich noch zahlreiche Schädel und Knochen. An der Ulmer Höh, so die Fama, soll der Wirt Linden Ende des vorherigen Jahrhunderts unter den Trümmern seines Hauses die Fundament großer Steine, auf denen der Galgen gestanden haben soll. Sicher kein Zufall, dass 1889 das auf ungeweihter Erde die „Königliche Strafanstalt Düsseldorf-Derendorf“ gebaut wurde. Wahr oder nicht, auf jeden Fall eine Geschichte wert.

Männertrakt, Ansicht von 1893 – Bildrechte Stadtarchiv Düsseldorf

Ein Kommentar zu „Vom Blutstein zum Galgen.

Gib deinen ab

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑