Warum im Monheimer Kirchenarchiv St. Gereon die Kirchenbücher lagern – und was es sonst noch zu bieten hat.

Für uns Niederrheiner stellt sich mitunter die Frage, wo wir die Geburts-, Heirats- und Sterbeeinträge aus Monheim vor 1810 bekommen können. (In den linksrheinischen Gebieten wurde dank der französischen Besatzung die Personenstandsunterlagen, zu denen auch Monheim gehörte, ab 1810 geführt. In den rechtsrheinischen Gebieten erst ab 1876.)

In Köln lagern zwar die Originale …

Klar denkt der Kenner sofort an das Erzbistum Köln, wo tatsächlich die Originale der Kirchenbücher lagern. Doch wozu in die Ferne schweifen, wenn das Gute zu liegt so nah?

… in Monheim aber die Kopien

Im Kirchenarchiv St. Gereon, Franz-Boehm-Str. 6 in Monheim, finden sich die Kirchenbucheinträge der Geburten ab 1646, Heiraten ab 1647 und Sterben ab dem Jahr 1692. Alles Kopien wohlgemerkt, aber gut lesbar (im Rahmen der damaligen Möglichkeiten;-) und für die Ahnenforschung erfüllen sie ihren Zweck vollauf.

Rheindorf und Hitdorf gehören zum Stadtarchiv Leverkusen

Wer zudem auch noch Verwandtschaft in Rheindorf bzw. Hitdorf sucht, wird zuerst versuchen, auch im Archiv St. Gereon zu suchen. Doch hier ist Vorsicht geboten. Zwar gehörten Rheindorf bzw. Hitdorf zur Mairie Monheim und vorher sowieso als Gerichts- und Verwaltungssitz zu Monheim und damit zum Herzogtum Berg. Doch bedeutet es nicht, dass die hitdorfschen Ahnen auch in Monheimer Kirchenbücherliegen. Was wiederrum bedeutet, dass der Genealoge dann sich im Leverkusener Stadtarchiv einfinden muss, um dort fündig zu werden.

Die Archivare wahren die Geschichte St. Gereons

Wer sich außerdem die Mühe macht, sich nach der der Forschungsarbeit ein wenig um zu sehen, stellt fest, dass St. Gereon noch viel mehr zu bieten hat. Direkt gegenüber dem Kirchenarchiv steht die Kirche St. Gereon, die im Februar 1945 bis auf den Glockenturm vollständig zerstört und in den Jahren 1951-1953 wiederaufgebaut wurde. Für die beiden Archivare Hans Thielen und Peter Buter ist es ein Hauptanliegen, das Andenken an die Kirche und deren Geschichte zu wahren. Dazu gehören freilich auch die Geschehnisse in der dunklen NS-Zeit, die Peter Buter noch höchstpersönlich miterlebt hatte. So auch die Ereignisse um den damaligen Pfarrer Franz Boehm (1880-1945), dem er selbst noch als Messdiener diente.

Pfarrer Franz Boehm stemmte sich gegen die Nazi- Ideologie

Franz Boehm sah als oberste Pflicht, sich gegen die verachtenswerte Nazi-Ideologie zu stemmen, in dem durch Seelsorge, Jugendarbeit und Predigt die einstmals wichtigen Werte wie Menschlichkeit und Nächstenliebe hochhielt. Auch wenn das Damoklesschwert der Verhöre durch die Gestapo ständig über ihm schwebte. Nach der Osterpredigt 1944 war das Maß voll, nachdem er von seiner Kanzel erklärte, man gäbe „im Kino den Seelen der Kinder Schweinefutter zur Speisung.“ Für die Gestapo war klar: Der Pfarrer musste endgültig verschwinden. Franz Boehm wurde nach einigen Verhören in das Konzentrationslager

Dachau überstellt, wo Februar 1945 starb.

Die Archivare Buter und Thielen stecken in neuen Projekten

Für die umtriebigen Archivare war und ist es eine Herzensangelegenheit, immer wieder an diesen Mann zu erinnern.  Durch ihre tatkräftige Mithilfe wurde 2020 das Denkmal Boehms enthüllt. Eine mit Kupfernitrat patinierte Büste, umsäumt von schweren Glastafeln, die mit verwischter schwarzer die Zerstörung der Kirche nach der Bombennacht darstellen.  Und wer dann noch etwas Zeit hat und zuhört, dem erzählt das Duo Buter/Thielen auch über neuestes Projekt: nämlich die Neuauflage des von ihnen erstellten Buches des oben genannten Pfarrers.

Den Genealogen lassen sie forschen – aber nur bis 12 Uhr

Aber die beiden haben immer etwas zu tun, schließlich jagt ein Projekt das nächste;-) Mit dem Dritten im Bunde, Hans Josef Sieffert, werden sie nicht müde, weitere Unterlagen zu sichten und auswerten. Was den Vorteil hat, dass sie den Genealogen in Ruhe forschen lassen und sich nicht einmischen. Allerdings nur mittwochs zwischen 9-12 Uhr. Danach wird die Archivpforte konsequent wieder geschlossen. Denn die Herren haben, wie gesagt, noch   Wichtigeres zu tun.

Hier noch ein paar Fundstücke aus St. Gereon in Monheim…

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