Franz Boehm

„Nur nicht schweigen wie ein Hund“ –Wie der Monheimer Pfarrer  Franz Boehm Widerstand  gegen das NS-Regime leistete.

Sophie Scholls Geburtstag jährt sich in diesem Jahr am 9. Mai zum 100sten Mal. Unermüdlich wird in Artikeln auf ihren widerständigen Geist und ihre Zivilcourage hingewiesen. Sie, die sich wie ihr Bruder Hans sowie den anderen Mitgliedern der Widerstandsgruppe „Die weiße Rose“ nicht dem NS – Regime beugten, sondern für ihre Überzeugungen einstanden, sind heute populärer denn je.

Nicht nur  Sophie Scholl besaß Zivilcourage 

Aber auch am Niederrhein gab es einen (allerdings weniger bekannten) Glaubenszeugen und Märtyrer, der alles als wollte, als schweigen wie ein Hund. (Jes. 56,10).

Die Rede ist von Franz Boehm, einem katholischem Geistlichen, der zuletzt als Pfarrer in der Gemeinde Monheim tätig  war. Er war mehr als ein Priester, der in Jugendarbeit und Seelsorge aufging. Sondern auch ein hellsichtigerer, hochpolitischer Kopf. Als  Sohn eines Deutschen und einer Polin im damaligen Westpreußen geboren, wurde er schon frühzeitig mit der Sprengkraft des aufkommenden nationalsozialistischen Geistes und des Germanisierungsprozesses konfrontiert, da die Ehe seiner Eltern als „Mischehe“ galt.

Wettern gegen „Verblendete Katholiken“

So zeigte er sich schon ein Jahr vor der Machtergreifung als Mann mit Durchblick. In aller Deutlichkeit wetterte in seiner Gemeinde Sieglar, wo er während der Nazi-Zeit zuerst tätig war, gegen „verblendete Katholiken“, die für den Nationalsozialismus mehr als nur ein offenes Ohr hatten. Für ihn war diese Form der Doppelzüngigkeit untragbar. Unermüdlich wies er darauf hin, dass ein katholischer Glaube mit Zugehörigkeit  der Partei NSDAP unvereinbar sei.   

So wundert es kaum, dass der unbeugsame Priester sich schon frühzeitig bereits mit diversen dörflichen Parteibonzen anlegte. Diese sammelten daraufhin eifrig Anklagematerial  um den uneinsichtigen Pfarrer aus ihrem Dunstkreis auszuweisen, was ihnen 1937 endgültig gelang.   

Eine Spurensuche: Was für ein Mensch war Franz Boehm?

Doch wer war dieser Franz Boehm? Woher nahm er diese Unerschrockenheit, immer wieder gegen das NS Regime aufzutreten?   Die Spurensuche über diesen Mann führt direkt nach Monheim, seiner letzten Pfarr- und Wirkstätte.

Monheim verfügt heute über eine schön renovierte Altstadt – direkt am Rhein und, wie kann es anders sein, ebenfalls über ein Kirchenarchiv.  Das Archiv, nicht zufällig an der Franz-Boehm-Straße gelegen, liegt gegenüber der Kirche St.Gereon. Mit freundlicher Fachkompetenz von den Herren Thielen und Buter geleitet,  weist es erstaunliche Fundstücke auf. Nicht nur, dass sie über sämtliche (digitalisierten) Kirchenbücher verfügen. (Die Originale lagern im Köln).

Ständige Verhöre durch die Gestapo

Sondern auch, weil diese beiden Herren nicht untätig, was den Märtyerer Franz Boehm betrifft. Akribisch sammelten und untersuchten sie sämtliche Vernehmungsprotokolle zwischen ihm und der Gestapo, die zeigten, wie sich

langsam die Netze um den Pfarrer zusammenzogen. Ob er jemals Angst verspürt hatte, zu weit zu gehen und mit dem Leben zu bezahlen? Wenn ja, so zeigte er es jedenfalls nicht. Nach außen hin verfügte er der Pfarrer über einen so starken Glauben, der  ihn umso sturer werden ließ, je mehr der der Stapo-Apparat seine Beseitigung forderte.

Franz Boehm war ein „harter“ Mann?

Zum Glück gibt es in diesem Fall sogar einen Zeitzeugen, der den couragierten Pfarrer noch als Junge gekannt  hatte. Ich fragte den Archivar Peter Buter, der seinerzeit als Messdiener in der Pfarrei gedient hatte, nachdem Franz Boehm 1938 nach Monheim versetzt wurde, was für ein Mann dieser Priester gewesen sei.  Herr Buter überlegte kurz. Dann sagte er: „Er war ein harter Mann.“

Askese statt niederrheinischen Genuss

Hart? Wie kann das sein, frage ich. Herr Buter erklärte, dass Franz Boehm ein Mann gewesen war, der weder rauchte, noch trank oder sonst wie dem rheinischen Frohsinn zugewandt war und daher im niederrheinischen Karneval völlig aus dem Rahmen fiel. Von der einheimischen Bevölkerung zuerst skeptisch beäugt, bildete der Pfarrer zunächst einen Fremdkörper innerhalb der Dorfgemeinschaft.

Zuerst Fremdkörper, dann Gemeindemitglied

Doch „die Gemeinde habe ihn schließlich mitgetragen“, versicherte Peter Buter, zumal sie sah, dass sich der Neue mit Feuereifer dem widmete, was ihm besonders am Herzen lag: Seelsorge und Jugendarbeit.  Nach der Ausweisung in Sieglar monatelang zur Untätigkeit verdammt, konzentrierte er sich mit einer Zielstrebigkeit darauf, Spenden für ein Jugendhaus zu sammeln, das Geld für den Kirchturm von der Stadt Monheim einzutreiben, sowie die Messe für die polnischen Zwangsarbeiter auf Polnisch zu halten. Kein Wunder, dass er damit sofort den Monheimer NS- Bürgermeister Grütering auf den Plan rief, der sofortige Postkontrolle und später Überwachung der Predigt anordnete, zumal ihm der Ruf aus Sieglar ihm schon vorauseilte.

„Schweinefutter zur Speisung von Kinderseelen“

Das Fass des NS- Regimes lief über, als Boehm in 1944 seiner Osterpredigt nicht mehr an sich halten konnte und von seiner Kanzel aus über die Filme im nahe gelegenen Kino wetterte, dass „man den Seelen der Kinder Schweinefutter zur Speisung gebe“. Für die Gestapo, die jede seiner Predigten eifrig mitschrieb, war das Maß voll. Direkt nach der Predigt wurde Boehm in der Sakristei verhaftet. Nach etlichen Verhören erfolgte zwei Monate später der Abtransport ins das Konzentrationslagers Dachau. Dort starb der einst unbeugsame Pfarrer, seiner Gemeinde körperlich und seelisch beraubt, als gebrochener Mann.

Seine Büste steht heute als Mahnmal  vor St. Gereon

Heute ziert vor „seiner“ Kirche St. Gereon in Monheim sein Konterfei in Form einer mit Kupfernitrat patinierten Büste. Umrahmt von schweren Glastafeln, die in verwischtem schwarz-grau die Bilder der zerbombten Kirche zeigen. Der Standort des Denkmals ist klug gewählt. Denn der Betrachter dieses Kunstwerks steht genau an einer kleinen Ziegelmauer, die den Grundriss des alten Chors anzeigt, der am 22.02.1945 durch Bomben zerstört wurde. Pikanter Weise ist es eben jene Stelle, an der Franz Boehm von den Nazi-Schergen nach seiner Predigt verhaftet wurde. Was mit Sicherheit kein Zufall ist.

Franz Böhm Gedenktafel am Denkmal

Weitere Infos über den glaubensstarken Pfarrer: Buter, Peter/Pohlmann, Rudolf: Pfarrer Franz Boehm 1880-1945- Glaubenszeuge und Märtyer. Aktualisierte 2. Auflage 2020

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