Im klösterlichen Maxhaus seinen Gedanken Zeit geben
Reichlich obskur, so scheints, seinen Geist in der betriebsamen, feierfreudigen Altstadt mit der besinnlichen Ruhe stillen zu wollen. Auf die Idee, dass sich am Rande dessen, zwischen Rhein, Carlsplatz und Brauerei Uerige gelegen, ein ehemaliges Franziskanerkloster einen Platz zur inneren Einkehr bietet, kommen nicht viele. Eigentlich verwunderlich, denn laut Faltblatt liegt es optimal: Zwei Minuten fußläufig vom Carlsplatz und vom Rhein und nur vier Minuten von der U-Bahn Haltestelle und Nadelöhr zur Altstadt, der Heinrich-Heine-Allee entfernt.

Neben der Maxkirche steht das Franziskanerkloster
An der Schulstrasse, drei Meter weit vom Keramikmuseum entfernt, steht das, an der spätbarocken Kirche St. Maximilian (auch kurz Maxkirche genannt) angelehnte ehemalige Franziskanerkloster. Das im 17. Jahrhundert, auf der Zitadelle erbaute Gebäude, beherbergte im Laufe der Jahrhunderte schon viele Gäste. Im Zuge der Säkularisierung durch die napoleonischen Truppen, verlor es seine ursprüngliche Funktion und wurde in ein Lyzeum umgewandelt, in dem auch der Dichter Heinrich Heine als Schüler durch den Kreuzgang schritt (oder eher furchtsam schlich?). Denn wie er in seinem Buch „Le Grand“ schrieb, bekam er in seinem Lyzeum entsetzliche Prügel, weil er die unregelmäßigen Verben nicht im Kopf behalten konnte.

Im Kreuzgang wandelte schon Heinrich Heine
Kurze Zeit später verwandelte es sich in ein Humanistisches Gymnasium um dann 1838 in die städtische Realschule in der Citadellstraße zu umbenannt zu werden. Schließlich beherbergte es die Kurfürstlich-Pfälzische Akademie der Maler, Bildhauer und Baukunst in den ehemaligen kontemplativen Räumen, während ein Trakt in Wohnungen umfunktioniert wurde.

Dort lebte auch Düsseldorfs Stadtoriginal Pastor Jääsch
Auch der Gefängnispfarrer und Düsseldorfs Stadtoriginal Pastor Jääsch alias Friedrich Eduard Gerst lebte dort. Der 1805 in der Düsseldorfer Altstadt geborene Jääsch, avancierte sich nicht nur wegen seiner Trinkfestigkeit, Witz und hemdsärmeligen Art zum beliebten Düsseldorfer Stadtoriginal, sondern auch wegen seiner Tätigkeit als Gefängnispfarrer in der, zwischen Akademie- und Schulstraße gelegenen „königlichen Arrest- und Correctionsanstalt“, wo er seiner Berufung als Gefangenenseelsorger nachging.

Ein Kloster entdeckt man stückweise – oder gar nicht
Erst 2006 wurde die kirchliche Anlage nach Restaurierung und Ausbau zur geistigen, kulturellen und historischen Begegnungsstätte umfunktioniert. Wer es betritt, stellt fest, dass sich das ehemalige Kloster nicht sofort entblößt, sondern sich stückweise entdecken lässt. Erst sticht das „Weltliche“ ins Auge; im ehemaligen Kloster sorgt ein Restaurant für kulinarische Genüsse, im ersten Stock gibt es Tagungsräume und im Keller, so behaupte ich einfach mal, die schönsten und saubersten Toiletten in ganz Düsseldorf.

Ein Kleinod: Der Raum der Stille
Aber wer zwischen die Zeilen schaut, entdeckt im ersten Stock den „Raum der Stille“. In diesem Raum der Meditation, Besinnung und Ruhe-Findens, fällt der Besucher nicht einfach mit der Klinke in der Hand den Raum und stiefelt hinein. Sondern er muss vorab entweder die Schuhe ausziehen oder Filzschluppen über dieselben erziehen, bevor er oder sie bewusst die Schwelle (ja, zu was eigentlich?) übertritt.

Wer nimmt sich Zeit für seine Gedanken?
Wie Ali Baba auf dem Läufer wandeln die Schlappen, in den weichen Teppich fast versinkend, um die Ecke zu den an die Wand gelehnten Stühlen, um auf die gegenüberliegende Wand zu schauen, in deren Mitte ein Kreuz hängt. Vielleicht richtet sich der Blick auch auf die um das Kreuz geschriebenen Worte wie Hoffnung, Liebe, Glaube, Geborgenheit oder Zuversicht. Wer es schafft, sich auf dem Stuhl sitzend für seine Gedanken Zeit zu nehmen, dem wird auch nach dem Austreten aus dem Raum gewahr, dass neben dem Raum der Stille es auch eine Tür gibt, die zur Orgelempore führt. Von dort aus sieht man nicht nur die gewaltige 2008 „im Geiste ihres Vorgängers Christian Ludwig Königs“ erbaute Orgel, sondern hat einen großartigen Blick auf die Maxkirche selbst.

Der Gewölbekeller ist Stadtgeschichte
Wer in den Keller anschließend das Klo aufsuchen muss, der stürme nicht erleichtert die Treppe nach oben, sondern halte hoffentlich wieder inne: Der Gewölbekeller ist eine Stätte der Stadtgeschichte Düsseldorfs. In Vitrinen ausgestellt lagern die über Jahrhunderte im Düsseldorfer Hafenschlamm konservierten Bruchstücke einer regen Handelsstadt.

Düsseldorfer Hafenschlamm: Brutstätte historischen Lebens
Gegenstände des alltäglichen Lebens wie Scherben, Spindeln, Steingut, Glas, Ledersohlen, bei denen man die sorgfältig ausgeführten Reparaturarbeiten sehen kann und tönerne Pfeifen, die an die Martinspfeifen des Weckmannes erinnern, fand man entweder als Verfüllmaterial des Kellers oder bei der Ausschachtung der Tiefgarage beim alten, nahegelegenen Hafen. Bei dessen Rekonstruktion sicherten Archäologen Anker, Eisenketten, Reste der Takelage, Beschläge und Transportbehälter.

Mönche mahnen, sein Leben nicht sinnlos zu vergeuden
Aber das neue Maxhaus hat auch seine Ursprünge nicht vergessen. Neben den Reliquien klösterlichen Lebens, entdeckt man in einem Seitenarm des Kellers ein, in der Originalgröße hinter einer Glasplatte abgebildetes Skelett, dessen Grab ursprünglich hinter dem Kirchenfundament lag.

Der Mönch (?), bestattet in einem trapezförmigen Sarg, hielt einen gut erhaltenen Rosenkranz in den gefalteten Händen. Und wenn man zu guter Letzt über seinen Schatten springt und um die Ecke biegt, erscheinen auf Leinwänden, von Scheinwerfern angestrahlt, eine Gruppe von Mönchen. Neugierig geworden tritt der Besucher nach vorne – und wird jäh gestoppt von einer Schranke mit angeschraubtem Schild. Und auf dem steht eine einladende Bestimmung: Actus vitae e suae omni hora custodire. Wem wird das wohl gelingen wird?

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