Die Litfaßsäule im Düsseldorfer Stadtarchiv birgt immer Überraschungen. 

Wer es kennt, weiß, wo es liegt: Das Stadtarchiv Düsseldorf liegt strategisch günstig neben dem Hauptbahnhof. Eingekeilt zwischen dem Schauspielhaus (oben drüber) und dem Ordnungsamt (Hallo Nachbar), versieht es auch in Corona Zeiten treu und redlich seinen Dienst als Hirn der immerwährenden Retrospektive.

Archiv des permanenten Rückblicks.

Allerdings geht auch in Coronas Zeiten ohne Anmeldung gar nichts. Lassen die Inzidenzahlen einen Besuch zu und hat man einen Termin ergattert, versuchen dessen Mitarbeiter den Forschenden alles zu ermöglichen so gut es eben geht. An den Plätzen im technischen Lesesaal kann man am PC die Geburts- , Heirats- und Sterbeurkunden einsehen (und abfotografieren), sowie sich im normale Lesesaal sich die Kirchenbücher vornehmen. (Wenn der Genealoge denn weiß, in welchem Stadtteil er nachschlagen muss. Wenn nicht, frohes Suchen;-))    

Es lohnt sich, die Kirchenbücher  einfach in die Hände zu nehmen, um ein Gefühl für Schrift, Sprache und Namen zu bekommen. In letztem Fall braucht es eine gute Portion Phantasie und eine Gefühl für Phonetik, um den Nachnamen entziffern zu können. In meinem Fall hatte ich  beim Suchen Glück, und den Eifrigen gepriesen, der in den Gerresheimer Kirchenbüchern mit Bleistift die „möglichen“ Nachnamen neben Einträgen geschrieben hat.

Im Gerresheimer Kirchenbuch, die vermutlichen Namen neben dran – Bildrechte Stadtarchiv Düsseldorf

Murphys Law statt Erik der Rote

Einige Hobbyforscher werden nicht müde zu betonen, ihre Linie lasse bis zu den Wikingern !!! zurück zu verfolgen. Leider hat es sich mir noch nicht erschlossen, obwohl ich stetig daran arbeite. ;-))

Denn es scheint, als hätten sich Gesetzmäßigkeiten gegen mich verschworen. Sozusagen Muphys Law, weil gerade immer die Linien abrechen, nach denen ich suche. Zum Beispiel ist der 4- Fache Urgroßvater meiner direkten Line anscheinend mit dem Ufo über Düsseldorf abgeworfen worden;-). Als er dann sage und schreibe mit 96 Jahren in Gerresheim starb, konnte sich  keiner mehr daran erinnern, dass dieser Mann angesichts des biblischen Alters  überhaupt Eltern besessen hatte.  Also Fehlanzeige.

Auch den Geburtseintrag seiner Frau (vierfachen Urgroßmutter) fand ich nicht, während es für den damaligen Pfarrer ein Leichtes war, ihre sämtlichen Schwestern in den Kirchenbüchern zu verewigen. Also doch aus dem Ei geschlüpft?

Zeitungsannoncen: Inspiration pur

Die Besuche sind allerdings nie umsonst, weil sich mein Blick auch auf andere Dinge richtet, als auf den nüchternen Aktenschrank, in dem die Kirchenbücher lagern. Jedes Mal stehe ich im Lesesaal vor der Litfaßsäule, an der die Zeitungsanzeigen aus dem 19. Jahrhundert gepinnt sind. 

Wer kennt eine „Wiegen-Bad-Schaukel“?

Fasziniert lese ich von der angepriesenen „Wiegen-Bad-Schaukel“ die nicht nur das hygienischste Baderlebnis aller Zeiten verspricht, sondern ein Wellen- und Schaumbad garantiert. Mich erinnert sie eher an die diese Zinkwannen, in denen im „Tatort“ die Filmleichen abtransportiert werden;-), der gefährlichen Ungeziefermedizin „Thurmelin“ , und dem Wäscheapparat, dessen Apparatur auch Kartoffeln stampfen könnte.

Kleine Nuggets, die die Alltäglichkeiten des Düsseldorfer Lebens im 19. Jahrhundert veranschaulichen.  Wer es nicht glauben mag, hier eine kleine Bildergalerie!

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