Der Mensch stolpert ja bekanntlich über Kleinigkeiten. Beim Recherchieren über Ike und Tina Turner stieß ich im Düsseldorfer Stadtarchiv über den »Düsseldorfer Jong« Joseph Beuys. Eigentlich ein Krefelder, aber das scheinen wir Düsseldorfer im Zuge seiner Berühmtheit vergessen zu haben.
„Wie Beuys Düsseldorf auf den Kopf stellte (und eine Studentin vor der Akademie verhungerte)“ weiterlesenWie wird man Denunziant?
Zum ersten Mal hörte ich von Verrat, als ich als Kind »Fünf Freunde und das Burgverlies« von Enid Blyton las. Die alte Normannenburg brannte nieder, weil innen in der Burg zusätzlich Verräter waren, die zur gleichen Zeit ein Feuer legten. Damals fragte ich, wie um alles in der Welt es Verräter in den eigenen Reihen geben kann?
Der Düsseldorfer Schriftsteller Helmut Ballot: Das Geheimnis im Haus der Krokodile
Seine Romanvorlage kam 2012 in die Kinos und gewann den deutschen Filmpreis. Doch warum sich nie jemand für den Autor interessierte, habe ich bis heute nicht verstanden. Die Rede ist von Helmut Ballot und sein Jugendbuch »Das Haus der Krokodile«.
„Der Düsseldorfer Schriftsteller Helmut Ballot: Das Geheimnis im Haus der Krokodile“ weiterlesenDüsseldorfs Stadtoriginal: Angela Spook als Hexe von der Kö
Wer kennt sie nicht: Die zu Stadtoriginalen herangewachsenen Menschen, die überhaupt zu wissen, wer ihnen dieses Etikett auf dem Leib gestempelt hat. Vielleicht liegt es daran, dass sie so elementar und echt sind, sie in der lauten Welt mit ihren Eigenheiten einstehen, dass ihre Originalität von Generation zu Generation weitergetragen werden.
„Düsseldorfs Stadtoriginal: Angela Spook als Hexe von der Kö“ weiterlesenSind Gene schuld am Ordnungssinn?
Reisen bildet bekanntlich. Das liegt nicht nur an das Erlernen einer Sprache, das Eintauchen in die vermeintliche kulturelle Vielfalt, an den rauschhaften Tagen von Farben, Sonne, Strand und Meer.

Bei mir beginnt die Bildung früher: Beim Aufschließen des jeweiligen Ferienappartements. Nicht, dass ich mich da Entspannen würde, ganz im Gegenteil. Urlaub ist im Nachhinein auch eine Zeit für Reflexion, nach dem Motto: »Erkenne dich selbst«.
In Paris erblickte ich sofort in der Küche einen 30 Jahre alten Spülschwamm. Ich untersuchte ihn nicht unter dem Mikroskop, sondern gesellte ihn zu seinen Freunden, dem Restmüll, in den Container. Dann schenkte ich der Wohnung einen neuen Schwamm, auf das er ebenso lange wachsen und gedeihen möge.
Ordnungsinn ist nicht verhandelbar😉
In der Ferienwohnung an der Nordsee war es genau umgekehrt. Beim Aufschließen des Appartements spürte ich sofort meinen Nachteil, Die Räume entpuppten sich nicht nur als picobello sauber, sondern waren praktisch eingerichtet. Unter der Spüle erblickte zum Beispiel ein genau angepasstes Plastikregal in der in liebevoller Anordnung schwämme, Bürsten, Spontex etc. ihren Platz fanden. In den Schränken oberhalb der Küchenzeile standen in maßvoller, aber nicht zu knapper Auswahl Schüssel, Brettchen und Dosen in Ost-West Richtung aufgereiht und meldeten sich zum Arbeitseinsatz. Und um das Ganze die Krönung aufzusetzen: Das Appartement hatte nicht des kasernierten Flairs eines ETAP-Hotels, sondern besaß durchaus Charme.
Kein Plastikregal für den Küchenschwamm
Mich überkam genau zwei Dinge: Entweder meine Wohnung einem ähnlichen System zu unterziehen oder aber zu googeln, ob es mir zwar nicht an Reinheit, aber an einem gewissen Ordnungssystem mangelt – und wenn ja, warum. Ist Ordnungssinn vererbbar oder nicht? Mit anderen Worten: Warum ist es mir in den ganzen Jahren nahezu egal gewesen, meinen Küchenschwamm zwar regelmäßig zu erneuern, aber ihm kein Bettchen in einem Plastikregal zu schaffen?

Vom Spirit der Aufräumgurus Marie Kondo
Ordnung zu halten ist nicht nur das halbe Leben, sondern mittlerweile populär. Minimalismus-Gruppen finden sich im Internet und jeder, der naiverweise an der Lieblingstasse seines Urgroßvaters hängt, wird milde belächelt und gefragt: Brauchst du die?! Aufräumgurus, so lese ich, gab es schon in den 80ern. Sarah Felton zum Beispiel mit ihrem Ratgeber «The Messies Manual: The Procrastinator’s Guide to Good Housekeeping»[1]
Mittlerweile gibt es in der Hinsicht einen neuen Messias. Marie Kondo Werk »Aufräumen mit Marie Kondo. In drei Schritten zur perfekten Wohnung« wird als neuer Heilsbringer gefeiert. Angereichert mit einer Prise Spiritualität gilt für sie »Aufräumen als geheiligter Raum«[2]. Zwar kann ich bei ihrer Koffer-Packmethode durchaus etwas lernen, aber bei deren Radikalisierung beginne ich zu streiken. Brauche ich eine selbstoptimierte Wohnung? Oder anders herum gefragt: Warum ist eine geordnete Wohnung so heiß begehrt?
Big Five der Persönlichkeitsmerkmale
Psychologen haben die fünf entscheidendsten Persönlichkeitsmerkmale herausgefiltert: Extraversion, Offenheit gegenüber (neuen) Erfahrungen, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Neurotizismus.[3] In diesen »Big Five« zählt impliziert Gewissenhaftigkeit diesen heiß begehrten Ordnungssinn, der wiederrum impliziert, mit minimalistischen Strukturen nicht nur die Wohnung, sondern auch das Leben in den Griff zu kriegen.[4] Diese strukturelle Gewissenhaftigkeit basiert aufgrund von Genen und Umweltfaktoren. Faktoren wie die Entwicklung eines Babys im Mutterleib und die berühmten ersten drei Lebensjahren sorgen dafür, dass der Charakter schon zu 60 Prozent festgelegt ist.[5]
Ist der Charakter für immer in Stein gemeißelt?
Bedeutet es also im Umkehrschluss, was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr? Falsch, erklärt der Verhaltensphysiologe Gerard Roth. Nur: um Verhaltensmuster zu durchbrechen bedarf es Leidensdruck, Motivation und viel Geduld. Das ist das eine. Das andere ist, dass wir im Laufe des Lebens lernen müssen, gewisse Eigenschaften, die wir nicht im Übermaß besitzen, dennoch erlernen müssen. Im Fall von Ordnungssinn habe ich gelernt, gewisse Techniken der Ordnung zu entwickeln.
Big Five der Ahnenforschung
Cornelia Wrzus, die Professorin für Psychologische Alternsforschung, erklärte, dass jedes Charaktermerkmal, das sich im Lauf der Evolution entwickelt hat, seinen Sinn hat.[6] Jemand, der wie ich schreibt, beobachtet und ist zugleich neugierig. Ich habe keine Zeit, meine Wohnung zu optimieren, zumal ich Krimskrams entdecke, den ICH wiederrum interessant finde. Gerade bei uns Ahnenforschern sind es die historischen Big Five, die unser Herz bei Fotoalben, vergilbten Briefen und Dokumenten höherschlagen lässt.: Neugierde, Empathie, Wissen, Sammeln und Geduld. Berühmte Fetzchen an Informationen ziehen uns magisch an, werden gesammelt, gesichtet und dann archiviert. Bei anderen Menschen landet der ganze Papierwust in dem Reißwolf. Was für andere eine Belastung ist, bedeutet für mich ein großer Schatz.
Wie drückt es Frau Wrzus aus? »Darum kann man sich ruhig ein Stück weit so akzeptieren, wie man ist.«[7] Ich bin beruhigt;-)
[1] http://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/wochenende-gesellschaft/ordnung-als-sinnsuche-warum-uns-die-ordnung-im-griff-hat
[2] Ebd.
[3] Vgl. http://www.spektrum.de/news/persoenlichkeit-wie-kann-ich-mich-aendern/1923658 (abgerufen 12.08.2024)(
[4] Vgl. www.spektrum.de/news/aufraeumen-warum-menschen-unterschiedlich-viel-ordnung-brauchen/2119167 (abgerufen am 12.08.2024)
[5] Ebd.
[6] Vgl. //www.spektrum.de/news/persoenlichkeit-wie-kann-ich-mich-aendern/1923658
[7] Ebd.
https://vg08.met.vgwort.de/na/1a8c2e6801ea42a9afb92e399dc4c6e2
Füller frei für Schrullige
Der Füller, mit dem ich das Abitur schrieb, bestand aus einer Iridiumfeder, auf der das Emblem des Herstellers eingraviert war: Senator. Aber heute mag ich nicht mehr gerne damit schreiben. Zu breit, zu klecksend und die daraus entstehende Schrift passt nicht zu der von damals. Vielleicht haben sich auch meine Schreibbewegungen verändert.

Füller als Status- und Herrschaftssymbol?
1992 bestand ich mein Abitur und bereits ein Jahr später bezeichnet der SPIEGEL in einem seiner Hefte den Kolbenfüller als »die Sehnsucht nach Altbewährtem als Reflex auf die Computergesellschaft«. Soso. Mittlerweile sind über 30 Jahre vergangen und der Spruch hätte heute auch kommen, nur in veränderter Form. Psychologisch unterfütterte das Magazin seine Analyse noch mit »die Wiederkehr eines längst geglaubten Status- und Herrschaftssymbols«. Nun ja. Auch wenn ich bis heute gerne mit Füller schreibe, habe ich damit nicht Weltherrschaft erreicht. Noch nicht.

Hanswurst des Gestrigen?
Ab er in gewisser Weise hatte der SPIEGEL von damals schon recht. Wenn Hanswurst mit dem tintenklecksenden Utensil schreibt ist er ein armer Gestriger, der die Digitalisierung noch nicht begriffen hat und lieber trommelt als das Mobiltelefon zu benutzen.
Prominente mit Füller
Nur einem Macher sei es erlaubt, den Füller (das Edelste seiner Zunft) zu zücken und seine Gedankenspielereien auf Papier zu bringen. Schauen wir uns doch die Prominentenriege doch einmal an. Was mir auffällt: Es gibt im Internet kaum welche, die am Schreibtisch sitzen und mit Füller schreiben. Thomas Mann hält einen Bleistift in der Hand, den er brauchte, um an der Seite zu kritzeln oder etwas zu unterstreichen. Ober er mit dem Füller schrieb? Im Netz fand ich ein Forum, wo jemand anhand Thomas Manns Tagebucheinträge auflistete, wann und wo der Nobelpreisträger der Buddenbrooks zur Tinte griff.

Bismarck und sein Federkiel
Bismarck, so ein Foto, hält einen Federkiel in der Hand, was auch bedeutet, dass das Bild vor der Erfindung der Füllfeder aufgenommen wurde (Oder liebte er einfach nur den Federkiel?). 1883 bohrte ein gewisser Lewis Edson Waterman zwischen Feder und Tintenreservoir, die dafür sorgten, dass nur so viel Tinte floss, wie benötigt. Der Austausch von Luft schuf ein Vakuum, um keine größeren Klekse zu vermeiden und das Loch in der Feder sorgte für einen kontinuierlichen Tintenfluss.

Politiker zeigen sich gern beim Unterschreiben
Ansonsten halten Politiker, egal welchen Jahrzehnts, gerne Papiere in der Hand, wenn sie am Schreibtisch sitzen oder sie reden auf ihren Berater ein. Oder die Auguren auf die Politiker. Aber auch die machen sich vor der Kamera keine Notizen. Mitunter gibt es bei sonstigen Besprechungen immer Notizblock und Kuli, aber bei mir kommt der leise Verdacht auf, dass öffentlich Notizen machen zu einem Thema Politikern als Schwäche ausgelegt wird. Politiker haben alles im Kopf, hören ihren Zuarbeitern zu, legen sich fest, unterschreiben, wenn die Zuarbeiter ihre Arbeit getan haben.

Donald Trumps Füller
Der Akt des Unterschreibens wird dagegen bis in alle Ewigkeit festgehalten. Dafür gibt es im Internet etliche Beispiele, die den historischen Augenblick festhalten. Zwei plus Vier Vertrag, Friedensvertrag von Brest-Litowsk, Versailler Vertrag, beurkundet mit dem goldenen Waterman, die Obama Care mit dem allseits favorisierten Mont Blanc etc. Es gibt sogar ein Foto, auf dem der Füller von Donald Trump abgebildet ist. Allerdings gibt es keins, auf dem Trump einen Vertrag/Dokument mit seinem Füller unterzeichnet, falls er überhaupt etwas unterzeichnet hat.

König Charles ist Haptiker, also schrullig
Eine Unterschrift mit Tinte ist also etwas Besonderes und wird dementsprechend zelebriert. Auch wenn König Charles fluchte, weil der Füller nicht funktionierte und Tinte die königlichen Finger bekleckerte. Von ihm ist verbürgt, dass er seine Briefe per Hand schreibt und seinen Freunden kleine Briefchen zukommen lässt. Das britische Oberhaupt ist ein Haptiker, was in dem Zusammenhang als schrullig angesehen wird. Da ich auch ein Haptiker bin, kann ich demnach auch als schrullig gelten. Harry Potter allerdings, der mit Federkiel auf Pergament kritzelt, ist dagegen cool. Vielleicht mögen Charles und ich aber nur das Fließen der Feder über dem Papier (vorzugsweise aus Japan). Beim Zurückblättern der Seiten einem Meer aus Spinne gleichen Zeichen betrachten, die sich bei näherem Hinsehen als eigene Schrift entpuppt, schafft einen Ewigkeitsmoment, der vergleichbar ist mit einer tätowierten Haut.

Justus Jonas Unterschrift auf dem Unterarm
Erster Detektiv-Sprecher Oliver Rohrbeck von Drei Fragezeichen ??? erzählte von einem Fan, der unbedingt ein Autogramm von ihm auf den Unterarm wollte. Kaum hatte Rohrbeck seine Unterschrift auf die Haut gekritzelt, erklärte der Fan, er wolle sich dort so lange nicht mehr waschen, bis er beim Tätowierer war.

Wim van Rossem für Anefo, CC0, via Wikimedia Commons
Schreiben ist Papiertätowierung
Da ich noch niemanden gefunden habe, der meine Unterschrift unter die Haut geritzt haben will, tätowiere ich lieber das Papier.
Fußballertattoos: Den Stammbaum auf der Rückenhaut
Passend zur EM sehe ich nicht nur die neuen Magentafarbenen Trikots, die in gestählten Körper stecken. Aus den Ärmeln lugen allerdings keine behaarte Männerarme hervor, sondern glattrasierte, mit Tinte oder anderen Pigmenten unter die Haut gestochene Verfärbungen, die manchmal zur Besorgnis anregen. War der Arm mal wirklich hautfarben? Oder hat ihn jemand oberhalb der Schulter abgeklemmt?

Marco Reus Löwenkopf
Keine Bange. Während sich Paul Breitner seines Felles und Wolle im Gesicht nicht schämte, verzieren sich die Fußball-Eleven ihre Arme (oder wo auch immer) mit dem, was sie selbst niedlich finden oder heilig ist. So wie kleine Jungs Feuerwehrmann oder Polizist werden wollen, sieht sich Marco Reus als Löwen. Geburtsdatum und sein Name weisen darauf hin, dass er beim Löwenkopf nicht etwa an seinen Deutschlehrer denkt, sondern nur an sich.

Mesut Özils mögliche Einschlafmärchen?
Was Mesut Özil über seine Tattoos denkt, bleibt wie auch sonst bei seinen Gedanken sein Geheimnis. Am linken Oberarm prangt ebenfalls ein Panthera Leo, aber nach dem Training mit seinem Drill-Instructor zeigte er nicht nur seine gestählten Bauchmuskeln, sondern lüpfte sein Shirt bis hoch zu seiner linken Brust.
Und was sehen die kritischen Pupillen? Drei Halbmonde und ein heulender Wolf zieren die Haut neben seiner linken Brustwarze. Diese Motive entspringen nicht etwa Mesuts mögliche Einschlafmärchen wie »Rotkäppchen« und/oder »Peterchens Mondfahrt«, sondern handelten von dem Symbol der rechten, türkisch-nationalistischen Bewegung der »Grauen Wölfe«. Ob es sich hierbei um ein Abziehbild handelt oder er es immer noch besitzt, entzieht des Betrachters Erkenntnis.
Weiter im Text. Bei dem uruguayischen Keeper Sebastian Sosa soll die Macht und Stärke nicht aus dem Oberarm springen. Die Kraft des Löwen hämmert ihm förmlich aus dem Hinterkopf hinaus und zu körperlichen Höhenflügen hinauf.

91 at it.wikipedia, Public domain, via Wikimedia Commons
Kevin Prince Boateng: Eifriger Tattoo-Studio Gänger
Kevin Prince Boateng, wie sein Bruder Jerome eifriger Tattoo-Studio Gänger in Berlin-Spandau, stellte – ups – zu seinem Erstaunen fest, dass Trends endlich sind. Bedauerlicherweise ist er nun mit seinen Tattoos nur noch einer unter vielen. Kevin Prince gibt sich selbstkritisch. Heute sei man schöner und cooler, wenn man keine habe, erklärte er. So würde es Ronaldo bestätigen, denn er hält, genau wie Thomas Müller, nichts von Körperverzierungen. Allerdings weiß ich nicht, ob Ronaldo mit Kevin Prince Boateng auch über andere Dinge außer Fußball redet.

Tattoos von Underdogs
Waren Tätowieren früher ein Zeichen der Underdogs (Matrosen, Häftlinge, Rocker, Prostituierten). In Alexandre Dumas »Drei Musketieren« ward die Frau von Arthos, Frau Lady de Winter mit einer Lilie gebrandmarkt, die sie als Kriminelle auswies. Religiöse Motive sind ebenso gern genommen wie Namen und Gesichter der Kinder.

Oli P. und David Haselhoff
Oli P., Ex Schauspieler bei GZSZ und definitiv KEIN Fußballer und Underdog ließ nicht nur seinen Berliner Heimat Code »20« für Spandau in Nacken tätowieren, sondern auch als David Haselhoffs Hardcore Fan an seiner linken Seite Textzeilen aus dessen Evergreen »I`ve been looking for freedom«

Jerome Boateng trägt Stammbaum auf dem Rücken
Was die Tattoo Motive anbelangt, so hat Jerome Boateng den Vogel abgeschossen. Zwar erscheint er momentan viel im Anzug vor Gericht wegen Gewaltvorwürfe an seine Ex-Freundin zu sehen und da ist Seriosität angesagt.

Daher können wir nicht sehen, dass er trägt er seine 16 Ahnen auf dem Rücken trägt. Nachhaltig ist es auf jeden Fall, weil er keinem lästigen Papierausdruck benötigt, clever, weil er seine Gene so nie vergisst, obwohl Schmerzen und Kosten des Tattoo-Studios im in seinem Hinterkopf erhalten bleiben. Ob es für mich als Ahnenforscher allerdings eine Option ist, bleibt fraglich. Nur ein breiter Rücken kann bekanntlich entzücken. Bei Boateng mag es angehen, seine Generationen bis hinunter zum Arschgeweih festzuhalten. Ich allerdings habe am Strand schon etliche Menschen gesehen, deren Steißbein-Tattoo schon mit Anfang 40 dem Verfall preisgegeben wurden.

Kontaktdaten zu Mesut Özils Fitnesstrainer
Ergo muss ich trainieren, bis ich ebenso einen starken Rücken zuhabe. Da die Wahrscheinlichkeit gegen mein Alter plus Trainingseinheit spricht, tätowiere ich lieber geduldiges Papier. Es sei denn, ich komme an die Kontaktdaten von Mesut Özils Fitness Trainer heran. Aber – ob ich dann wie ein tätowierter Fußballspieler herumlaufen will?

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Royaler Spleen oder Selbstoptimierung? Madame de Pompadour und ihre Kaffeemühle
Am schönsten ist es doch, wenn der König menschelt. Das zeigt sich an seinen Alltäglichkeiten, die sich für die Nachwelt zu Reliquien herausbildeten. Im Louvre gibt es auf dem Weg zur Mona Lisa auch Ausstellungsstücke der königlichen Familie bzw. Hochadels für den täglichen Gebrauch.

Staunen für die Nachwelt: Goldene Kaffeemühle im Louvre
Neben Tabatieren; Ringen, Teller aus der berühmten Manufacture royale de porcelaine de Sèvres, Marie Antoinettes Reiseservice oder dem Nagelnecessaire der Maria Leszczyńska, gibt es auch eine 12 cm hohe, mit einem 6 cm Durchmesser »große« Kaffeemühle, die der Madame de Pompadour gehörte. Dieses Schmuckstück, von dem französischen Goldschmied Ducrollay entworfen, ist eine der Schönsten ihrer Art: bestehend aus Gold mit drei Farben, Stahl und Elfenbein, die Reliefs zeigen Stängel, Blätter und Kaffeekirschen.

Räuber Hotzenplotz stiehlt Großmutters Kaffeemühle für den Eigenbedarf
Diese Mühle wird nicht wegen ihrer Schönheit oft fotografiert, sondern angesichts der Skurrilität für das sie einsteht. Mit einer Kaffeemühle verbinden wir Kasperl und Seppels Großmutter, die auf ihrer Gartenbank ihren Kaffee mahlt, während die Mühle während des Drehens ihr Lieblingslied »Alles neu macht der Mai« spielt. Das ist neu, hat daher Seltenheitswert und bildet ein wichtiges Faktum in der Begehrlichkeitsskala des Räuber Hotzenplotz. Der Rest ist bekannt.

Mätresse mahlt ihren Kaffee selbst
Kommen wir nun zum Eigentlichen. Undenkbar, dass sich König Ludwigs XV Maitresse en titre die Kaffeemühle zwischen ihren Schenkeln klemmt und anfängt Kaffee zu mahlen. In einem Hof, in dem die Etikette nicht nur für die Benimmregeln innerhalb Versailles stehen, wo der König inklusive Entourage zu einem vorbestimmten Zeitpunkt eine ganz bestimmte Handlung vornehmen lässt, erscheint uns diese eigenhändige Tätigkeit mehr als nur eine spleenige Idee.
Kaffeeanbau im Schloss Versailles
Tatsächlich wurde bereits unter Ludwig IVX Kaffee angebaut. Der erste Versuch scheiterte. Bei dem Zweiten, entwickelte sich die Kaffeepflanze, gezogen und vermehrt im Jardin du Roi, zur Urmutter sämtlicher Kaffeepflanzen französischer Kolonien. Man muss sich das mal vorstellen: Der Sonnenkönig, über den sein Biograph Johannes Willms schreibt, »der Rollenzwang, niemals er selber zu sein, in keiner Situation, weder beim Sterben noch bei der Verrichtung der Notdurft, sondern stets nur als König zu figurieren, war eine unentrinnbare Falle, die ihm die prinzipielleÖffentlichkeit seinerPerson zur Pflicht machte« soll Kaffeekirschen gepflückt, geröstet und gemahlt haben? Geradezu unvorstellbar. Aber möglich ist alles. Auch wenn überliefert ist, dass der Sonnenkönig das Modegetränk bei Hofe nicht besonders schätzte.

Was machte Ludwig XV nach Feierabend?
Bei seinem Urenkel ist es hingegen verbürgt. Ludwig XV war sowieso ein Mensch, der nach getanem Job die Bude zumachte und sich in sein Privatleben zurückzog. Kein Freund der öffentlichen Diners, nutzte er die inneren Appartements für seine persönliche Bürgerlichkeit. Er ließ Speisesäle einbauen, nebst einem Salon, wo Karten gespielt wurde. Dort mahlte er für seine Gäste eigenhändig die Kaffeebohnen Marke Eigenbau, brühte auf und servierte.

Selbstoptimierung: Kaffeerösten mit der Popcorn-Maschine
Angeblich soll er auch den Kaffee selbst geröstet haben Wie das heute vor sich geht, zeigt mir ein Lifestyle-Blog (www. coffeeannan.com/blogs/blog/kaffee-roesten), der mich zwecks Selbstoptimierung in die Kunst des heimischen Kaffeeröstens einweist. Also nix mit Tschibo, sondern hier geht es um individuelle Röstgrade für den persönlichen Geschmack. Frei nach dem Motto: Frischer geht`s nimmer und einmal das eigene Spielkind sein. Über das »Wie« gibt der Blog auch Auskunft. Über Pfanne, Wok bis hin zum Backofen. Wobei ich es schade finde, dass es so etwas noch nicht zu Königszeiten gab: Eine Heißluft-Pocorn-Maschine., bei der die durch die Heißluft erzeugte Hitze die Bohnen während Drehbewegung verteilt. Äh – oder so ähnlich.

Da der Pleitegeier schon gewaltig um Ludwig XV Regierung kreiste, wäre es nicht nur der Gipfel hochadeligen Genuss, Popcorn futternd Kaffee zu trinken, sondern auch dieses teuer zu verkaufen. Was das Geld in die Staatskasse klingeln lässt. Wenn es denn die Popcornmaschine schon gegeben hätte.

Nase voll und trotzdem glücklich. Vom Schnupftabak und seiner Dose
Christoph Kolumbus entdeckte nicht nur Amerika, sondern auch an den Nasen der Ureinwohner ein seltsames Pulver. Er hielt es für so interessant, dass er den Schnupftabak in seine portugiesische Heimat brachte. Der am portugiesischen Hof lebende französische Gesandte Jean Nicot führte es am französischen Hof ein und machte damit Katharina di Medici zur ersten Abhängigen. Die Schwiegermutter Maria Stuarts nutzte das poudre de la reine (Pulver der Königin), um ihren ewigen kranken Sohn Franz II zu heilen. Eine Nase voll dem höllischen Puder – voila – und die oberen Atemwege waren frei.

Schnupftabaksdose rettet das Leben von Friedrich II
Man schrieb dem Pulver magische Eigenschaften zu. Es heilte nicht nur Migräne, Pest, Läuse und Brand, sondern auch das Leben. Der bekannte Schnupfer Friedrich der Große, so die Fama, stand im Siebenjährigem Krieg im Felde bei Kunersdorf, als ihn eine feindliche Kugel an der Brust traf. Die Kugel prallte an der Schnupftabaksdose ab, die sich in seiner Brusttasche befand und schenkte dem Preußenkönig das Leben.

In Saucen eingelegter Schnupftabak
Friedrich war nicht nur ein ständiger Sniffer, sondern auch ein Sammler kostbarer Schnupftabaksdosen. Den oft in schäbiger, fleckiger Uniform herumlaufende Preußenkönig hätte man leicht für einen Strauchdieb halten können. Aber damit man sich ja nicht vertat, holte er jederzeit aus seinem Uniformrock eine mit dem Edelstein Chrysomas besetzte Tabatiere und schnupfte den wochenlang in Saucen gelegte spanische Tabak.
Tabatieren aus Edelsteinen
Friedrich der Große betonte in seinem Testament, sich nie staatlicher Gelder bedient zu haben. Tatsächlich aber schuf er aber für die Dinge, die er begehrte eine Art Fond. Dieser Fond ermöglichte es ihm, sich die Kostspieligkeiten wie Schnupftabaksdosen zu leisten. Sein favorisierter Goldschmied Daniel Baudesson (einige seiner Dosen zieren das Metropolitan Museum of Modern Art), schuf u.a. goldene, Brillanten verzierte Kreationen mit Friedrichs Konterfei. Friedrich letzte Dose war im Übrigen eine Holzmaserdose, die sein Kammerdiener Schöning Friedrichs Schwester Amalie nach dessen Tod überreichte.

Kaiser Wilhelm liebte Schnupftabaksdosen wie sein Idol
Auch Kaiser Wilhelm II sammelte in seinem niederländischen Exil, Haus Doorn, Schnupftabaksdosen. In Anlehnung an sein oben genanntes preußisches Idol, gab es neben den Motiven mit seinen »Hobbies« wie Schiffe oder Segelsport, einige Dosen, die den Frontverlauf des Schlesischen Krieges darstellten.

Schnupfen unter Tage auf Du und Du
Schnupftabak galt aber nicht nur als ein Privileg des Adels, sondern sicherte sich seinen Platz in der Mitte der Gesellschaft. Sniffen war gern genommen in der Feuerpause an der Front (obwohl der Schnupftabak im 2. Weltkrieg abnahm) oder im Bergbau. Unter Tage gab es schon allein deswegen nur Tabakpulver, weil die Brandgefahr zu hoch war. Eine kurze Runde Schnupfen mit seinem Kumpel oder Chef auf Du und Du, lockerte die Hierarchie, förderte die Motivation und den Zusammenhalt.

Peer Steinbrück ist ein Amateur in Sachen Sniffen
Auch Politiker snifften, wann es für sie politisch opportun erschien. Während Edmund Stoiber den Schnupftabak vor dem EU-Verbot rettete, zog Franz Müntefering das braune Pulver bei den Ruhrfestspielen über seinen Handrücken durch die Nase. Peer Steinbrück in Bergmannskluft, träufelte sich bei einem Termin in Hamm ebenfalls das Pulver auf die rechte Hand. Ein Amateur in Sachen Schnupfen, denn Kenner nehmen immer die Linke.

Helmut Schmidts menthole Liebe beginnt im Bergbau
Übrigens: Der Schnupftabak ist auch Mittler in Sachen großer Liebe. Unser Alt Bundeskanzler Helmut Schmidt lernte nicht nur das Sniffen von den Kumpels kennen, sondern einen Geschmack, von dem er Zeit seines Lebens nicht mehr loskam. Der in Deutschland hergestellte Snuff ward immer mit Menthol versehen. Schmidt behielt zwar das Schnupfen bei. Da aber die Kippen mehr hergaben, er aber den Menthol-Geschmack nicht missen wollte, deckte er sich fürstlich mit Zigaretten Marke Reyno Menthol ein – und bescherte der Zigarettenfirma ungeahnte Umsätze
Römische Latrine ohne Tamponautomat
Öffentliche Toiletten gehören zu den am wenigsten beachteten Orten der Geschichte. Dabei sagen sie viel über gesellschaftliche Ordnung, Körperbilder und den Umgang mit Nähe aus. Die römische Latrina Publica war kein Rückzugsort, sondern ein selbstverständlicher Teil des öffentlichen Lebens. Ihre bauliche Gestaltung, Nutzung und soziale Funktion erlauben einen ungewöhnlich direkten Blick auf den Alltag der Antike.
Irgendwie komme ich von der Antike nicht los. Momentan interessiert mich die sogenannte Latrina Publica, die öffentliche römische Toilette. Von wegen stilles Örtchen: Dort ging es mitunter zu wie auf einer Toilette an Karneval in der Düsseldorfer Altstadt. In gelöster Atmosphäre brodelten nicht nur die Gerüche, sondern auch die Gerüchte. Man traf Bekannte und Freunde, die man länger nicht gesehen hatte – oder immer zur gleichen Uhrzeit, weil man offenbar dieselbe Verdauung besaß wie der Sitznachbar.

Wie die Hühner auf der Stange
Will man das Innere der römischen Gesellschaft erforschen, muss man in ihre Tiefen bohren – und die führen zwangsläufig in die Kloaken Roms. Ein besonderes Kleinod lässt Archäologenherzen höherschlagen: die Latrinen unter dem Palatin. Eifrig maßen sie die Sitzhöhe (43 Zentimeter) und den Abstand der aus Stein gehauenen Öffnungen. Das Ergebnis: In einer Entfernung von gerade einmal 56 Zentimetern hockten die Menschen ohne Trennwand nebeneinander – wie die Hühner auf der Stange.
Unter ihnen floss ein Bächlein mit den Fäkalien in den Abwasserkanal. Vor den Steinlöchern befand sich eine mit Wasser gefüllte Rinne, in der die Römer den am Stock befestigten Schwamm reinigten. Mit diesem wischten sie sich den Hintern. Wann – und ob – dieser Schwamm regelmäßig ausgewechselt wurde, bleibt ein ewiges Geheimnis. Ebenso die Frage, ob jeder seinen eigenen zur Hand hatte. Klopapier produzierte Joseph Gayetty bekanntlich erst um 1857.

Schnorren auf dem Klo
Dass Menschen auf dem Lokus gern reden, weiß ich aus eigener Erfahrung in Gemeinschaftstoiletten. (Es war noch nicht die Zeit, in der man allein mit dem Handy auf dem Klo saß.) Auch im antiken Rom gab es Personen, die Gestank, Getier und Keime ignorierten und die öffentlichen Toiletten nicht primär zum Verrichten ihrer Notdurft aufsuchten.
Der Dichter Martial berichtet von einem Mann namens Vaccera, der stundenlang auf dem Klo herumlungerte. Nicht um zu spannen, sondern um Bekannte zu treffen. Warum? Martial bringt es auf den Punkt:
„Cenaturit Vaccera, non caccaturit!“
(Essen möchte Vaccera, nicht kacken.)
Vaccera hoffte also auf Dinnereinladungen – selbstverständlich für lau.

Fischbandwurm im römischen Darm
Apropos Keime: Es gibt ja so etwas wie das Gesetz der Masse. Wenn alle etwas haben, fällt es kaum auf – und wird zur Normalität. Die Römer litten unter Darmparasiten, insbesondere unter dem Fischbandwurm. Schuld daran war unter anderem das Garum. Die aus Fisch in Salzlake gewonnene Flüssigkeit mundete dem römischen Gaumen und wurde nahezu allen Speisen zugesetzt.
Gekoppelt mit den stinkenden Gemeinschaftstoiletten – ein wahres Highlight für Keime – und der Düngung der Felder mit Fäkalien, schloss sich der Kreislauf. Über Obst und Gemüse gelangten die Krankheitserreger zuverlässig zurück in den römischen Magen.

Tamponautomat auf dem Herrenklo
Kürzlich las ich erneut von einem Streit im Hygienebereich des Stuttgarter Rathauses. Auslöser war ein im Zuge des Genderns installierter Tamponspender auf der Herrentoilette – gedacht zur Gleichberechtigung von Transmenschen. Oberbürgermeister Frank Nopper war darüber derart erbost, dass er ein Foto des Menstruationsbehälters knipste und auf Instagram postete.
CDU-Fraktionschef Alexander Klotz zeterte in der BILD-Zeitung vom landesweiten Gespött und beklagte, der Tamponbehälter auf dem Männerklo sei – im Gegensatz zu dem auf der Damentoilette – ständig leer. Statistisch gesehen scheint der Bedarf an Tampons bei Männern also größer zu sein.
Gleichberechtigung auf dem römischen Klo
Interessanterweise kannten die Römer auf ihren Latrinen keine Geschlechtertrennung. Jede und jeder setzte sich auf die steinerne Klobrille, verrichtete sein oder ihr Geschäft und ging wieder seiner oder ihrer Wege. Gleichberechtigung pur. Auch ohne Tamponautomat. Die Latrina Publica zeigt, wie selbstverständlich Öffentlichkeit, Körper und Alltag in der Antike ineinandergreifen konnten.Öffentlichkeit beginnt manchmal dort, wo man sie am wenigsten erwartet.