Royaler Spleen oder Selbstoptimierung? Madame de Pompadour und ihre Kaffeemühle

Am schönsten ist es doch, wenn der König menschelt. Das zeigt sich an seinen Alltäglichkeiten, die sich für die Nachwelt zu Reliquien herausbildeten. Im Louvre gibt es auf dem Weg zur Mona Lisa auch Ausstellungsstücke der königlichen Familie bzw. Hochadels für den täglichen Gebrauch.

Marie Antoinettes Reiseservice, ©Marion Rissart

Staunen für die Nachwelt: Goldene Kaffeemühle im Louvre

Neben Tabatieren; Ringen, Teller aus der berühmten Manufacture royale de porcelaine de Sèvres, Marie Antoinettes Reiseservice oder dem Nagelnecessaire der Maria Leszczyńska, gibt es auch eine 12 cm hohe, mit einem 6 cm Durchmesser »große« Kaffeemühle, die der Madame de Pompadour gehörte. Dieses Schmuckstück, von dem französischen Goldschmied Ducrollay entworfen, ist eine der Schönsten ihrer Art: bestehend aus Gold mit drei Farben, Stahl und Elfenbein, die Reliefs zeigen Stängel, Blätter und Kaffeekirschen.

Versailles 1936, Willem van de Poll, © Niederländisches Staatsarchiv

Räuber Hotzenplotz stiehlt Großmutters Kaffeemühle für den Eigenbedarf

Diese Mühle wird nicht wegen ihrer Schönheit oft fotografiert, sondern angesichts der Skurrilität für das sie einsteht. Mit einer Kaffeemühle verbinden wir Kasperl und Seppels Großmutter, die auf ihrer Gartenbank ihren Kaffee mahlt, während die Mühle während des Drehens ihr Lieblingslied »Alles neu macht der Mai« spielt. Das ist neu, hat daher Seltenheitswert und bildet ein wichtiges Faktum in der Begehrlichkeitsskala des Räuber Hotzenplotz. Der Rest ist bekannt.

Fontäne im Park von Versailles,Willem van de Poll, © Niederländisches Staatsarchiv

Mätresse mahlt ihren Kaffee selbst

Kommen wir nun zum Eigentlichen. Undenkbar, dass sich König Ludwigs XV Maitresse en titre die Kaffeemühle zwischen ihren Schenkeln klemmt und anfängt Kaffee zu mahlen. In einem Hof, in dem die Etikette nicht nur für die Benimmregeln innerhalb Versailles stehen, wo der König inklusive Entourage zu einem vorbestimmten Zeitpunkt eine ganz bestimmte Handlung vornehmen lässt, erscheint uns diese eigenhändige Tätigkeit mehr als nur eine spleenige Idee.

Kaffeeanbau im Schloss Versailles

Tatsächlich wurde bereits unter Ludwig IVX Kaffee angebaut. Der erste Versuch scheiterte. Bei dem Zweiten, entwickelte sich die Kaffeepflanze, gezogen und vermehrt im Jardin du Roi, zur Urmutter sämtlicher Kaffeepflanzen französischer Kolonien. Man muss sich das mal vorstellen: Der Sonnenkönig, über den sein Biograph Johannes Willms schreibt, »der Rollenzwang, niemals er selber zu sein, in keiner Situation, weder beim Sterben noch bei der Verrichtung der Notdurft, sondern stets nur als König zu figurieren, war eine unentrinnbare Falle, die ihm die prinzipielleÖffentlichkeit seinerPerson zur Pflicht machte« soll Kaffeekirschen gepflückt, geröstet und gemahlt haben? Geradezu unvorstellbar. Aber möglich ist alles. Auch wenn überliefert ist, dass der Sonnenkönig das Modegetränk bei Hofe nicht besonders schätzte.

Ludwig XV, ©wikipedia Commons

Was machte Ludwig XV nach Feierabend?

Bei seinem Urenkel ist es hingegen verbürgt. Ludwig XV war sowieso ein Mensch, der nach getanem Job die Bude zumachte und sich in sein Privatleben zurückzog. Kein Freund der öffentlichen Diners, nutzte er die inneren Appartements für seine persönliche Bürgerlichkeit. Er ließ Speisesäle einbauen, nebst einem Salon, wo Karten gespielt wurde. Dort mahlte er für seine Gäste eigenhändig die Kaffeebohnen Marke Eigenbau, brühte auf und servierte.

Frühstücksservice von Charles Etienne Leguay, CC0, © Wikimedia Commons

Selbstoptimierung: Kaffeerösten mit der Popcorn-Maschine

Angeblich soll er auch den Kaffee selbst geröstet haben Wie das heute vor sich geht, zeigt mir ein Lifestyle-Blog (www. coffeeannan.com/blogs/blog/kaffee-roesten), der mich zwecks Selbstoptimierung in die Kunst des heimischen Kaffeeröstens einweist. Also nix mit Tschibo, sondern hier geht es um individuelle Röstgrade für den persönlichen Geschmack. Frei nach dem Motto: Frischer geht`s nimmer und einmal das eigene Spielkind sein. Über das »Wie« gibt der Blog auch Auskunft. Über Pfanne, Wok bis hin zum Backofen. Wobei ich es schade finde, dass es so etwas noch nicht zu Königszeiten gab: Eine Heißluft-Pocorn-Maschine., bei der die durch die Heißluft erzeugte Hitze die Bohnen während Drehbewegung verteilt. Äh – oder so ähnlich.

2012_Popcorn-Automat Popcorn-Automat im Dong Xuan Center, Berlin, Deutschland, ©Anagoria

Da der Pleitegeier schon gewaltig um Ludwig XV Regierung kreiste, wäre es nicht nur der Gipfel hochadeligen Genuss, Popcorn futternd Kaffee zu trinken, sondern auch dieses teuer zu verkaufen. Was das Geld in die Staatskasse klingeln lässt. Wenn es denn die Popcornmaschine schon gegeben hätte.

512px-Frontierland_Popcorn, ©Wikipedia Commons

Nase voll und trotzdem glücklich. Vom Schnupftabak und seiner Dose

Christoph Kolumbus entdeckte nicht nur Amerika, sondern auch an den Nasen der Ureinwohner ein seltsames Pulver. Er hielt es für so interessant, dass er den Schnupftabak in seine portugiesische Heimat brachte. Der am portugiesischen Hof lebende französische Gesandte Jean Nicot führte es am französischen Hof ein und machte damit Katharina di Medici zur ersten Abhängigen. Die Schwiegermutter Maria Stuarts nutzte das poudre de la reine (Pulver der Königin), um ihren ewigen kranken Sohn Franz II zu heilen. Eine Nase voll dem höllischen Puder – voila – und die oberen Atemwege waren frei.

Tabakanbau in den Niederlanden, ©Niederländisches Staatsarchiv

Schnupftabaksdose rettet das Leben von Friedrich II

Man schrieb dem Pulver magische Eigenschaften zu. Es heilte nicht nur Migräne, Pest, Läuse und Brand, sondern auch das Leben. Der bekannte Schnupfer Friedrich der Große, so die Fama, stand im Siebenjährigem Krieg im Felde bei Kunersdorf, als ihn eine feindliche Kugel an der Brust traf. Die Kugel prallte an der Schnupftabaksdose ab, die sich in seiner Brusttasche befand und schenkte dem Preußenkönig das Leben.

Snuffbox_with_portrait_of_Frederick_the_Great_(1712–1786),_King_of_Prussia_MET_ES5701Daniel Baudesson, CC0, via Wikimedia Commons

In Saucen eingelegter Schnupftabak

Friedrich war nicht nur ein ständiger Sniffer, sondern auch ein Sammler kostbarer Schnupftabaksdosen. Den oft in schäbiger, fleckiger Uniform herumlaufende Preußenkönig hätte man leicht für einen Strauchdieb halten können. Aber damit man sich ja nicht vertat, holte er jederzeit aus seinem Uniformrock eine mit dem Edelstein Chrysomas besetzte Tabatiere und schnupfte den wochenlang in Saucen gelegte spanische Tabak.

Tabatieren aus Edelsteinen

Friedrich der Große betonte in seinem Testament, sich nie staatlicher Gelder bedient zu haben. Tatsächlich aber schuf er aber für die Dinge, die er begehrte eine Art Fond. Dieser Fond ermöglichte es ihm, sich die Kostspieligkeiten wie Schnupftabaksdosen zu leisten. Sein favorisierter Goldschmied Daniel Baudesson (einige seiner Dosen zieren das Metropolitan Museum of Modern Art), schuf u.a. goldene, Brillanten verzierte Kreationen mit Friedrichs Konterfei. Friedrich letzte Dose war im Übrigen eine Holzmaserdose, die sein Kammerdiener Schöning Friedrichs Schwester Amalie nach dessen Tod überreichte.

Diese Tabatiere ist nicht von Friedrich dem Großen, sondern steht im Louvre, ©Marion Rissart

Kaiser Wilhelm liebte Schnupftabaksdosen wie sein Idol

Auch Kaiser Wilhelm II sammelte in seinem niederländischen Exil, Haus Doorn, Schnupftabaksdosen. In Anlehnung an sein oben genanntes preußisches Idol, gab es neben den Motiven mit seinen »Hobbies« wie Schiffe oder Segelsport, einige Dosen, die den Frontverlauf des Schlesischen Krieges darstellten.

Ebenfalls ein Tabatieren-Sammler. Kaiser Wilhelm II mit seiner zweiten Frau im holländischen Exil, Haus Doorn. Bundesarchiv_Bild_136-C0805,_Kaiserpaar_im_Haus_Doorn

Schnupfen unter Tage auf Du und Du

Schnupftabak galt aber nicht nur als ein Privileg des Adels, sondern sicherte sich seinen Platz in der Mitte der Gesellschaft. Sniffen war gern genommen in der Feuerpause an der Front (obwohl der Schnupftabak im 2. Weltkrieg abnahm) oder im Bergbau. Unter Tage gab es schon allein deswegen nur Tabakpulver, weil die Brandgefahr zu hoch war. Eine kurze Runde Schnupfen mit seinem Kumpel oder Chef auf Du und Du, lockerte die Hierarchie, förderte die Motivation und den Zusammenhalt.

Schnupftabakflasche aus Steingut_ Perlesreuter Schmalzler, ©JNM

Peer Steinbrück ist ein Amateur in Sachen Sniffen

Auch Politiker snifften, wann es für sie politisch opportun erschien. Während Edmund Stoiber den Schnupftabak vor dem EU-Verbot rettete, zog Franz Müntefering das braune Pulver bei den Ruhrfestspielen über seinen Handrücken durch die Nase. Peer Steinbrück in Bergmannskluft, träufelte sich bei einem Termin in Hamm ebenfalls das Pulver auf die rechte Hand. Ein Amateur in Sachen Schnupfen, denn Kenner nehmen immer die Linke.

SchnupfendeDamen Louis-Léopold Boilly, Public domain, via Wikimedia Commons

Helmut Schmidts menthole Liebe beginnt im Bergbau

Übrigens: Der Schnupftabak ist auch Mittler in Sachen großer Liebe. Unser Alt Bundeskanzler Helmut Schmidt lernte nicht nur das Sniffen von den Kumpels kennen, sondern einen Geschmack, von dem er Zeit seines Lebens nicht mehr loskam. Der in Deutschland hergestellte Snuff ward immer mit Menthol versehen. Schmidt behielt zwar das Schnupfen bei. Da aber die Kippen mehr hergaben, er aber den Menthol-Geschmack nicht missen wollte, deckte er sich fürstlich mit Zigaretten Marke Reyno Menthol ein – und bescherte der Zigarettenfirma ungeahnte Umsätze

Römische Latrine ohne Tamponautomat


Öffentliche Toiletten gehören zu den am wenigsten beachteten Orten der Geschichte. Dabei sagen sie viel über gesellschaftliche Ordnung, Körperbilder und den Umgang mit Nähe aus. Die römische Latrina Publica war kein Rückzugsort, sondern ein selbstverständlicher Teil des öffentlichen Lebens. Ihre bauliche Gestaltung, Nutzung und soziale Funktion erlauben einen ungewöhnlich direkten Blick auf den Alltag der Antike.

Irgendwie komme ich von der Antike nicht los. Momentan interessiert mich die sogenannte Latrina Publica, die öffentliche römische Toilette. Von wegen stilles Örtchen: Dort ging es mitunter zu wie auf einer Toilette an Karneval in der Düsseldorfer Altstadt. In gelöster Atmosphäre brodelten nicht nur die Gerüche, sondern auch die Gerüchte. Man traf Bekannte und Freunde, die man länger nicht gesehen hatte – oder immer zur gleichen Uhrzeit, weil man offenbar dieselbe Verdauung besaß wie der Sitznachbar.

Antikes_WC in Athen, ©wikipedia

Wie die Hühner auf der Stange

Will man das Innere der römischen Gesellschaft erforschen, muss man in ihre Tiefen bohren – und die führen zwangsläufig in die Kloaken Roms. Ein besonderes Kleinod lässt Archäologenherzen höherschlagen: die Latrinen unter dem Palatin. Eifrig maßen sie die Sitzhöhe (43 Zentimeter) und den Abstand der aus Stein gehauenen Öffnungen. Das Ergebnis: In einer Entfernung von gerade einmal 56 Zentimetern hockten die Menschen ohne Trennwand nebeneinander – wie die Hühner auf der Stange.

Unter ihnen floss ein Bächlein mit den Fäkalien in den Abwasserkanal. Vor den Steinlöchern befand sich eine mit Wasser gefüllte Rinne, in der die Römer den am Stock befestigten Schwamm reinigten. Mit diesem wischten sie sich den Hintern. Wann – und ob – dieser Schwamm regelmäßig ausgewechselt wurde, bleibt ein ewiges Geheimnis. Ebenso die Frage, ob jeder seinen eigenen zur Hand hatte. Klopapier produzierte Joseph Gayetty bekanntlich erst um 1857.

Xylospongium. Nachgebauter römischer Toilettenschwamm, ©Dickson. Herdemerten

Schnorren auf dem Klo

Dass Menschen auf dem Lokus gern reden, weiß ich aus eigener Erfahrung in Gemeinschaftstoiletten. (Es war noch nicht die Zeit, in der man allein mit dem Handy auf dem Klo saß.) Auch im antiken Rom gab es Personen, die Gestank, Getier und Keime ignorierten und die öffentlichen Toiletten nicht primär zum Verrichten ihrer Notdurft aufsuchten.

Der Dichter Martial berichtet von einem Mann namens Vaccera, der stundenlang auf dem Klo herumlungerte. Nicht um zu spannen, sondern um Bekannte zu treffen. Warum? Martial bringt es auf den Punkt:
„Cenaturit Vaccera, non caccaturit!“
(Essen möchte Vaccera, nicht kacken.)

Vaccera hoffte also auf Dinnereinladungen – selbstverständlich für lau.

Römische Garum Fabrik, ©Iguil Wikipedia

Fischbandwurm im römischen Darm

Apropos Keime: Es gibt ja so etwas wie das Gesetz der Masse. Wenn alle etwas haben, fällt es kaum auf – und wird zur Normalität. Die Römer litten unter Darmparasiten, insbesondere unter dem Fischbandwurm. Schuld daran war unter anderem das Garum. Die aus Fisch in Salzlake gewonnene Flüssigkeit mundete dem römischen Gaumen und wurde nahezu allen Speisen zugesetzt.

Gekoppelt mit den stinkenden Gemeinschaftstoiletten – ein wahres Highlight für Keime – und der Düngung der Felder mit Fäkalien, schloss sich der Kreislauf. Über Obst und Gemüse gelangten die Krankheitserreger zuverlässig zurück in den römischen Magen.

Kreislauf des Fischbandwurm, ©Roman Kuchta, Marcus Enrique Serrano-Martínez, and Tomas Scholz

Tamponautomat auf dem Herrenklo

Kürzlich las ich erneut von einem Streit im Hygienebereich des Stuttgarter Rathauses. Auslöser war ein im Zuge des Genderns installierter Tamponspender auf der Herrentoilette – gedacht zur Gleichberechtigung von Transmenschen. Oberbürgermeister Frank Nopper war darüber derart erbost, dass er ein Foto des Menstruationsbehälters knipste und auf Instagram postete.

CDU-Fraktionschef Alexander Klotz zeterte in der BILD-Zeitung vom landesweiten Gespött und beklagte, der Tamponbehälter auf dem Männerklo sei – im Gegensatz zu dem auf der Damentoilette – ständig leer. Statistisch gesehen scheint der Bedarf an Tampons bei Männern also größer zu sein.


Gleichberechtigung auf dem römischen Klo

Interessanterweise kannten die Römer auf ihren Latrinen keine Geschlechtertrennung. Jede und jeder setzte sich auf die steinerne Klobrille, verrichtete sein oder ihr Geschäft und ging wieder seiner oder ihrer Wege. Gleichberechtigung pur. Auch ohne Tamponautomat. Die Latrina Publica zeigt, wie selbstverständlich Öffentlichkeit, Körper und Alltag in der Antike ineinandergreifen konnten.Öffentlichkeit beginnt manchmal dort, wo man sie am wenigsten erwartet.

Antikes Männer-Theater: Entbehrliche Frauen

Kürzlich las ich in der Zeitung, dass die Griechen in jüngster Zeit die Ehe für alle eingeführt haben. Auch im alten Griechenland besaßen die Bürger ein völlig gelassenes Verhältnis zur Homosexualität Nun ist die Erkenntnis nicht neu, interessant ist aber hier, dass Forscher es als wahrscheinlich ansehen, dass selbst Alexander der Große ein Techtelmechtel mit seinem besten Freund Hephaistion hatte.

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Antikes Theater- entbehrliche Frauen

Was das queere Miteinander angeht, war das antike Theater der heutigen Zeit weit voraus. Männer in Frauenrollen zu sehen galt als völlig normal. Sowohl gespielte Tragödien, als auch die Komödien ausschließlich nur Männer dazu prädestiniert, weibliche Rollen mit Leben zu füllen.

Goethe erklärte hierzu: »Die Alten ließen, wenigstens in den besten Zeiten der Kunst und der Sitten, keine Frau das Theater betreten. Ihre Stücke waren entweder so eingerichtet, dass Frauen mehr und weniger entbehrlich waren; oder die Weiberrollen wurden durch einen Akteur vorgestellt, welcher sich besonders darauf geübt hatte.«

Männer in Frauenrollen sind gar nicht selten. Hier ist der berühmte Barry Humphries in seiner Paraderolle als Dame Edna. Dame Edna begrüßte ihre Zuschauer mit Hello Opposum. Dame_Edna_(6959711768), © Eva Rinaldi

Schlagfertigkeit und Schwatzhaftigkeit

Vielleicht lag es daran, dass in der antiken Männerwelt das Reden (und damit auch das Theaterspielen) oblag. Bewundert wurde der, der über Eloquenz und Schlagfertigkeit verfügte, verbunden mit Autorität. Schwatzhaftigkeit verbunden mit Klatsch war den Frauen vorbehalten, deshalb riet schon Demokrit, die beste Zierde einer Frau sei das Schweigen. In Athen war die Rollenverteilung endgültig geklärt. Die Hetären waren für die Lust zuständig, die Konkubinen für die körperlichen Belange, die Ehefrauen der Oberschicht oblag die Pflicht, für legitimen Nachwuchs zu sorgen. Ansonsten hockten sie in ihrem Frauentrakt und an den Webstühlen.

Empfang für das Kölner Dreigestirn im Kölner Rathaus – Weiberfastnacht 2019,-© Raimond Spekking

Männerdomäne Kölner Dreigestirn

Um jetzt den Bogen mal in unsere Zeit zu spannen: Es fallen Männer in Frauenrollen auch gar nicht besonders auf. Was die reine Männergilde in Frauenklamotten betrifft, so gibt es gerade in Köln ihre Lieblichkeit, die Jungfrau des Kölner Dreigestirns. Mit Zinnenkranz auf den blonden Gretelzöpfen, in einem Gewand gehüllt, dass an die Königin Agrippina die Jüngere (Der Legende nach die Gründerin Kölns) erinnern soll, gilt nur der männliche Kölner als privilegiert, sich Karneval als diese Frau zu verkleiden. Außer in der dunklen Zeit des 1000-jährigen Reiches, das bekanntlich 12 Jahre währte, wo Frauen diese Rolle spielen mussten.

Sarah Bernhardt spielte den Hamlet mit einem Bein. Félix_Nadar_1820-1910_portraits_Sarah_Bernhardt Public domain, via Wikimedia Commons

Was haben Sarah Bernhardt und Uschi Glas gemeinsam?

Jetzt kann man Multiple Choice Test stellen, warum Männer in der Antike und im Kölner Karneval in Frauenrollen schlüpften und schlüpfen:

  1. Sie waren (sind) sind jung und brauchten (brauchen) das Geld.
  2. In der antiken Welt Griechenlands spielten Frauen keine gesellschaftliche Rolle.
  3. Im heutigen Köln auch nicht.
  4. Es gab schon damals in Griechenland eine (noch) unerforschte queere Szene.
  5. Es hat sie nie gegeben.
  6. Frauen hatten und haben kein Talent zum Schauspiel. (Ist allerdings durch Sarah Bernhardt als Hamlet mit Prothese und Uschi Glas als Halbblut Apanatschi eindeutig widerlegt)
  7. Frauen haben Talent (siehe Bernhardt und Glas), aber Männer haben Angst vor diesem Talent.

Mehrere Antworten möglich;-)

Uschi Glas spielte als Frau eine Frauenrolle. u.a. als Halblut Apanatschi im Winnetoufilm;-)Uschi_Glas_(Berlinale_2012)_(cropped)by wikipedia

Rockgruppe Queen in Frauenkleidern

Manchmal wird auch aus dem bierernsten Karnevalsspaß eine unverstandene Satire. In der jüngeren Vergangenheit schlüpfte die Rockgruppe Queen bei Dreh des Videos indem vom Bassisten John Deacon geschrieben Song I want to break free ebenfalls in Frauenklamotten. Sozialkritisch seziert, handelt das Lied von einer Frau, die aus ihrer Ehe ausbrechen will. In Anlehnung an die britische Soap Opera Coronation Street schob Frontmann Freddy Mercury in ärmellosen Oberteil nebst Lederröckchen mit unecht wirkendem Schnurrbart im Gesicht, singend einen Staubsauger vor sich her. Roger Taylor, mit langen Zöpfen und Schuluniform wirkte wie dem Schulmädchenreport entsprungen. Brian May dagegen trägt Lockenwickler und Negligé und John Deacon spielt die Oma des Hauses mit Hut und Persianer.

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I want to break free

In Europa verstand man die Satire und den Sinn für Humor. Die Amerikaner dagegen witterten anrüchig Sexuelles und boykottierten (allen voran MTV) den Song. Auch in Deutschland verstand nicht jeder den Witz. Mein damaliger Kollege zeigte sich von der Rockband in Frauenklamotten mehr als irritiert und weigerte sich, das Video anzuschauen. In seinem niederrheinischen Dorf, so wetterte er, sei die Welt noch in Ordnung.

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Comic_mask_MET_DP101607 Metropolitan Museum of Art, CC0, via Wikimedia Commons

Rheinische Gelassenheit oder Egoismus

Welche Ordnung er meint, bleibt bis heute sein Geheimnis. Fakt ist, es sind nicht alle so gelassen wie die Kölner. Oder sind die Kölner (insbesondere der männliche Kölner) einfach zu egoistisch, weil sie Frauen noch nicht einmal eine Rolle als Frau gönnen? Wenn ja, dann kommt in dem oben genannten Fragebogen nur Antwort c in Frage. 😉

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Marlene Dietrich und Frank Hollaender

18. Januar 1976 – Todestag des großen Friedrich Hollaender

Friedrich Hollaender@ OTFW Berlin

Heute, vor 48 Jahren, starb der große Komponist, dessen Lieder uns heute noch in den Ohren klingen. Allen voran der Song der feschen Lola, die »von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt« ist und Marlene Dietrich den Grundstein für ihre Weltkarriere sichert. Der kleine Mann, 1896 in London geboren, aber zum echten Berliner herangewachsen, ist ein Hans Dampf in allen Gassen, was Komposition, Musizieren (Klavier) und Texten betrifft. Ein begabtes Multitalent also, besonders, was das Berliner Kabarett anbelangt.

Bundesarchiv_Bild_102-10387,_Max_Reinhardt in Berlin 1930

Erste Sporen bei Max Reinhardt

Seine ersten Sporen verdient er unter Max Reinhardts Ägide im Kabarett »Schall und Rauch«. Im neuen Schauspielhaus trifft der junge Hollaender ähnlich Begabte, die ein politisch geprägtes Kabarett nach dem 1. Weltkrieg unbedingt auf die Beine stellen wollen. Auf die Frage, warum ausgerechnet Kabarett, erklärt Kurt Tucholsky, der ebenfalls zur schreibenden Garde wie Klabund und Walter Mehring gehört: »Die Welt schreit nach Satire!« Na denn mal los.

Schall_und_Rauch-Inserat, Public domain, via Wikimedia Commons

Was das Kabarett von heute unterscheidet, ist die Abwechslung Hier geht es nicht (nur) um Wortspielereien und politischen Sticheleien, sondern auch um Couplets, Spieleinlagen, Chansons, Tanz, alles bestens interpretiert von Gussy Holl und Blandine Ebinger.

Blandine_Ebinger_1920via wikipedia commons

Hollaender ist der Mann am Klavier

Der Mann am Klavier ist Teil eines schlagenden Erfolgs. Hier lernt er sein Handwerk, der ihm auch in der Emigration von Nutzen sein wird: Den sprachlichen Rhythmus in die Musik zu integrieren. Seine Chansons schreibt er seiner damaligen Partnerin Blandine Ebinger auf dem Leib. Einige Lieder haben sich bis heute erhalten und werden neue interpretiert. Der Berliner kommt in den Liedern überall durch. Blandine singt und spielt die kesse Hinterhofgöre in dem Song » Lied eines armen Mädchens« und sinniert darüber, was die Nachwelt auf ihrer eigenen Beerdigung macht.

Das »Schall und Rauch« öffnet ihm viele Türen und er wird zum gefragten Mann. Er schreibt nicht nur für das Kabarett »Die Rampe«, vertont Tucholskys Texte, sondern liefert Chansons für Trude Hesterbergs »Wilde Bühne«.

Tingel Tangel 1903 Heinrich Zille, Public domain, via Wikimedia Commons

Januar 1931: Eröffnung des Tingel-Tangel-Theaters

Irgendwann will er nicht nur für andere Revuen und Kabarettstücke schreiben, sondern selbst eins gründen. Die schwierigen Zeiten fordern ihn geradezu heraus. 1931 ist es soweit: Im Keller des »Theaters des Westens« eröffnet sich für Hollaender eine Vision des »Tingel-Tangel-Theaters«. Mit Feuereifer geht er an die Arbeit. Neue Beleuchtung, eine moderne Bühne, Farben und Spotlights müssen her, sowie zwei Stützflügel und – sehr wichtig- neue Parkettstühle, die ausgerechnet am Tag der Generalprobe geliefert werden.

Marlene Dietrich im Blauen Engel Public domain, via Wikimedia Commons

Die Zeiten sind schwierig, aber das »Tingel-Tangel« gerät zum großen Erfolg. Bei der Premiere am 7. Januar 1931taucht ein Gast aus Amerika auf, der nach der großen Pause Chansons zum Besten gibt, die ihn durch Hollaender berühmt gemacht haben: Marlene Dietrich! Sie singt nicht nur » Von Kopf bis Fuß, sondern auch »Wenn ich mir was wünschen dürfte«.

Der Reichstagsbrand 27./28.02.1933 by wikipedia commons

Höchste Eisenbahn vor dem Reichtagsbrand

«Höchste Eisenbahn« laute der Name seiner letzten Revue im Tingel-Tangel und das ist es in der Tat. SA-Schlägertrupps stehen drohend im Parkett und Anfang Januar 1933 gingt Hollaender auf und schließt seinen Lebenstraum. Nazis verwüsten seine Wohnung und in der Nacht des Reichstagsbrand packt er seine Lebensgefährtin Hedi Schoop bei der Hand, fährt mit dem Taxi zum Bahnhof Friedrichstadt. Den ersten Zug, den beide nehmen, fährt nach Paris, wo sich die anderen Emigranten im Hotel Asonia schon versammelt haben.               

Kurt_Tucholsky_Deutschland_Anzeige_1929 Kurt Tucholsky, Public domain, via Wikimedia Commons

                  

In Hollywood nur einer unter vielen

Hollaender geht es besser als andere. Hollywood ruft, der »Blaue Engel« winkt als Entree. Aber darf sich in Amerikas Traumfabrik nicht täuschen, mehr als ein Billett für das Image ist es nicht. Denn letztlich ist er nur einer von vielen anderen Emigranten, die sich Bienen um einen Topf Honig schwirren. Unter ihnen sind es die renommierten Künstler wie Peter Lorre, Billy Wilder, Kurt Weill, Fritzi Massary, Alfred Döblin, Fritz Kortner, Lion Feuchtwanger und Bert Brecht. Was bleibt für ihn übrig?

Verlorene Sprache und stockende Zunge

Obwohl er sich durchbeißt und fleißig Filmmusik schreibt, verspürt er dennoch Sehnsucht und Traurigkeit. In Hollywood kommt trotz seiner Erfolge nie richtig an. In der Emigrantenballade, die er 1939 im German Jewish Club vorträgt, zeigt er, wie es um sein Herz wirklich bestellt ist. »Ach, sie haben ihre Sprache verloren und der Zunge flinke Biegsamkeit.«

Kurt_Tucholsky_Deutschland_Anzeige_1929 Kurt Tucholsky, Public domain, via Wikimedia Commons

Der Clown hat keine Stellung mehr

1955 kehrt er endgültig zurück und lässt sich in München nieder. An Ideen und Einfällen mangelt es ihm nicht, aber sein altes Tingel-Tangel-Sujet will nicht im neuen Deutschland nicht mehr so richtig funktionieren. Zwar schreibt er bis zu seinem Tod, aber Musik macht er keine mehr. Als er am 18. Januar 1976 stirbt, ist er das, was er 1961 bei seinem letzten Chanson besang: » Clown, du hast die Stellung verloren, sieh dich nach einer anderen um

Ahnenforschung – doch nur ein Zufallsprodukt?

           

Während der Fahndung nach Vorfahren ;-), kommt mir unwillkürlich manchmal der Name der Rose von Umberto Eco in den Sinn. Das mag auch an der grandiosen Verfilmung liegen, die vor einigen Tagen an Weihnachten lief. In erster Linie liegt es aber an dem Roman selbst. Dort kehrt ein alter Adson von Melk am Ende an den Ort zurück, der ihn in seiner Jugend so sehr geprägt hat.

Der Autor des Romans „Name der Rose Umberto Eco, © Bogaerts, Rob Anefo, CC0, via Wikimedia Commons

Die Abtei existiert nicht mehr. Das Aedificium, ursprünglich ein gewaltiges Monument an (geheimen) Wissen beherbergend, besteht nur noch aus kümmerlichen Ruinen, die ihn an heidnische Monumente erinnern. Dennoch kann es der alte Adson nicht lassen, dort herumzustöbern. Von seinem alten Lehrmeister William von Baskerville inspiriert, hofft er noch auf alte Schriftstücke, die das Feuer nicht vernichtet hat. In der Tat findet er einige Bruchstücke dessen, was die Bibliothek einst ausmachte. In einem Schrank des Skriptoriums lagern noch Pergamentfetzen – eine karge Beute längst vergangener Pracht.

Dennoch macht er sich nicht nur daran, die Überbleibsel zu sammeln, sondern auch zu studieren. Ich sehe ihn vor mir, wie er, seine Schnipsel vor sich ausbreitend, daran macht, mit dem Augenglas seines alten Meisters, zu untersuchen und sie, nach jahrelangen Mühen, zu einem Puzzle zusammen zu legen. Wenn es denn klappt. In Bezug auf die Ahnenforschung fühlen wir uns manchmal wie Adson von Melk, besonders wenn wir wissen, dass es an einem Punkt nicht mehr weitergeht.

Pergamentrolle wie in Name der Rose – oder in Hogwarts?, ©2049_-Byzantine_Museum,_AthensParchement_scroll,_13th_century-_Photo_by_Giovanni_Dall’Orto,_Nov_12 Attribution, via Wikimedia Commons

In meinem Fall weiß ich genau, dass ich in meinem Hauptzweig aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr über den vierfachen Urgroßvater hinauskommen werde. Und das hängt von einigen Faktoren ab. Zum einen stammt besagter Ahnherr nicht aus Gerresheim, weil sein Name auf französischen, bzw. belgischen Ursprung schließen lässt. Er heiratete recht spät; mit 46 Jahren ehelichte er eine 19-jährige und wurde ein später Vater seiner ersten Tochter. Zehn Kinder sollten folgen.

Taufeintrag aus dem Kirchenbuch im Stadtarchiv Düsseldorf, ©Marion Rissart

Aber wann ist er gestorben? Dieses Geheimnis ließ mich echte Nerven kosten. Ich dachte daran, dass in seiner Sterbeurkunde es ein Hinweis auf seine Eltern geben würde. Aber sein Name war blieb im Düsseldorfer Stadtarchiv wie vom Erdboden verschluckt. Der Monheimer Stadtarchivar vermutete sogar, dass der Ahnherr in seiner Eigenschaft als Schäfer an einem anderen Ort das Zeitliche gesegnet hatte (denn Schäfer wanderten weit, wie er mir grinsend versicherte) – und ich bat darum, dass eben dieser Archivar unrecht hatte😉

Papier ist Wissen, ©Marion Rissart

Also wieder zurück zu den Dokumenten, die ich besaß. Akribisch wie Adson durchforstete ich alte Kopien… nicht nur von meinem direkten Vorfahren, sondern auch von den Anverwandten. Und wurde irgendwann fündig. Einer seiner Söhne heiratete 1820 und, siehe da, fand ich doch auf der Heiratsurkunde die ungelenke, daher krakelige Unterschrift des Vierfach-Opas. Ergo konnte ich das Sterbedatum schon ein bisschen eingrenzen und da die Hochzeit 1820 stattfand, es musste auch dank napoleonischen Verwaltungssystems eine Sterbeurkunde geben. Also ging die Suche weiter.

Skriptorium eines ehemaligen Klosters,© 1024px-Marmagne_Abtei_Fontenay_Scriptorium_Innen_4Zairon, CC BY-SA 4.0 httpscreativecommons.orglicensesby-sa4.0, via Wikimedia Commons

Es heißt ja immer »Wer suchet, der findet«. Ich aber sage, wer nicht mehr sucht, der findet erst recht. Denn so ist es bei mir: Wegen einer anderen Sache stieß ich im Düsseldorfer Stadtarchiv auf seine Sterbeurkunde mit etwas entstelltem Namen (Denkt immer daran, eure Familiennamen können groteske Weise entstellt werden;-))

Nobelpreisträger Heinrich Böll bei einer Pressekonferenz in Heerlen am 26.03.1983, ©Niederländisches Staatsarchiv

Als ich in meiner ersten Freude mich über den Fund beugte (ohne Augengläser), war ich enttäuscht. Denn dieses Dokument gab nichts von weiteren Vorfahren her; ich blieb und bleibe genauso schlau wie vorher. Das hängt zum einen daran, dass es wohl auch zu einfach gewesen wäre. Und zweitens liegt es an dem Alter des Verstorbenen. Besagter Ahnherr erreichte ein wahrhaft biblisches Alter, starb er doch im Alter von 96 Jahren. Kein Wunder, dass sich keiner mehr an seine Eltern erinnern konnte. Wer so alt geworden ist, wie die Zeit, der ist quasi schon immer da.

Die Stiftsbibliothek von Admont- ein Traum für jeden Forscher, ©1024px-Admont_Bib_10 Use_Fb78, CC BY-SA 2.0 DE via Wikimedia Commons

In meiner Enttäuschung musste ich an den guten Adson denken. Weise geworden durch die Unbill und Freuden der Zeit, erklärte er gegen Ende des Romans, dass die Überreste der Schnipsel eine Art Mini-Bibliothek darstellten, deren Vollendung er nie erreichen werden. Genau wie die Familienforschung ein Mini-Archiv der eigenen Herkunft ist, dessen Lücken wir nie ganz füllen werden.

Adson sagt aber auch, dass seine Sammlung keine Botschaft enthält, sondern ein Produkt des Zufalls sei. Genauso, wie meine Dokumente zufällig doch in irgendwelchen Archiven lagern (und nicht etwa bei einem Brand vernichtet wurden, wie z.B. wie Wehrstammrollen aus dem 1. Weltkrieg), geht es zufällig auch einfach nicht mehr weiter. Es geht ihm bei seiner Arbeit um die Freude des Sammelns an sich. Und die Genugtuung darüber, dass manchmal ein Puzzlestein zum anderen gefügt werden kann.

Eine vollständige Seite wäre adsons Traum, ©512px-Meister_der_Wenzel-Werkstatt_002 Meister der Wenzel-Werkstatt, Public domain, via Wikimedia Commons

                

       Telle et lege, sagt Adson, neben seiner Frage, wer denn die Rose eigentlich sei.

             (Nimm und lies). So einfach ist das.  

Lagerfeuer Lesung: Kulturgeschichten rund ums Weihnachtsfest

Was braucht`s denn mehr als einfach Zuhören?

Manchmal braucht es keine Effekte, sondern nur sitzen und lauschen bei Kerzenschein. Das archaische Wohl in der oft beschworenen Lagerfeuerromantik trifft des Pudels Kern. Als Autorin des Leiermann-Verlages reise ich mit meinen Zuhörern durch die weihnachtlichen Kulturgeschichten Europas.

Kulturgeschichten, geprägt von mehreren Generationen:-)

Im Konversationscafe im Bonner Migrapolis-Haus las ich nicht nur über Erich Kästners „Fliegende Klassenzimmer“, sondern entführte meine Zuhörer in die  Sagen umwobenen „Rauhnächte“ nach der Weihnachtszeit bis hin zum 6. Januar.

In dieser Zeit stehen wir ein offenes Ohr gegenüber den Geistern und den Seelen der Verstorbenen:-) Meine Zuhörer fielen ein und erzählten von Mythen umwobenen Legenden aus aller Herren Länder.

Leiermann Kollegen bei ihrer Lesung im Zeughaus der Reiss-Engelhorn Museen in Mannheim. Von links nach rechts: Anja Weinberger, Christiane Wilms, Raimund Gründler, ©Christiane Wilms

Währenddessen waren meine Leiermann-Kollegen Anja Weinberger, Christiane Wilms und Raimund Gründler, der Kurator des Lese Zeichens Mannheims nicht untätig. Am 2. Adventssonntag, in pittoresker Atmosphäre im Zeughaus der Reiss-Engelhorn Museen, durchstreifte Raimund Gründler mit seinem Publikum den glorreichen Feldzug des Lebkuchens, Anja Weinberger erzählte Geschichten rund um Weihnachtslieder und Christiane Wilms stellte in ihrem Beitrag die durchaus kritische Frage: wieviel Weihnachten darfs den sein?“

Die Flötistin Anja Weinberger untermalt die Lesung mit ihrem Instrument, ©Christiane Wilms

Loriots gemütlich-vermülltes Weihnachten

Weihnachten ohne Gemütlichkeit?! Für die Hoppenstedts, aus Vicco von Bülows (alias Loriot) Feder stammende Vorzeige-Weihnachtsfamilie eine kaum vorstellbare Zumutung! Opa Hoppenstedt (Loriot selbst), Vater Hoppenstedt (Heinz Meier) und Mutter Hoppenstedt (Evelyn Hamann) ziehen alle an einem Strang, wenn es darum geht, ein schönes Weihnachtsfest zu erleben.

Schön geschmückter Baum, wie bei den Hoppenstedts
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Erich Kästners „Fliegendes Klassenzimmer“

Wo die Mutigen klug und die Klugen mutig werden

Passend zur Weihnachtszeit: Die Deutschen lieben Antihelden. So wie Siegfried, der trotz seines Bades im Drachenblut just an der Stelle verwundbar war, wo das Blatt zuvor auf seine Schultern fiel, sind sechs Internatsschüler aus Erich Kästners Roman Das fliegende Klassenzimmer Helden mit sympathischen Schwächen:

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