Morgen und Samstag streikt wieder die Rheinbahn.
Während man frierend an der Haltestelle steht und sich fragt, ob Bewegung vielleicht doch eine Form der Selbsttäuschung ist, fällt der Blick zwangsläufig auf das große „H“.
Ein Buchstabe, den jeder kennt.
Und über den erstaunlich wenige je nachgedacht haben.

Das stillste Verkehrszeichen des Alltags
Das „H“ markiert im Straßenverkehr eine Einrichtung, an der öffentliche Verkehrsmittel fahrplanmäßig halten – entweder automatisch oder auf Anforderung. So nüchtern beschreibt es die Verwaltungssprache.
Oder einfacher gesagt:
Hier sollte eigentlich ein Bus kommen.
Das Haltestellen-„H“ gehört damit zu den stillsten Designklassikern unseres Alltags. Jeder versteht es sofort, unabhängig von Sprache, Herkunft oder Ortskenntnis. Kein erklärender Text nötig, keine Anleitung.
Und doch hat dieses Symbol keinen berühmten Designer.
Ein Zeichen ohne Künstler
Anders als das S-Bahn-Logo oder berühmte Firmenzeichen entstand das „H“ nicht am Reißbrett eines Grafikers, sondern aus Bürokratie.
Seinen Ursprung verdankt es Verordnungen über Bau und Betrieb von Straßenbahnen sowie dem Personenverkehr im Nahverkehr, die Anfang des 20. Jahrhunderts eingeführt wurden. Verwaltung statt Avantgarde also.
Ein seltenes Beispiel dafür, dass funktionale Klarheit nicht aus Kunsttheorie entstand, sondern aus praktischer Notwendigkeit.
Die unsichtbare Schnittstelle
Laut Definition sind Haltestellen Schnittstellen zwischen öffentlichem Nahverkehr und Fußverkehr.
Ein erstaunlich poetischer Gedanke für einen Ort, an dem Menschen meist einfach nur warten.
Das „H“ steht damit für einen Übergang:
zwischen Bewegung und Stillstand, Planung und Realität — und gelegentlich auch zwischen Hoffnung und Streikfahrplan.
Design, das niemand bemerkt
Vielleicht liegt gerade darin seine Stärke.
Das Haltestellen-„H“ funktioniert so gut, dass es unsichtbar
geworden ist.
Ein Symbol, das jeder versteht, ohne je darüber nachzudenken.
Bis der Bus nicht kommt.
Mehr zur Geschichte moderner Gebrauchsgrafik auch im Beitrag über das S-Bahn-Logo.https://dieahnin.com/2026/02/04/vom-streik-zum-stammbaum/
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