Warum die Gasmaske die Gillettes Rasierhobel revolutionierte?

Das Rasiermesser ist heute einerseits zwar Kult, aber …  Andererseits löst es mitunter eine suggestive Wirkung beim Betrachten desselben aus. Viele denken – wenn nicht gar an durchgeschnittener Kehle – doch zumindest an eine blutige Angelegenheit via unsichere Handhabung. Der anschließend demütige Gang zum Barber ist bei den meisten gedanklich längst eingeplant. Doch zum Glück gab und gibt es ja den Rasierhobel.

Gillettes Rasierklingen: scharf, hart, biegsam und vor allen Dingen billig

1895  ärgerte sich der Handelsreisende King Camp Gillette darüber, dass sein stumpfes Rasiermesser sein Kinn fast blutig geschabt hatte. Und entwickelte mit dem Mechaniker William E. Nickerson die Idee, Klingen aus dünnem Walzstahl zu produzieren. Der Vorteil daran:  Der Stahl war scharf, hart, zugleich biegsam – und unendlich preiswert. 1901 meldete Gillette seine „Safety Razor“ zum Patent an. Waren es 1903 nur 200  produzierte Rasierklingen, klingelten ein Jahr später mit 100.000 verkauften Klingen inklusive Hobel die Kassen schon recht munter. 13 Jahre später gab es für Gillettes Erfolg kein Halten mehr. Die Firma bekam von der US-Armee einen Auftrag von über 30 Millionen Rasierklingen.

Der Erfolg kommt mit der Gasmaske

Schuld für den Erfolg des neuen Verkaufsschlagers war der Erste Weltkrieg. Gefolgt von einer perversen militärischen Erfindung: Der Chlorgasangriff. Vorbei war die Ära, als England im 19. Jahrhundert den Bart als eine Art Wärmeregulator auch noch Schutz vor Dämpfen, Staub und schlechter Luft ansah. In Armeekreisen glaubte man gar, dass eine Rasur gar Zahnschmerzen hervorbringe.

„Im Frieden für die Menschheit, im Krieg für das Vaterland“

Die Zeiten hatten sich geändert. Und die der Kriege auch. „Im Frieden für die Menschheit, im Krieg für das Vaterland“ lautet das Motto im Ersten Weltkrieg von dem Erfinder des Chlorgases, Fritz Haber. Als Chemiker wusste er, was auf dem Schlachtfeld passieren würde. Die Soldaten wanden sich am Boden, röchelten, um dann qualvoll zu ersticken.

Zuerst versuchten sich die Soldaten, sich mit Mulltüchern zu schützen. Doch dann erfand Garett Augustus Morgan die Gasmaske. Die mit runden Augengläsern versehene, graubraune Maske mit dem metallenen Kohlefilter an der Schnauze sollte den Soldaten vor einem grausamen Tod bewahren.

Eine Gasmaske braucht eine glattrasierte Wange

Und hier kam Gillettes entwickelte Klinge nebst Rasierhobel ins Spiel. Die Maske hielt nur dicht bei einer glattrasierten Wange. Und damit zwischen Haut und Ziegenleder kein Blatt passt, war eine tägliche Rasur von Nöten. Niemand konnte schließlich von Soldaten verlangen, dass sie in ihrer kurzen Gefechtspause  nervös mit einem Rasiermesser hantierten und sich womöglich verletzen. Sicherheit ging vor.

Neue Gase als „Maskenbrecher“

Genutzt hat es etlichen Soldaten wenig. Denn die Gegenseite (also Franzosen und Engländer), nicht minder perfide in ihrem Erfindungsreichtum, setzte auf Kampfstoffe, die die Soldaten zwangen, ihre Masken abzunehmen. Diese Gase waren an sich nicht tödlich. Aber wenn die Maske einmal vom Gesicht gezogen war, waren die Soldaten weiteren Gasangriffen schutzlos ausgeliefert. Mit starken Verätzungen der Haut und sonstigen schweren Verletzungen, bis hin zum Tod. Aber mit glattrasierter Wange. Immerhin.

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